Es ist unrealistisch gedacht, beim Gartenbau vorauszusetzen, dass die bisherigen Verhältnisse des Klimas, der Samenqualität und der Funktion der Insekten weiter so verfügbar sind wie bisher. Wissenschaftler klären auf und können erreichen, dass vorausberechenbare negative Szenarien nicht zwangsläufig eintreten müssen.
Ein besorgter Blick in die Zukunft: Wiesenblumen, Obstbäume, Kartoffeln, Bohnen und andere Pflanzen blühen in voller Pracht. Was erstaunt: Es ist kein Insekt zu sehen. Diese Zukunftsvision scheint uns heute unwahrscheinlich zu sein, könnte hingegen, mit all ihren Folgen für den Erhalt des Menschen, bittere Realität werden. Die Arbeitsgruppe ‚Biodiversität der Pflanzen‘ der Universität Jena um Prof. Dr. Christine Römermann, fanden in diesem Zusammenhang heraus, dass Insekten einen entscheidenden Einfluss auf die biologische Vielfalt und die Blühphasen von Pflanzen haben.
Die Entwicklung der Forschung
Momentan ändern sich, durch die globale Erwärmung und eine veränderte Landnutzung, Ökosysteme weltweit. In der Folge setzt ein drastisches Insektensterben ein, weil die Lebenszyklen der Insekten und die Blütezeit der Pflanzen oft nicht mehr übereinstimmen. Ein Beispiel: Die Pflanzen blühen, die Insekten sind hingegen noch nicht startklar oder lange an Futtermangel eingegangen. Um die umfassenden negativen Folgen für den Menschen auszuschließen oder einzudämmen, untersuchte die Forschung bisher wie sich die biologische Vielfalt von Pflanzen im Rahmen des Klimawandels verändert. Dazu wurden unterschiedliche klimatische Szenarien im Hinblick auf Temperatur und Niederschlag simuliert. Es war schnell ersichtlich, dass diese Art der Forschung nicht ausreichte. In einer aktuellen Studie, die im Fachmagazin „Frontiers in Plant Science“ erschienen ist, stellt die Arbeitsgruppe Biodiversität der Pflanzen einen anderen Forschungsansatz vor: In Kooperation mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des iDiv (Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung) um Prof. Dr. Nico Eisenhauer richteten die Forschenden ihren Blick auf den Einfluss von Insekten, auf die biologische Vielfalt und das Blühverhalten der Pflanzen.
Josephine Ulrich, ist eine Doktorandin aus dem Team Römermann und die Erstautorin der aktuellen Studie. Sie erläutert, dass bekannt ist, dass die Zahl der Insekten sinkt, und verweist als Beweis auf eine Studie aus dem Jahr 2017, die einen Insektenschwund um 75 Prozent in den vergangenen 30 Jahren feststellt. Die Jenaer Forschungsgruppe hat aktuell erstmals detailliert untersucht, inwiefern die sinkende Insektendichte die Entwicklung von Pflanzen beeinflusst. Während bisher nur Freiland-Versuche dazu durchgeführt wurden, nutzte das Forschungsteam das „Ecotron“, eine Forschungseinrichtung des iDiv.
Das Neuartige: In künstlichen Ökosystemen können identische klimatische Situationen simuliert und per Kamera beobachtet werden. Im Experiment testeten die Forscherinnen und Forscher, wie sich die Pflanzenzusammensetzung und die pflanzliche Entwicklung verändern, wenn der vorhergesagte Rückgang der Insektenzahl um drei Viertel erfolgt.
Wenn die Biene kommt und kaum eine Pflanze blüht
Ulrich und ihre Kolleginnen und Kollegen fanden dabei heraus, dass durch den geringeren Insektenbestand eine Artenverschiebung unter den Pflanzen stattfindet. Dabei erhöht sich vor allem die Häufigkeit vom Wachstum zum Beispiel des Wiesenklees. Zusätzlich verändert sich, mit abnehmender Insektendichte, die Entwicklung der Blüte. Manche der untersuchten Pflanzen blühten jetzt früher, andere später. Josephine Ulrich erklärt, dass es durch diese Veränderungen zu einer zeitlichen Diskrepanz zwischen Pflanzen- und Tierarten kommen kann. Sie warnt davor, dass Insekten, besonders im jungen Frühjahr nur unzureichendes Futter finden und damit eine Bestäubung von Obst und Gemüse, mit der Gefahr einer Hungersnot, gefährdet ist. In einer Art Kettenreaktion werde die Funktion des Ökosystems weiter geschädigt, würden zunehmend weitere Artenverluste von Insekten und Pflanzen statt finden. Wahrscheinlich würden Pflanzen zunehmend von Schädlingen, beispielsweise Blattläusen befallen werden, da eine Regulation durch Ameisen oder Marienkäfer, nicht rechtzeitig erfolge.
Wie können Menschen unterstützend wirken?
In ihrem Garten zum Beispiel Frühblüher, wie Ackerbohnen anbauen.
Monika Hermeling