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Schmuck der besonderen Art
Frauenmantel ist nicht etwa ein Kleidungsstück, sondern eine wunderbar patente Staude, die von Kopf bis Fuß empfehlenswert ist für intelligente Gärtner und solche, die es werden wollen, vielfach begabt und schön dazu. Der Name Frauenmantel bezieht sich auf die rundlichen, hübsch gefalteten Blätter in Anlehnung an den Mantel, den die Mutter Jesu schützend über alle Menschen breitet. Andere Bezeichnungen wie Taufänger oder Tauschüsseli meint die Wassertropfen, die sich nach Niederschlag lange auf den Blättern halten und in der Sonne blitzen. Übrigens glitzert nicht nur Tau. Die Pflanze presst selbst Wassertropfen aus dem Innern der Blätter nach außen. Man nennt das Guttation. Damit wird versucht, Wasserüberschuss im Pflanzeninneren auszugleichen, um weiter wichtige Nährstoffe aufnehmen zu können, was sonst unter dem Zuviel an Wasser unterbleibt. Der Name Frauenhilf weist seinerseits darauf hin, das Frauenmantel-Tee bei mancherlei Frauenbeschwerden hilfreich sein kann, was die Schulmedizin zwar bezweifelt, die Volksmedizin jedoch glaubt.
In der Gartenpraxis muss man unterscheiden zwischen der wilden, heimischen Staude und einer Ausgabe aus Südosteuropa. Die Wildstaude heißt botanisch Alchemilla xanthochlora, nach alter Schreibweise Alchemilla vulgaris, und wächst gern auf taufeuchten Wildwiesen. Dieser Frauenmantel wirkt bescheiden neben dem anderen Frauenmantel Alchemilla mollis. Darum ist er allenfalls Bestandteil von Wildstaudenpflanzungen oder Wildwiesen. Ansonsten hat im Garten Alchemilla mollis Vorrang, weil attraktiver sowohl in Wuchs als auch Blüte. Dieser Frauenmantel wächst gut in flüchtigem Schatten, in Halbschatten und bei etwas feuchterem Boden auch in Sonne als ausgezeichneter Bodendecker für größere Flächen. Über den hübschen Blättern auf 25–30 cm hohen Stielen wogen im Juni/Juli die umfangreichen, lockeren Blütenstände mit gelblich-grünen Blüten und verzaubern den ganzen Fleck. Der gute Eindruck hält an, wenn man noch vor dem endgültigen Verblühen die Pflanze ziemlich scharf zurückschneidet und neu austreiben lässt. Dann blüht sie nach und ist bis Frost schön. Rechtzeitiges Zurückschneiden verhindert außerdem, dass sich die Pflanze selbst aussät, es sei denn, man wünscht das ausdrücklich, um noch mehr Pflanzen zu bekommen. Will man durch Teilung vermehren, ist die beste Zeit dafür im Frühjahr kurz vor Austrieb oder sofort nach der Blüte. Frauenmantel liefert aus vielen locker geordneten gelbgrünen Blütchen hübsches Beiwerk für viele bunte Sträuße von Rosen bis zu Stauden und Sommerblumen.
Ilse Jaehner