Taglilien (Hemerocallis): Ein vielseitiges Juwel für jeden Garten

Die Gattung Hemerocallis gehört zur Familie der Affodillgewächse (Asphodelaceae), genauer gesagt zur Unterfamilie der Tagliliengewächse (Hemerocallidoideae). Taglilien, botanisch als Hemerocallis bekannt, sind eine der beliebtesten und pflegeleichtesten Stauden, die in Gärten auf der ganzen Welt zu finden sind. Ihr Name, der aus den griechischen Wörtern hemera (Tag) und kallos (Schönheit) stammt, beschreibt treffend ihr charakteristisches Merkmal: Jede einzelne Blüte öffnet sich für nur einen Tag. Doch diese kurze Blühdauer wird durch eine schier endlose Fülle an Blütenknospen ausgeglichen, die sich über Wochen, manchmal sogar Monate, nacheinander entfalten. Die Gattung Hemerocallis stammt ursprünglich aus Asien, insbesondere aus China, Korea und Japan. Dort wurden sie bereits vor Jahrhunderten kultiviert und geschätzt, nicht nur für ihre Schönheit, sondern auch für ihre essbaren Blüten und Triebe. Europäische Gärtner entdeckten die Taglilien im 16. Jahrhundert, aber erst im 20. Jahrhundert begann die intensive Züchtung, die zu der unglaublichen Vielfalt führte, die wir heute kennen. Die Anzahl lässt sich in zwei Kategorien aufteilen:        


Nach Arten:      

Es gibt etwa 20 wilde Arten der Hemerocallis, die hauptsächlich in Asien vorkommen. Diese Wildarten blühen typischerweise in Gelb oder Orange. Sieben von den genannten Arten sind nachstehend aufgeführt, sie haben allesamt eine große Bedeutung bei der Sortenzüchtung von Hemerocallis.      

  • Hemerocallis lilioasphodelus (Gelbe Taglilie/Wiesen-Taglilie): Eine der ältesten kultivierten Arten, die oft in Gärten zu finden sind. Sie hat duftende, hellgelbe Blüten.
  • Hemerocallis fulva (Braune Taglilie): Bekannt für ihre orange-braunen Blüten. Sie neigt dazu, sich stark auszubreiten und ist daher oft an Wegrändern oder Bahndämmen zu finden (daher auch der Spitzname „Bahnwärter-Taglilie“). Die bekanntesten Wildarten, die die Grundlage für die moderne Züchtung bilden, sind unter anderem Hemerocallis fulva und Hemerocallis lilioasphodelus (auch bekannt als Zitronen-Taglilie). Die Hemerocallis fulva mit ihren charakteristischen orangebraunen Blüten war die erste Art, die ihren Weg nach Europa fand und sich dort mancherorts als verwilderte Pflanze etablierte.
  • Hemerocallis citrina (Zitronen-Taglilie): Diese Art blüht nachts und verströmt einen intensiven, zitronenartigen Duft. Ihre Blüten sind zitronengelb.
  • Hemerocallis minor (Kleine Taglilie): Eine eher kleinwüchsige Art mit früh blühenden, gelben Blüten.
  • Hemerocallis middendorffii (Middendorffs Taglilie): Diese Art stammt aus Amur, Nordchina und Japan. Sie blüht goldgelb und oft schon im Frühjahr.
  • Hemerocallis dumortieri (Dumortiers Taglilie): Eine weitere früh blühende Art aus Ostasien, die für ihre gelben Blüten bekannt ist.
  • Hemerocallis thunbergii (Thunbergs Taglilie): Eine späte Taglilienart mit zitronengelben Blüten. 


Nach Sorten:     

Taglilien sind krautige, mehrjährige Pflanzen, die kräftige, fleischige Wurzeln und kurze Rhizome bilden, aus denen dichte Horste von schwertförmigen Blättern wachsen. Die Blätter sind meist grasgrün, können aber je nach Sorte auch gelbgrün oder blaugrün sein. Der Blütenschaft ist blattlos und trägt an seinem Ende mehrere Blütenknospen. Die Blüten selbst sind trichterförmig und bestehen aus sechs Blütenblättern (drei Kelchblätter und drei Kronblätter), die sich zu einer auffälligen Blüte vereinen. Die Farbpalette ist atemberaubend und reicht von reinem Weiß über zarte Pastelltöne wie Gelb, Orange, Rosa und Violett bis hin zu tiefen Rottönen und fast schwarzen Schattierungen. Lediglich die Farbe blau kommt bei Hemerocallis nicht vor. Es gibt auch zweifarbige und mehrfarbige Blüten, Blüten mit Rüschen (gekräuselte Ränder) oder mit einer kontrastierenden „Augenzone“ in der Mitte. Die Züchtung von Taglilien hat zu einer enormen Anzahl an Sorten geführt. Die American Hemerocallis Society (AHS) hat mittlerweile über 90.000 registrierte Sorten. Die Sorten unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht. Die Blütenformen der Hemerocallis (Taglilien) sind äußerst vielfältig, da es Tausende von gezüchteten Hybriden gibt. Die Züchter legen dabei Wert auf unterschiedliche Merkmale wie Größe, Form, Farbe und Randverzierungen.    


