|
|
Sie ist ein bisschen wild
Der letzte von zwölf Monaten beschließt das Jahr. Viele Monatsnamen sind römischen Ursprungs, auch Dezember. Anfangs war dieser Monat allerdings der zehnte, hieß Dezember nach 10, gleich römisch decem. Dann wurde der Kalender umgestellt auf zwölf Monate. Der letzte müsste ähnlich duodecim, gleich zwölf lauten. Das wäre jedoch umständlich. Man beließ es bei Dezember. Eine deutsche Bezeichnung für Dezember ist Julmond, nach dem Fest, das die alten Germanen zur Wintersonnenwende feierten. In diesem Jahr, also 2024, ist Wintersonnenwende am 21.12. um 10:20 Uhr mitteleuropäischer Zeit und der kürzeste Tag 7 Stunden und 36 Minuten lang. Das jedoch nicht überall. Der Münchener Tag ist fast eine Stunde länger als der Hamburger. Näher zum Äquator wird der Tag immer länger.
Wir verbinden mit dem Namen Dezember endgültig Winter, doch es ist bis zum 21.12. noch Herbst. Im Dezember weiß das Wetter nicht so recht, was es will. Es ist noch reichlich Wärme vom Herbst vorhanden, vor allem im Boden. Das nutzt man zur Pflanzung von Gehölzen bei „offenem“, also nicht gefrorenem Boden. Dann nehmen die Wurzeln noch Verbindung mit der Erde auf und legen nach dem Winter zügig los. Nach dem 21.12. wird die Sache heikel, denn jetzt wird es bald frieren, und in gefrorenen Boden pflanzt man nicht. Schnee ist und bleibt der beste Kälteschutz für Pflanzen. Manche Leute nennen Schnee zwar das Leichentuch der Natur. Aber wie falsch! Schnee ist im Gegenteil wie eine wärmende Kuscheldecke. Unter Schnee sinkt die Temperatur kaum unter null Grad. Liegt kein Schnee, herrscht also Kahlfrost oder Barfrost, wird es ungemütlich, sogar gefährlich für viele Pflanzen.
Die Meinung, dass Pflanzen im Winter, wenn es am kältesten ist, am nachdrücklichsten abschalten, stimmt so nicht. Gehölze als ausdauernde Pflanzen schließen bereits im Herbst ab und stellen sich im Dezember schon wieder auf Wachstum ein. Der Brauch, ab 4. Dezember, dem Barbaratag, Zweige zur Blütentreiberei zu schneiden, nutzt ganz bewusst diese wiedereinsetzende Triebbereitschaft, denn vor diesem Termin zu treiben, gestaltet sich wesentlich schwieriger. Merke deswegen: Der Dezember ist zwar der dunkelste Monat mit den kürzesten Tagen, aber bedeutet nicht Stillstand, sondern schon neuen Anfang. Insgesamt ist die Zeit spannungsreich. Die Raunächte vom 25.12. bis 6.1. sind düster, geheimnisvoll. Geister und böse Dämonen treiben ihr Unwesen. Mit lautem Getöse und allerlei Hokuspokus werden sie vertrieben. Lostage im Dezember sagen die Zukunft voraus. „Wie das Wetter zu Barbara wird es Weihnachten sein.“ „Regnet es Sankt Nikolaus (am 6. Dezember), wird der Winter streng und graus.“ Die Vorhersage mit „Ist es grün zur Weihnacht, schneit es auf Ostereier“, erscheint etwas abenteuerlich, wogegen der Spruch „Silvesternacht frostig und klar weist auf ein gutes, neues Jahr“ hoffnungsvoll stimmt.
Ilse Jaehner