Ameisen – manchmal lästig

Jeder von uns kennt diese wuseligen, kleinen Krabbler. Immer unterwegs, nie Ruhe oder Stillstand. In der Natur sind sie als Gesundheitspolizei unterwegs indem sie tote Tiere entsorgen. Außerdem jagen sie so ziemlich alles was sie überwältigen können, Raupen, Schnecken, Spinnen, Käfer usw. Zusätzlich tragen die Unermüdlichen zur Verbreitung von Pflanzensamen bei. Ihre Bedeutsamkeit in der Natur ist unbestritten. Nur ist es wie so oft im Leben: Alles hat die berühmt-berüchtigten zwei Seiten. Auch bei uns vorkommende Arten können als Hygiene- und Materialschädlinge unangenehm sein. Wer ein solches Problem hat, z.B. mit Pharaoameisen im Lebensmittel­bereich, ist nicht zu beneiden. Da muss der Schädlingsbekämpfer eingreifen. Ich bleibe jedoch mal schön bei den gängigen: Rasenameisen, Wegameisen und so weiter. Als Gartenmensch haben sie bestimmt schon gesehen wie die Krabbler, Wachhunden gleich, Pflanzenschädlinge schützen. Blattläuse werden gegen ihre natürlichen Feinde verteidigt. Die Ameisen, die den Zuckersaft von den Pflanzensaugern ernten, schaffen es, Marienkäfer und Florfliegenlarven von ihnen fernzuhalten. 

Auch können Ameisen in größeren Nestern Bodenplatten lockern und grundsätzlich Un­ebenheiten verursachen bzw. zu Sackungen auf Wegen führen. Rasenfreunde zeigen sich nur begrenzt über einen Besatz auf ihrem heiligen Grün begeistert. Die Tiere kommen in Nestern mit tausenden Individuen vor. Bei Rasenameisen sind das schon mal bis 80 000 Tierchen. Viele von uns kennen auch die großen Nester der Waldameisen. Da herrscht ein stetes Kommen und Gehen, was uns draußen im Wald nicht weiter stört. In diesem Ökosystem nehmen sie eine wichtige Kontrollfunktion war. 

Wehe aber, wenn sie sich auf den Kinderspielplatz verirren. Ruck zuck machen sie sich am Holzgestell zu schaffen. Noch weniger Freude löst ein Ameisenvorkommen im Haus und ums Haus aus. Da ekeln sich nicht wenige, bis hin zur Panik. Allerdings stellen die in unseren Gefilden heimischen Arten keine mörderische Gefahr dar, wie sie in Horrorfilmen vorkommen. Sie sind halt lästig und unangenehm durch ihre Bisse. Mitunter reagieren Allergiker heftiger auf diesen Kontakt. Insbesondere während der sommerlichen Schwarmzeit kann es zu unangenehmen Situationen kommen. Da dringen fliegende Tiere auch mal ganz schnell in den Wohnbereich vor. Auch im restlichen Jahr, so ab Frühling, sind ihre Späher auf Suche und wehe sie haben ein Futterquelle in unseren Räumlichkeiten entdeckt. Sicherlich haben die meisten von uns schon diese sogenannten Ameisenstraßen gesehen. Hier folgt einer Karawane gleich, ein Tier dem anderen. Durch Duftstoffe finden sie den Futterplatz und bringen den Ertrag ins Nest. Haben die Betroffenen den Eingang ins Haus entdeckt, gilt einfach: „Alle Schotten dicht“. Wie Sie das machen ist erst einmal zweitrangig. Hauptsache da kommt nichts mehr rein. Natürlich ist es auch von Bedeutung, dafür zu sorgen, dass die Futterquellen wegkommen. Alles was in Frage kommt – Süßes, Eiweißhaltiges – ist zu beseitigen bzw. so zu verstauen, dass es nicht mehr erreichbar ist. Saubermachen und die Situation im Auge behalten ist dann die Devise. Falls sich doch noch einzelne Ameisen blicken lassen, kann gleich eingegriffen werden. Außer dem aktiven Eindringen von außen können wir auch selbst die lästigen Tiere einschleppen. Beim Pflanzenkauf oder durch überwinternde Kübelpflanzen, denn in der Erde können Eier oder Tiere vorkommen. Die vermehren sich und beginnen im Innenbereich herumzustromern. Einzelne Exemplare können aufgekehrt, aufgesaugt oder eingefangen und rausgebracht werden. Klar, das ist schon etwas aufwändig. Eine gängige Methode zur Bekämpfung im Hausbereich sind die Ameisenköderdosen. Diese kommen möglichst im bevorzugten Aufenthaltsbereich der Tiere zum Einsatz. Ich stelle sie nicht nur dorthin wo ich sie vermute, sondern vor allem an und auf ihre Straßen. Es geht darum die stete Zuwanderung zu unterbinden. Daher sind Insektensprays, die aufgespritzt werden, nicht ausreichend wirksam. Aus den Nestern ist ein anhaltender Zustrom gesichert. Der Köderdoseninhalt wird nicht vor Ort verzehrt. Die Arbeiterinnen bringen ihn ins Nest zur Verfütterung an die Brut. Dort entfaltet der Wirkstoff seine volle Wirkung. Gleiches gilt für die selbst gemischten Rezepturen mit Hefe, Zucker, Backpulver usw. Wie auch immer der naturnahe Mensch es sieht, ob notwendig oder überzogen, tierschonender sind die jedenfalls auch nicht. An „Nervengift“ sterben oder zerplatzen, keines davon ist angenehm. Das Ameisennest stirbt letztendlich ab.

Im Garten besteht die Möglichkeit, durch Störung des Nestes, sofern es auffindbar ist, die Ameisen in eine andere Ecke zu vertreiben. Ich habe so lange im Nest mit einem Stock gerührt, bis sie vom Gemüsebeet in eine wilde Gartenecke ausgewandert sind. Es brauchte keine Heißwasser-/Wasserkur. Mir sind schonende Maßnahmen allemal lieber als Abräumaktionen. Nur müssen die auch eine brauchbare Wirkung zeigen. Viele Vertreibungsmittel auf Duftbasis sind keine dauerhafte Hilfe. Kurzfristig ja, aber wenn der Duft verflogen ist, kommt es bald wieder zur Neubesiedlung in dem alten Bereich. Was Sie natürlich nicht davon abhalten soll, trotzdem solche aufwändigeren dafür aber schonenderen Verfahren zu nutzen. Mancher Hobbygärtner hat auch Erfolg mit dem Umsetzen des Nestes, beispielsweise mithilfe von mit Stroh, Heu oder Holzwolle gefüllten Töpfen. Diese stellt man über die Brutstätte. Eventuell stört man das alte Nest etwas, um den Umzug anzuregen. Oft wandern die Ameisen aber auch von ganz alleine ins neue Heim. Alles zusammen kommt dann an einen Platz wo die Tiere sich einnisten können. Deshalb erst mal überlegen, ob sie wirklich so störend sind. Vertreibung geht vor Bekämpfung. Das Ausprobieren von Alternativen zu Insektenbekämpfungsmitteln ist auf jeden Fall für den umweltbewussten Gartenfreund ein Muss.

Hans Will Konrad