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Im Herbst ist Kranzzeit. Mit Erntekränzen zum Erntedankfest beginnt sie, geht weiter mit Kränzen zu den Totengedenktagen, endet für dieses Jahr mit Adventskränzen. Wir kennen ferner Frühlings- und Sommerkränze, Kränze zum Geburtstag, zu Jubiläum und Hochzeit. Wir binden Siegerkränze, Kränze zum 1. Mai und zum Richtfest. Türkränze empfangen Besucher freundlich.
Warum immer wieder Kränze? Der Kranz ist stets Sinnbild, vor allen Dingen des Glaubens an die Unsterblichkeit des Lebens. In der Ringform, die weder Anfang noch Ende kennt, nimmt dieser Glaube Gestalt an. Unabhängig davon, wann und wo wir Kränzen begegnen, spielt dieser Glaube an das Bestehende im Wechsel der Zeit, an Erfüllung und Erneuerung die tragende Rolle.
Kranz ist ein Sammelbegriff für kreisförmige Dinge, besonders für Gebinde aus Pflanzenteilen, immer unter Einhaltung der sinnbildlichen Ringform. In der Wahl des Materials hat man freie Hand. Es gibt schöne und duftende Kränze aus Rosen, Lilien und Hyazinthen, wohlriechende aus Kräutern mit Klee, Majoran, aus Salbei und Myrte, grüne aus Efeu und Lorbeer. Vorzeiten bekränzte man sich und andere an Kopf, Hals und Brust, machte Kränze zum persönlichen Schmuck. Goldene, silberne oder sonst wertvolle Kränze kamen erst später auf. Auf jeden Fall spielten und spielen Kränze im gesellschaftlichen Leben eine bedeutsame Rolle.
Immer kommt es auf die Form des Kranzes an. Sie unterliegt bestimmten Regeln. Das Verhältnis von Kranzkörper und Kranzöffnung muss stimmen. Der Kranzkörper soll wohl füllig, doch nicht dicht erscheinen. Ist die Kranzöffnung zu groß, überwiegen die Fliehkräfte und heben die Geschlossenheit des ganzen Gebildes auf. Ein solcher Kranz hat nur Rahmenwirkung. Ist die Kranzöffnung zu klein, geht die Bewegung des Kranzes, die er in sich haben muss, verloren. Es entsteht ein ruhender Körper mit einem Loch in der Mitte. Es gibt ideale Verhältnisse von Gesamtdurchschnitt des Kranzes, Breite des Kranzkörpers und Durchmesser der Kranzöffnung, zum Beispiel Kranzkörper zu Kranzöffnung gleich 1:1,6. Der Umriss des Kranzes sei ruhig und geschlossen. Je einfacher und klarer die Ringform, um so ausdrucksstärker ist sie. Besonders häufig geht sie bei Grabkränzen verloren, weil diese mit Schmuck überladen werden, so dass die Ringform gar nicht mehr zu erkennen ist. Weniger ist in solchen Fällen mehr. Gerade bei solchen Anlässen sollte die Ringform als Symbol der Unendlichkeit des Lebens besonders deutlich ihren Ausdruck finden.
Ilse Jaehner