Die gängigsten Blütenformen      

  • Rundlich: Die Blütenblätter sind breit und überlappen sich, so dass die Blüte eine runde, volle Form hat.
  • Trompetenförmig: Die Blüte hat eine tiefe, trompetenartige Form.
  • Spinnenform: Die Blütenblätter sind sehr schmal und lang. Das Verhältnis von Länge zu Breite beträgt hier mindestens 4:1.
  • Ungewöhnliche Form: Dies ist ein Sammelbegriff für Blütenformen, die nicht in die oben genannten Kategorien passen. Sie können unregelmäßig geformt sein, mit verdrehten oder gezackten Blütenblatträndern.
  • Gefüllt blühend: Diese Sorten haben zusätzliche Blütenblätter, die oft aus den Staubgefäßen entstanden sind, was der Blüte eine sehr volle, oft rosenähnliche Blütenform verleihen kann 
  • Gerüschter oder gezahnter Rand: Viele Sorten haben Blütenblätter mit einem krausen, gewellten oder sogar gezahnten Rand.
  • Großblütig: Sorten mit einem Blütendurchmesser von über 11,5 cm.


Blühzeit: Frühblühende, mittelfrühe und spätblühende Sorten. Die Wahl von Sorten aus allen drei Kategorien ermöglicht eine sehr lange Blühsaison. Die Blütezeit wird zudem von regionalen und saisonalen Ereignissen gesteuert.     

Wuchshöhe: Von Zwergformen, die nur 30 cm hoch werden, bis zu Riesen, die eine Höhe von über 1 Meter erreichen. Je größer die Sorten werden, desto breiter werden auch die riemenartigen Blätter dieser Pflanze.      


Unterschiedliche Laubtypen     

  • Immergrün: Das Laub bleibt das ganze Jahr über grün, ist aber in kalten Klimazonen empfindlich.
  • Sommergrün: Das Laub stirbt im Herbst ab und treibt im Frühjahr neu aus.
  • Halb-immergrün: Ein Kompromiss zwischen den beiden, das Laub bleibt oft in milderen bzw. sehr warmen Klimazonen erhalten.

Die Züchtung von Taglilien ist eine faszinierende Wissenschaft und Kunst. Professionelle und Hobbyzüchter kreuzen unermüdlich Tausende von Sorten, um neue Farbkombinationen, Blütenformen und Resistenzen zu schaffen. Tausende von Sorten sind registriert und benannt, und jedes Jahr kommen Hunderte neuer Züchtungen hinzu.     


Standort und Pflege      

Die Taglilie ist nicht nur wegen ihrer Schönheit, sondern auch wegen ihrer Anspruchslosigkeit und Langlebigkeit so beliebt. Sie gilt als eine der pflegeleichtesten Stauden und ist daher ideal für sowohl Anfänger als auch erfahrene Gärtner. Um eine reiche Blüte zu gewährleisten sind jedoch einige grundlegende Pflegetipps zu beachten.   

  • Standort: Sie bevorzugen einen sonnigen bis halbschattigen Standort. Sechs Stunden direkte Sonne pro Tag sind ideal für eine reiche Blüte.
  • Boden: Sie gedeihen in den meisten Bodentypen, solange sie gut durchlässig sind und keine Staunässe aufweisen. Ein leicht saurer bis neutraler pH-Wert ist optimal. 
  • Pflanzung: Taglilien werden am besten im Frühjahr oder Herbst gepflanzt. Der Wurzelballen sollte gut mit dem umgebenden Boden in Kontakt kommen.
  • Bewässerung: Junge Pflanzen benötigen regelmäßige Bewässerung, um sich zu etablieren. Ältere Pflanzen sind trockenheitstolerant, aber regelmäßige Bewässerung während der Blütezeit fördert größere Blüten und eine längere Blühdauer.
  • Düngung: Eine jährliche Düngung im zeitigen Frühjahr mit einem ausgewogenen Volldünger reicht in der Regel aus.
  • Schnitt: Verblühte Blüten sollten regelmäßig ausgeputzt werden um die Bildung neuer Blüten zu fördern und das Erscheinungsbild der Pflanze zu verbessern. Im Herbst kann das abgestorbene Laub zurückgeschnitten werden.


