Ein neuer Schädling macht in jüngster Zeit von sich reden: die Kirschessigfliege, die wissenschaftlich Drosophila suzuki heißt. Der Wirtspflanzenkreis dieser Fruchtfliege ist enorm groß und umfasst sowohl Beeren-, als auch Stein- und Kernobstarten. Und auch Tafeltrauben und Kiwis werden befallen. Wirksame Bekämpfungsmittel stehen selbst dem gewerblichen Anbauer kaum zur Verfügung, und im Hobbybereich ist die Situation noch weit bedrohlicher. Als mechanische Bekämpfungsmethode kommt die Verwendung von feinmaschigen Netzen in Betracht, mit denen einzelne Bäume oder auch ganze Beerenhecken abgedeckt werden. Das lässt sich aber wohl nur für niedrigwachsende Kulturen bewerkstelligen, bei großkronigen Bäumen dürfte diese Schutzmethode aber wohl kaum in Betracht kommen.
Eine andere Möglichkeit, das großfrüchtige Baumobst und die Tafeltrauben wirksam zu schützen, ist das Eintüten oder Einbeuteln der einzelnen Früchte oder Fruchtstände. Dadurch wird verhindert, dass die Fruchtfliegen und auch andere Schadinsekten zur Eiablage an die Früchte gelangen. Und auch Vögeln wird insbesondere bei Tafeltrauben der Zugriff auf die Beeren verwehrt. Ich kenne diese Methode aus Spanien, wo schon seit vielen Jahren zum einen eine spätreifende Pfirsichsorte, als auch Tafeltrauben, eingetütet werden. Es handelt sich bei diesen Tüten um Papiertüten mit innerer Wachsbeschichtung, die etwas transparent sind. Diese Tüten sind in verschiedenen Größen zu erwerben, abhängig davon, welches Obst eingetütet werden soll. Es soll sogar solche geben, mit denen sich die in Trauben reifenden Mangos einpacken lassen. Diese dürften dann in etwa mittleren Einkaufstüten entsprechen.
Recht- oder besser frühzeitig angebracht, sollten die Tüten auch einen wirksamen Schutz vor Pilzkrankheiten darstellen. Hier ist aber sicherzustellen, dass nur trockene Früchte in die Tüte kommen. Das Verfahren ist besonders für kleinere Baumformen geeignet, wie etwa auf schwachwachsende Unterlagen veredelte Pillarbäume, Schlanke Spindeln und Ballerinas, bei denen das Eintüten vom Boden aus einfach ausgeführt werden kann.
Inwieweit sich diese Tüten hinsichtlich der Material-Stabilität auch in feuchten Jahren bewähren, müsste noch erprobt werden, denn der Witterungsverlauf in einem südeuropäischen Land wie Spanien ist kaum mit dem in Mitteleuropa zu vergleichen. Ein weiterer Punkt der für das Eintüten spricht, ist die Möglichkeit der Durchführung von Pflanzenschutzmaßnahmen, wobei die Tüten ein Rückstandsproblem auf den Früchten verhindern.
Seit einiger Zeit bietet der Handel Fruchtschutznetze in Beutelform an. Die lieferbaren Größen dieser Beutel ermöglichen ein Einpacken ganzer Pflanzen, oder in den kleineren Versionen ein Einpacken von einzelnen Früchten oder fruchttragenden Triebteilen. Das Material ist sehr feinmaschig und dauerhaft. Im Gegensatz zu den bereits erwähnten Papiertüten, die mit Heftklammern um die Früchte und Fruchtstände fixiert werden, sind die Fruchtbeutel mehrmals verwendbar. Diese Beutel sind auch in verschiedenen Farben erhältlich.
Der Vorteil der Fruchtschutzbeutel ist deren einfache Anbringung. Das Material erlaubt ein schnelles Überstreifen, durch die Schlaufe an der Öffnung wird der Vorgang der Fixierung schnell abgeschlossen. Hinzu kommt die Wiederverwendbarkeit des Materials, dies rechtfertigt einen höheren Preis im Vergleich zu den Einwegtüten.
Weitere Einsatzbereiche
Die Hersteller und Vertreiber der Fruchtschutzbeutel haben durch die Bezeichnung ‚Fruchtschutz‘ den Einsatzbereich dieser Beutel vermutlich unbewusst sehr eng gefasst. Das ist schade. Denn wenn man/frau sich näher mit dem Material und möglichen Anwendungen beschäftigt, ergeben sich eine enorme Vielfalt an Einsatzbereichen, die auch schon mit Erfolg praktiziert wurden und werden. So lassen sich mit der entsprechenden Beutelgröße und -farbe auch ganze Pflanzen mitsamt Topf oder auch ohne eintüten. Dies kann mit Erfolg bei Basilikum oder anderen kulinarischen Gewürz- und Küchenkräutern im Topf gemacht werden. Diese Pflanzen sind besonders bei pflanzenschädlichen Zikaden beliebt. Deren Saugtätigkeit entstellt die Blätter und macht eine Verwendung derselben in der Küche nahezu unmöglich. Der Fruchtschutzbeutel ist hier eine wirksame Barriere.
Die Beutel eignen sich aber auch zum Trocknen oder Nachtrocknen. Gute Erfahrungen konnte ich in diesem Zusammenhang mit Chilis machen. Hier sollen die getrockneten Früchte für die Herstellung von scharfem Paprikapulver verwendet werden. Die Samen hatte ich vorher entfernt und ließ die geöffneten Früchte nachtrocknen. Durch die in die Beutel eingearbeitete Schlaufe lassen sich die Beutel leicht verschließen und mit Klammern auf einer Leine im Freien aufhängen. Durch etwas Wind wird der Trockenvorgang noch etwas beschleunigt. Gut funktioniert hat dies auch beim Trocknen von Stevia-Blättern und geschnittenem Thymian und Rosmarin. Die Anwendungsmöglichkeiten sind sehr vielfältig und fast auf jegliches zu trocknende pflanzliche Material anwendbar.
Das Nachtrocknen im Beutel hat sich auch bei Saatgut als enorm praktisch erwiesen. Durch die Verwendung von passenden Schalen lässt sich auch Saatgut sehr gut trocknen und zudem schützen. Das Saatgut wird in den Schalen ausgebreitet und die Schale als Ganzes eingetütet und mit der Schlaufe verschlossen. Feuchtigkeit kann leicht entweichen. Wer direkt draußen trocknen will, sollte entsprechende Schalen aus Glas verwenden. Durch deren Eigengewicht kann ihnen Wind nichts anhaben. Auch wenn Haustiere, insbesondere Katzen, zufällig auf die Schalen treten kann nichts verlorengehen. Das resistente Material erlaubt eine mehrmalige Verwendung, auch über einen längeren Zeitraum hinweg.
Sollten Ihnen diese Beutel mal in die Hände kommen, dann machen Sie sich doch mal ans Experimentieren. Es lohnt sich.
Thomas Bay