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Ernten und lagern und essen
Der Selbstversorger-Garten ist nach wie vor erstrebenswert, denn was an Essbarem im Garten wächst, schmeckt gewöhnlich gut, ist gesund und darum der Mühe wert. Beim Obst geht es zurzeit um die Ernte später Apfelsorten Ende Oktober oder Anfang November. Sie sind besonders wertvoll als frisches Obst aus dem eigenen Garten sogar im Winter. Um die Übersicht zu erleichtern, sei eingeteilt in Wirtschaftsäpfel und Tafeläpfel. Typische Wirtschaftsäpfel mit langer Haltbarkeit sind unter anderem Rheinischer Bohnapfel, Kaiser Wilhelm, Altländer Pfannkuchen, Roter Eiserapfel, Roter Cousinot, Topaz, Glockenapfel, Boskoop, größtenteils heimische Sorten, robust, zuverlässig tragend. Die Früchte sind vielseitig verwendbar, vor allen Dingen lange haltbar, eventuell bis zur neuen Ernte, teils bis April/Mai. Das setzt allerdings voraus, dass zur rechten Zeit geerntet wurde, gewöhnlich eher gegen Ende Oktober als im November. Die Essreife beginnt erst gegen Ende Dezember, weil sich bis dahin noch ein Rest Kohlehydrate in Zucker umwandelt. Bis dahin sind die Äpfel gut unterzubringen. Früher waren das kühle, luftfeuchte, dunkle Keller, ideal 3–5 Grad warm, mit 80–90 % Luftfeuchtigkeit, mehr dunkel als hell. Heutige Keller kann man mit Styropor gegen Wärme abschirmen, den Boden mit Ziegelsteinen auslegen, diese hin und wieder gießen und so feucht halten, durchs Fenster lüften, eventuell etwas abdunkeln, ohne dass der Raum dunkel sein muss. Zur Lagerung eignen sich ferner kühle Garagen, frostsichere Schuppen, für den Zweck hergerichtete Frühbeete, ersatzweise Erdgruben.
Die genannten Sorten werden meist auf starkwüchsigen Unterlagen veredelt und als Hochstämme gepflanzt. Sie brauchen bis zu zufriedenstellenden Erträgen mehrere Jahre, werden dafür aber auch recht alt. Für die heutigen, meist kleinen Gärten werden sie allgemein zu groß, könnten jedoch einzeln nützlich sein, zum Beispiel als Hausbäume an der Straßenfront, als willkommene Schattenspender über dem Sitzplatz am Haus oder dem Spielplatz der Kinder. Dabei auf Pollenspender für Einzelbäume achten!
Trotz begrenzten Raumes in kleinen Gärten möchte man haltbare Winteräpfel ernten. Dann sind kleine Baumformen auf schwachwüchsigen Unterlagen wie Spindel oder Busch, veredelt mit geeigneten Sorten richtig. Einige ältere, bewährte Sorten aus diesem Sortenspektrum sind unter anderem Ananas-Renette, Champagner-Renette, Purpurroter Cousinot (Blutapfel), Zuccalmaglio-Renette, teilweise aus Frankreich stammend und anspruchsvoller an Klima und Lage, Boden und Pflege als Wirtschaftssorten. Sie gefallen wegen ihres feinen Geschmacks und des zarten, mürben Fleisches, obendrein langer Haltbarkeit. Da solche Bäume wenig Platz beanspruchen, kann man sie an der Grundstücksgrenze unterbringen, als Trennung zwischen Zier- und Nutzgarten oder ähnlich. Die genannten Sorten sind in Deutschland erhältlich.
Ilse Jaehner