Die Hemerocallis als Kulturpflanze und Symbol und ihre Verwendung im Garten      

In ihren asiatischen Heimatländern besitzt die Hemerocallis eine reiche kulturelle Symbolik, die weit über ihre Funktion als Zierpflanze hinausgeht. In China, wo die Pflanze schon seit über 2000 Jahren kultiviert wird, ist sie als ­Xuancao bekannt, was „Pflanze des Vergessens“ bedeutet. Nach einer alten Legende soll die Blüte die Kraft haben, Sorgen und Traurigkeit zu lindern. Aus diesem Grund wurde sie traditionell in der Nähe von Wohnhäusern und in Gärten gepflanzt. Sie symbolisiert aber auch die Liebe und Fürsorge einer Mutter. Die Pflanze wurde oft Müttern gewidmet, und eine blühende Hemerocallis stand für eine gute Mutter-Kind-Beziehung. Im Laufe der Zeit hat die Taglilie in der westlichen Welt, insbesondere in der Gartenkultur, eine ganz eigene Bedeutung erlangt. Sie steht für die Beständigkeit und Widerstandsfähigkeit der Natur. Obwohl jede Blüte nur einen einzigen Tag überdauert, kehrt die Pflanze Jahr für Jahr wieder und liefert einen zuverlässigen und üppigen Blütenflor. Sie symbolisiert die Schönheit des Vergänglichen und die Hoffnung auf einen Neuanfang. Ihre Fähigkeit, unter verschiedensten Bedingungen zu gedeihen, hat ihr den inoffiziellen Titel der „perfekten Staude“ eingebracht. Die ­Hemerocallis hat sich von einer einfachen Wildblume zu einer hochgezüchteten Gartenikone entwickelt, die Gartenliebhaber weltweit begeistert. Ihre Geschichte, die von asiatischen Bergen bis in unsere Gärten reicht, erzählt von der Kraft der Evolution und der Leidenschaft der Züchter. Sie ist mehr als nur eine Blume; sie ist ein Stück lebendige Kulturgeschichte und ein Sinnbild für Schönheit, Widerstandskraft und Vergänglichkeit.          

  • Staudenbeete: Sie sind perfekte Partner für andere Stauden wie Phlox, Sonnenhut (Echinacea) und Salbei, aber auch Gräser.
  • An Teichen und Wassergärten oder Wasserläufen: Obwohl sie keine Wasserpflanzen sind, gedeihen sie gut an feuchten Ufern und bieten dort eine üppige Kulisse.
  • Solitärpflanzung: Eine einzelne, gut etablierte Sorte kann als Blickfang im Garten dienen.
  • Kübelpflanzung: Zwerg- und kleinwüchsige Sorten eignen sich hervorragend für die Kübelhaltung und können auch in diesen Gefäßen problemlos überwintern 


Vermehrung (vegetativ)      

Die einfachste Methode zur Vermehrung von Taglilien ist die Teilung des Wurzelballens. Dies sollte alle paar Jahre erfolgen, wenn der Horst zu groß wird und die Blühfreudigkeit nachlässt. Die Teilung kann im Frühjahr oder Herbst erfolgen. Jedes Teilstück sollte mindestens aus zwei bis drei gesunden Trieben und einer entsprechenden Anzahl an Wurzeln bestehen. Das Teilen erfolgt am besten mit einem Spaten oder etwas sorgfältiger mit einem großen Messer, was allerdings einen höheren Kraftaufwand erfordert. Die so gewonnenen Teilstücke reibt man an den Schnittstellen mit Holzkohlestaub ein und verhindert damit evtl. auftretende Faulstellen. Im Anschluss sollten die Teilstücke sofort gepflanzt und gewässert werden.     


Vermehrung (generativ)         

