Bienenrepublik und Ableger

Wir basteln uns eine Königin

Früher war Mai der Monat der Schwärme, mittlerweile fallen sie im April. Ja, Schwärme fallen – so sagt zumindest der/die Imker*in. Doch was passiert dabei eigentlich, im Stock bei den Bienen und dahinter, bei dem/der Imker*in? Dies gehört zu den spannendsten Sachen beim Imkern. Gerade passiert im Bien (dem Volk) folgendes:

Es gibt immer mehr Bienen, weil die Königin nach der Brutpause fleißig Eier legt (in der Hochsaison kann eine Königin ihr eigenes Körpergewicht an Eiern pro Tag legen – uff!). Die Bienen sammeln, bauen und pflegen die Brut, putzen den Stock, verteidigen ihn. Wenn die Bienen merken, dass der Stock voll ist, wenn es nichts mehr zu bauen gibt, hört die Königin auf zu legen. Die Bienen ziehen sich gleichzeitig eine neue Königin. Dafür bauen sie einige extragroße spezielle Zellen, in die die Königin ihre Eier legt bzw. bauen normale Arbeiterinnen-Brutzellen um. Das sieht dann so aus wie im Bild – das blasen- oder tropfenförmige sind die Weiselzellen (Weisel=Königin).

Wenn die erste Weiselzelle verschlossen wird und die Made zur Puppe wird, verschwindet die alte Königin mit einem Teil des Volks. Die Damen setzen sich alle miteinander in einen Baum (oder an einen anderen Ort, der ihnen geeignet erscheint) und warten bis die Kundschafterinnen ein gutes neues Zuhause gefunden haben. Das ist dann ein Schwarm. Ein Schwarm ist ein beeindruckendes Naturschauspiel, aber auch ­ärgerlich, denn:

  1. der gesamte Bien macht tage- und wochenlang einfach gar nix.
  2. die schwärmenden Arbeiterin Nehmen so viel Honig mit, wie sie in ihren Mägen unterbringen können und den möchte der/die Imker*in ja eigentlich ernten.
  3. so ein Volk hat kaum Überlebenschancen. Zum einen gibt es die Varroa-­Milbe, die das gesamte Volk töten kann, wenn der/die Imker*in nicht vorsorgt. Zum anderen gibt es einfach kaum noch leere Baumhöhlen, große Felsspalten oder andere geeignete Nistplätze.

 

Was tut der/die Imker*in? 

Zunächst versuche ich, die Bienen zum Bauen anzuregen. Ich erweitere die Magazine, ich setze Kästen oben auf, die mit Rähmchen gefüllt sind, die die Bienen ausbauen sollen. Wenn die Bienen trotzdem schwarmlustig werden, bilde ich einen Ableger: 

Ich entnehme gezielt ein paar Brutwaben, eine Honigwabe (Vorrat), eine Wabe mit ordentlich Pollen (Brutnahrung) und setze die in eine neue Beute (Stock/Magazin). Auf den Waben sitzen Arbeiterinnen. Die Arbeiterinnen merken, dass sie keine Königin mehr haben und suchen ein paar ganz frische Eier (Eier sind es drei Tage lang, dann werden es Maden), die sie umbauen zu Weiselzellen. Die Auserwählten kriegen ihr ganzes Leben lang Gelee Royal – dieses Wunderzeug, schmeckt für uns aber eklig. Alle anderen Bienen kriegen das nur als ganz frische Maden ein paar Tage lang. 

Das passiert jetzt gerade: in den Ablegern haben die Damen verstanden, dass sie keine Königin haben, wählen etwa zehn Eier aus und bauen deren Umgebung um – in ein paar Tagen schaue ich in meine Ableger und sehe (hoffentlich) etwa zehn hübsche Weiselzellen. Die hänge ich dann vorsichtig zurück, mache den Deckel zu und warte. Die zuerst geschlüpfte Königin sticht übrigens ihre Schwestern ab, denn es gibt nur eine Königin – Bienen sind nicht zimperlich. Sie findet diese, indem sie trötet. Ihre Schwestern antworten in den Zellen. So ortet die junge Königin ihre Konkurrentinnen und bereitet ihnen ein rasches Ende. Die Königin bleibt ein paar Tage zuhause, dann geht sie auf Hochzeitsflug. Über das Geschlechts- und Sexualleben der Bienen schreibe ich ein anderes Mal – dann wird es richtig abgefahren!

Merke: Ein Bienenstaat ist eigentlich keine Monarchie, sondern eine ziemlich heftige Republik. Wenn Arbeiterinnen mit ihrer Königin nicht mehr zufrieden sind, ersetzen sie diese auch einfach selbst.

Laura Dieckerhoff