Samen aus dem eigenen Garten

Saatgut – ideal für alte Sorten 
Wenn im Herbst das letzte Gemüse reift, die Blumen noch einmal ihre ganze Farbenpracht entwickeln und auch noch etliche Kräuter sprießen, entwickeln viele Pflanzen Samen, die meist ungenutzt auf dem Kompost landen oder über Winter Vögeln Nahrung bieten. 
Eigentlich ist es schade, dass viel zu wenig von der Möglichkeit Gebrauch gemacht wird, Samen zum eigenen Nachbau zu gewinnen. Am gebräuchlichsten ist es noch, Blumensamen, z.B. von Ringelblume, Fingerhut, Königskerze, Kapuzinerkresse und Malven, zu sammeln, aber Gemüse- und Kräutersamen werden in den wenigsten Fällen für eine erneute Aussaat genutzt.
Für erste Versuche mit Gemüse bieten sich Fruchtpflanzen an. Es bereitet wenig Mühe, einige Erbsen- und Bohnenhülsen bis zur Samenreife stehen zu lassen. Ebenso bieten sich reife Tomaten, Paprika, Auber­ginen, Kürbisse und Kürbchen, Zucchini und Gurken an, um daraus leicht Samen zu gewinnen; eine Nachzucht aus Hybridsorten ist aber nicht empfehlenswert und bringt keinen Erfolg.
Der Vorteil des eigenen Sammelns besteht neben einer nicht zu unterschätzenden Einsparung darin, alte Sorten kultivieren zu können, die vom Markt verschwunden sind oder Sorten nachzubauen, die für die eigenen Bodenverhältnisse und das Kleinklima des Gartens passen. 
Wichtig ist beim Samen sammeln, immer auf eine gute Ausreifung der Samenstände sowie eine saubere Aufbereitung der Fruchtstände und eine trockene und kühle Lagerung über Winter zu achten.
Die gesammelten Samen werden luftig und schattig gut getrocknet und anschließend von Samenständen oder anhaftendem Gewebe gereinigt. Dies erreicht man bei kleinen Samen am schonendsten dadurch, dass man das Trockengut vorsichtig zwischen den Händen reibt und anschließend siebt oder aussortiert; Bohnen oder Erbsen werden einfach ausgepalt. Samen, die mit Fruchtmark vermischt sind, wie z.B. Tomaten und Kürbisse, werden in einem Gefäß mit Wasser gut durchgeknetet; danach schwimmen die Samen oben auf dem Wasser. 
Eine sachgerechte Lagerung von Sämereien sollte trocken und kühl erfolgen. Für den Hausgebrauch optimal sind Temperaturen um 5 °C und ein Wassergehalt um 10 %. Mehr Feuchtigkeit und Wärme verursachen Schäden durch Bakterien und Pilze, die die Samenhülle aufweichen und den Embryo schädigen. Feuchtigkeit und Wärme führen natürlich auch zur Aufgabe der gewünschten Keimruhe. Frost kann die Samen zerstören, wenn die Feuchtigkeit im Saatgut zu hoch ist. Damit die Ernte des nächsten Jahres nicht in Frage gestellt wird, wenn die Saat nicht aufgeht, lohnt sich eine sachgerechte Lagerung. 
Für die Lagerung sind Tüten oder Briefumschläge geeignet, die, über die Art des Inhalts beschriftet, in einem luftigen Karton aufbewahrt werden. Ein guter Lagerort ist ein kühler, trockener Keller, wo die Samen aber ebenfalls vor Mäusen geschützt sein müssen. Auch ein Platz im Kühlschrank ist denkbar. Gut getrocknete Samen können zudem bedenkenlos in der Tiefkühltruhe eingefroren werden, wie es z.B. auch in den Gen-Banken geschieht. 

Peter Busch

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner