Sandiges Wildbienenhotel

Wenn die Kinder aus dem Sandkastenalter heraus sind und Enkel noch nicht erwartet werden, hat der Sandkasten seine Schuldigkeit als Spielwiese getan. Oder wenn ein abgedeckter Sandkasten von vierbeinigen, langschwänzigen Säugetieren im Winter als Lebensraum entdeckt worden ist und der Sand dadurch dringend ausgetauscht werden muss, hat man ein Entsorgungsproblem: wohin mit dem Sand? Es sind schließlich etliche Schubkarren voll. Falls man schweren, lehmigen Boden im Garten hat, kann es sinnvoll sein, ihn dort zu verteilen und mit der ursprünglichen Erde zu vermischen, um die Durchlässigkeit zu erhöhen. Bei sandigem Boden allerdings sollte man eine weitere Sandzufuhr tunlichst vermeiden. Was in vielen Fällen negativ für die Anschlussverwendung von Sand ist, dass die Kinder etwa beim Spielen ungeliebte Zutaten wie Mutterboden, Essenskrümel und einiges Andere zugefügt haben, bildet dagegen die optimale Beschaffenheit für eine andere Nutzung: einem Sandarium. Hier ist es nämlich von Vorteil, wenn der Sand nicht mehr lockerleicht ist, sondern eine gewisse Festigkeit aufweist. Deshalb ist es wichtig, die richtige Sandkonsistenz zu verwenden. Neigt der Sand nämlich zum Rieseln, fallen auch die von den Insekten gegrabenen Röhren in sich zusammen. Dabei ist zu beachten, dass es viele unterschiedliche Sandarten gibt. Normaler Maurersand scheidet von vorneherein aus, da die scharfen Körnchen die empfindlichen Flügel der Insekten beschädigen können. Ob ein Sand (nicht: Erde) im Hinblick auf den Zusammenhalt der Körnchen für ein Sandarium geeignet ist, kann man leicht nachprüfen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sagt dazu: „Machen Sie eine Förmchenprobe: Füllen Sie den feuchten Sand in einen Joghurtbecher und stellen ihn zum Trocken auf den Kopf. Hält die Form im trockenen Zustand gut zusammen? Dann passt die Sandstruktur.“     

Aber was genau ist überhaupt ein Sandarium? Was das Wasser im Aquarium, ist der Sand im Sandarium – nämlich der Lebensraum für bestimmte Tiere. Während jedoch die Fische im Aquarium zumeist lediglich der optischen Freude dienen, schafft das Sandarium ein dringend benötigtes Spezial-Biotop. Diverse Wildbienen sowie Grabe- und Wegwespen, die im Rasen, auf ständig gehackten Beeten, in Schottervorgärten oder arg verdichteten oder gar versiegelten Flächen kaum noch Möglichkeiten finden, ihre Gänge zu graben, nehmen solch ein Angebot liebend gerne an. Besucher solch eines Sandariums gibt es genügend, da immerhin 75 % der Wildbienen das Erdreich als Nistplatz benötigen. Nur die restlichen 25 % fliegen auf die vielfach angebotenen „Wildbienenhotels“ an den Wänden.     

Wenn man sich entscheidet, Insekten so ein Refugium anzubieten, sollte man zu allererst eine möglichst sonnige Stelle für das Sandarium finden. Damit die Tiere ihre Röhren auch genügend tief anlegen können, empfiehlt es sich, eine rund 40–50 cm tiefe Grube auszuheben und diese anschließend mit dem Sand aufzufüllen. Alternativ zu einer Grube kann man auch ein entsprechend hohes Hochbeet mit Sand füllen. Um den späteren Bewuchs mit Wurzelunkräutern zu verhindern, sollte man sowohl die Grube als auch den näheren Bereich gründlich in Augenschein nehmen und sämtliche verdächtigen Wurzeln entfernen. Auch den mit der Zeit entstehenden Bewuchs, der in dem Sand zwar keinen optimalen Untergrund findet, aber trotzdem erscheinen wird, sollte man stetig entfernen, da er zum einen mit seinen Wurzeln die Grabetätigkeit der Insekten erschwert und zum anderen die wärmenden Sonnenstrahlen bremst. Um der Masse von Anfang an eine gewisse Festigkeit zu geben, sollte man ihn nach dem Einfüllen entweder mit der flachen Hand oder einer Schaufel festklopfen. Als Einfassung solch eines Sandbeetes bietet sich Totholz an, da viele der Insekten dieses Material benötigen, um eine Verschluss-Substanz für ihre Röhren bilden zu können. Solch eine sandige Stelle wird gerne von Katzen als Freilandtoilette genutzt. Aus diesem Grunde empfiehlt es sich, dornige Zweige vom Schnitt der Rosen, Robinien oder anderen entsprechend bewehrten Pflanzen locker auf der Oberfläche zu verteilen.     

Um den Wildbienen ein Rundum-Glücklich-Paket anbieten zu können, sollte man neben den Wohnmöglichkeiten auch für Essen sorgen. Der BUND empfiehlt für die Bepflanzung um das Sandbeet: Rosmarin, Zitronenthymian, Oregano, Salbei, Lavendel, Glockenblumen, Feder-, Pfingst- oder Kartäusernelken sowie Johanniskraut und Moschusmalve. Vermieden werden sollten gefüllte Blüten und Hybridpflanzen, da sie für die Insektenwelt oftmals wenig zu bieten haben. Und schon hat man mit einfachen Mitteln der vielfach gebeutelten Natur einen neuen Lebensraum zur Verfügung gestellt.    

Diese Art der Nistmöglichkeiten wird erfahrungsgemäß im Laufe der Jahre zum beliebten Anlaufpunkt der erdliebenden Insekten. Nimmt man sich dann die Zeit und beobachtet das Leben auf dieser Fläche, wird man erstaunt sein, wieviel unterschiedliche Tiere man hier entdecken kann.     

Manfred Kotters

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