Wie lange bleibt Saatgut gut?

­­Es kommt darauf an                                

Wie lange kann Samen keimfähig bleiben? Das interessiert gärtnernde Menschen immer zu Ende des Gartenjahres, wenn sie vorhandene Samenreste sichten und sich fragen, was damit geschehen soll. Nach neuestem Stand der Dinge können Samen noch nach 2000 Jahren keimfähig sein. Beweis sind etliche Dattelkerne, die 1960 in der Wüstenfestung Masada (Israel) gefunden wurden, nachweislich Radiokarbonmethode über 2000 Jahre alt sind. Das ist neuer Weltrekord. Am 19.1.2005 wurde zum Keimen angesetzt. Einer dieser Kerne keimte, und die Pflanze war nach 26 Monaten 1,20 m hoch. Man beobachtet weiter, sät aus und zieht an, weil sich die gewonnenen Pflanzen von den neuzeitlichen, marokkanischen Datteln eventuell vielversprechend unterscheiden.            

Jetzt aber zu den Samenresten von diesem Jahr. Gleichgültig, um welches Saatgut es sich handelt – wichtigste Voraussetzung dafür, dass es sich auch im nächsten Anbaujahr verwenden lässt, ist Schutz vor Feuchtigkeit und Wärme. Das gilt auch für Saatgutreste aus so genannten keimgeschützten Packungen. Das Saatgut muss luftdicht verpackt gelagert werden, dazu möglichst kühl, durchaus bei Temperaturen unter null, vor jeder Feuchtigkeit geschützt und ebenso vor Licht. Man braucht dazu einen entsprechend großen Behälter für alle Arten, diese getrennt von-einander und deutlich beschriftet. Gut sind gummiabgedichtete Einmachgläser, ferner Holz- und Blechboxen, luftdicht schließend. Für die einzelnen Samenarten kann man die alten Samentüten wieder verwenden oder kompostierbare Cellophantüten oder Briefumschläge aus etwas festerem (braunem) Papier, Marmeladengläser mit Deckeln, Glasflaschen mit Stöpseln und dergleichen. Glasgefäße dichtet man gegen Lichteinfall ab. Das ordnungsgemäß untergebrachte Saatgut lagert bei niedriger Temperatur bis null Grad oder tiefer bei ebenfalls niedriger Luftfeuchtigkeit möglichst unter 20%. Keller- und Bodenräume taugen wenig, weil Keller oft zu feucht sind oder Böden stark wechselnd temperiert. Wichtig ist, dass die Samen wirklich trocken sind, möglichst nicht mehr als 4–6% Feuchtigkeit haben und auch halten. Das gilt besonders für selbst im Garten gesammeltes Saatgut. Dabei helfen wiederverwendbare Silical-Gel-Trockenbeutel des Handels. Vor einer möglichen Wiederverwendung müssen die Beutel getrocknet werden, im Backofen oder in der Mikrowelle, doch nicht bei über 80 Grad. Es ist wenig sinnvoll, älteres als einjährig überlagertes Saatgut weiter aufzubewahren. Keimfähigkeit ist immer begrenzt und lässt unweigerlich nach. Deswegen ist es bei noch so guter Aufbewahrung vor Saat im nächsten Jahr ratsam, mit älterem Saatgut Keimproben durchzuführen. Damit erspart man sich Ärger. Falls alte Samen nicht oder nur noch teilweise keimen, sät man nach dem Ergebnis der Probe entsprechend dicht aus.             


Ilse Jaehner   

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