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Essen wir demnächst Entengrütze?
Aufgepasst! Dies ist eine Warnmeldung in Sachen Wasserlinse und geht Eigentümer von Gartenteichen an. Wer Wasserlinsen wachsen lässt, ist selbst schuld, wenn im Gartenteich nichts mehr recht gedeiht, keine Seerosen wunderbar blühen, Fische, Frösche und andere sagen: „Bäh, dies Gewässer meiden wir“. Grund für das Desaster: die in der Einzahl sehr unscheinbare Wasserlinse. Sie gleicht einem vierblättrigen Kleeblatt im Miniformat. Es wird kritisch, sobald auf der Wasserfläche eines Gartenteiches erste Wasserlinsen (Limna minor) als grüne Farbtupfer erscheinen.
Der Name Wasserlinse bezieht sich auf die rundliche, flachgedrückte Form der Blätter. Darf man in diesem Zusammenhang überhaupt von Blättern sprechen? Lange war nicht sicher, ob die 2–3 mm großen Gebilde tatsächlich Blätter sind oder blattförmig abgeflachte Sprosse. Genau genommen handelt es sich um freischwimmende, blattartige Glieder, die sich am Grunde durch Sprossung mit nachfolgender Ablösung eines neugebildeten Gliedes reichlich vermehren. Der größere, vordere Teil entspricht einem Blatt, der hintere einer reduzierten Sprossachse. Jede Pflanze hat eine 1–10 cm lange, frei nach unten hängende Wurzel, die hauptsächlich dazu dient, die Wasserlinse in Schwebe zu halten. Sehr kleine, kaum sichtbare Blüten bestehen aus so wenig wie einem Staubblatt und einem nackten, flaschenförmigen Fruchtknoten. Beide umhüllt ein winziges Hochblatt wie bei Aronstab, mit dem Wasserlinsen tatsächlich nahe verwandt sind. Wasserlinsen vermehren sich jedoch vornehmlich vegetativ wie geschildert. Samen setzen sie kaum an.
Lässt man Wasserlinsen gewähren, nehmen sie bald jedes freie Plätzchen auf der Wasseroberfläche ein, verhindern so, dass genügend Sonnenlicht und Sauerstoff ins Wasser gelangen, worunter Tiere und Pflanzen im Teich leiden. Darum ist es wichtig, Wasserlinsen abzufangen, ehe sie sich ab September langsam auf den Winter vorbereiten und in frostfreie Teichtiefe absinken. Bei kleinen Teichen mit wenig Pflanzenwuchs erhöht man den Wasserstand, bis das Wasser überläuft und die Wasserlinsen mitnimmt. Bei größeren Teichen muss man sie herausfischen, möglichst auch zwischen den Pflanzen. Im nächsten Frühjahr aufpassen und den Anfängen wehren, sowie sich Wasserlinsen blicken lassen.
Besitzer von Wasserburgen haben mit Enten einen für beide Seiten befriedigenden Vertrag geschlossen. Das Federvieh hat Wasserlinsen im Burggräben zum Fressen gern und hält sie sauber. Daher der Name Entengrütze. In Ostasien wissen Menschen bestimmte Wasserlinsen als sehr eiweißreich, fett- und stärkehaltig zu schätzen, und in Europa laufen Versuche, Wasserlinsen als gesundes Nahrungsmittel zu etablieren. Schwimmen welche im Gartenteich, kann man sie also auch einfach aufessen.
Ilse Jaehner