Eine andere Methode ist die Vermehrung durch Samen, was jedoch nur zur Züchtung neuer Sorten Sinn macht. Die Samen von Hemerocallis befinden sich in sogenannten Kapselfrüchten. Diese Früchte entwickeln sich nach der Befruchtung der Blüte. Die Kapselfrüchte sind zunächst klein und grün. Sie haben sehr unterschiedliche Formen von runden, walzenförmigen Körpern bis hin zu dreieckigen Samenanlagen. Meistens sind sie dreifächerig. Im Laufe des Sommers verfärben sie sich bräunlich, reifen aus und platzen dann auf und geben kleine, schwarz glänzende Samen frei, die je nach Sorte bis erbsengroß sein können. Die Aufzucht von Taglilien aus Samen führt in der Regel nicht zu sortenreinen Pflanzen. Jede neue Pflanze ist eine einzigartige genetische Kombination aus der Mutter- und der Vaterpflanze, was bedeutet, dass sich die Blütenfarbe, Form und andere Merkmale von den Elternpflanzen unterscheiden können. Dies macht die Samenvermehrung für Züchter sehr interessant. Die Samenkapseln reifen im Spätsommer/Herbst, etwa 8 Wochen nach der Blüte. Warten Sie, bis die Kapseln braun und trocken sind und sich öffnen. Zu zeitig gewonnenes Saatgut keimt nur unzureichend. Bereits schrumpelige Samen sollten vor der Aussaat 2–3 Tage lang in Wasser eingeweicht werden, bis sie prall und rund sind. Für die Aussaat gibt es zwei Möglichkeiten: Herbst (nach der Samenreife): Sie können die Samen direkt nach der Ernte in Töpfe oder ins Freiland säen. Der natürliche Kältereiz des Winters (Stratifizierung) fördert die Keimung im Frühjahr. Frühjahr (ab Ende Februar/März): Die Aussaat kann auch im Frühjahr unter Glas in Anzuchtsschalen erfolgen. Dies ist die gängigste Methode, um die Kontrolle über die Keimbedingungen zu haben. Die Keimung von Hemerocallis-Samen ist relativ unkompliziert, erfordert aber die richtigen Bedingungen. Die ideale Keimtemperatur liegt bei etwa 20°C. Eine konstante Temperatur ist wichtig, hohe Schwankungen werden nicht toleriert. Das Substrat muss gleichmäßig feucht gehalten werden, ohne dass sich Staunässe bildet. Staunässe kann die Samen schnell faulen lassen. Die Keimzeit ist stark sortenabhängig und beträgt im Schnitt 2–3 Wochen. Aus Samen herangezogene Pflanzen benötigen im Regelfall 2–3 Jahre bis zur ersten Blüte.     


Schädlinge und Krankheiten        

Hemerocallis sind allgemein robuste und pflegeleichte Pflanzen, können aber dennoch von verschiedenen Schädlingen und Krankheiten befallen werden. Die größten Probleme verursachen Insekten und Schnecken.    

  • Taglilien-Gallmücke (Contarinia quinquenotata): Dieser Schädling ist besonders gefährlich. Die Mücke legt ihre Eier in junge Blütenknospen. Die daraus schlüpfenden Larven fressen die Knospen von innen auf, woraufhin diese sich verdicken und verformen. Sie öffnen sich dann nicht mehr und sterben ab. Betroffene Knospen sollten sofort entfernt und über den Hausmüll entsorgt werden, um die Ausbreitung zu verhindern.
  • Thripse: Diese winzigen Insekten stechen die Blätter und Blüten an und saugen den Zellsaft aus. Dies führt zu hellen, silbrigen Flecken auf den Blättern und verfärbten, deformierten Blüten. Trockene Luft begünstigt einen Befall. Als biologische Maßnahme können Raubmilben oder Florfliegen eingesetzt werden.
  • Schnecken: Besonders junge Taglilien sind bei Schnecken beliebt. Sie fressen an den frischen Trieben und Blüten. Ältere, ausgereifte Blätter werden meist verschmäht.
  • Blattläuse und Spinnmilben: Diese Schädlinge saugen ebenfalls an den Pflanzenteilen. Ein Befall führt zu feinen Pünktchen auf den Blättern oder sogar Gespinsten bei Spinnmilben. Natürliche Feinde wie Marienkäfer und Florfliegen können helfen.       


Taglilien (Hemerocallis) sind eine ausgezeichnete Wahl für Gärten, die Wert auf pflegeleichte und dennoch attraktive Pflanzen legen. Ihr Name „Taglilie“ rührt daher, dass jede Blüte nur einen Tag lang blüht, aber die Fülle an Knospen sorgt für eine wochen- oder sogar monatelange Blütezeit. Sie sind sehr widerstandsfähig gegenüber den meisten Krankheiten und Schädlingen und kommen mit einer Vielzahl von Boden- und Standortbedingungen zurecht. Sie benötigen nur wenig Pflege, solange sie einen sonnigen bis halbschattigen Standort und einen gut durchlässigen Boden haben. Es gibt unzählige Sorten in den unterschiedlichsten Farben, Größen und Blütenformen, die eine Gestaltungsvielfalt im Garten ermöglichen. Sie sind zwar keine „echten“ Lilien, aber ihre Ähnlichkeit im Aussehen und die allgemeine Robustheit haben ihnen einen festen Platz in vielen Gärten gesichert.            

Peter Hagen


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