Meerkohl – Sehr ornamental und essbar

Seit etlichen Jahren pflege ich eine Meerkohlpflanze im Topf und wollte sie wegen ihres skulpturähnlichen Erscheinungsbildes vor­stellen. Doch die intensivere Beschäftigung mit der Pflanze brachte Erstaunliches zutage. Mir war weder die Essbarkeit aller Pflanzenteile, noch der aktuelle Bedrohungsgrad der Art bekannt. Bislang habe ich nur eine Pflanze, doch soll es nicht dabei bleiben, denn auch die kulinarische Verwendung macht neugierig.

Meerkohl (Crambe maritima) ist ein wilder Vertreter der Kohlgewächse und ist an den nordeuropäischen Küsten heimisch. Er ist hinsichtlich seines Habitus Blattkohl oder Kohl sehr ähnlich, hat aber dickere Blätter. Es handel sich um eine mehrjährige Pflanze, die häufig wegen der  Frühlingssprosse angebaut wurde, die wie Spargel gebleicht und  verwendet werden. Doch nicht nur die Sprosse, sondern alle Pflanzenteile sind essbar. Die Röschen sind Brokkoli sehr ähnlich, obwohl sie kleiner sind. Tausende kleiner weißer Blüten öffnen sich im späten Frühjahr über mehrere Wochen und riechen stark nach Honig.

Wenn Pflanzen über viele Jahre gewachsen sind, können sie sehr groß und ornamental werden, und sich über einen Durchmesser von bis zu 1,5 m ausbreiten. Im Garten können die Pflanzen bei kontinuierlicher Ernte junger Triebe und der eventuell gelegentlichen Teilung der Pflanzen in der Regel kleiner gehalten werden. Meerkohl wird durch Frost nicht beeinträchtigt, er zieht aber bei tiefen Temperaturen ein, dies wenn die Temperaturen auf etwa –4°C absinken. Wenn die Pflanzen nicht durch kalte Witterung beeinträchtigt werden, altern sie im Herbst oder frühen Winter auf natürliche Weise, um im Frühjahr wieder neu auszutreiben. Die Blüte erfolgt hauptsächlich im Mai und Juni kann sich aber auch länger hinziehen.


 

Geschichte als Kulturpflanze



Meerkohl war einst ein in Frankreich und Großbritannien verbreitetes Gemüse mit einer kleinen Anzahl bekannter Sorten. Um die Jahrhundertwende gab es in beiden Ländern keine kommerzielle Meerkohlproduktion mehr. Wie bei anderen Kulturpflanzen liegen die Gründe für die Aufgabe in Schwierigkeiten bei der Anpassung an die moderne mechanische Landwirtschaft und der Verderblichkeit der Produkte.

Obwohl es sich um eine weit verbreitete Pflanze europäischer Küsten handelt, ist Meerkohl in den letzten Jahren in weiten Teilen seines Verbreitungsgebiets verschwunden oder selten geworden. In einigen Regionen soll der Meerkohl auch schon auf der Roten Liste stehen.

Das kulinarische Interesse an Meerkohl scheint aber zurückzukehren. Und es könnte sich durchaus auch ein Versuch im Garten anbieten.


 

Kulinarische Verwendung



Das Hauptprodukt von Meerkohl sind traditionell die gebleichten Triebe, die entfernt nach Spargel schmecken. Durch das Bleichen werden die Triebe weicher und weniger bitter und wachsen länger als sonst. Zum Bleichen wird im Frühjahr ein dunkler Eimer oder ein ähnlich lichtundurchlässiger Behälter über den oberirdischen Teil der noch ruhenden Pflanze gestülpt. Je nach Alter der Pflanzen kann  ein- oder zweimal geerntet werden, wenn die Triebe eine Länge von etwa 20 cm erreichen.

Die Blätter sind wie die eines dicken Kohls, sie lassen sich, in dünne Scheiben geschnitten, gut in Salat verwenden. Sie ergeben auch ein herzhaftes gekochtes Grün, das nicht so dramatisch zerfällt wie Spinat oder Grünkohl. Die Blätter können auch knusprig gebraten und die Meerkohlröschen können wie Brokkoli zubereitet werden.

Die Wurzeln lassen sich kochen und haben einen ähnlichen Geschmack wie Steckrüben. Zur Entnahme der Wurzeln sollte die Pflanze ungefähr drei Jahre alt sein, den erst dann erreichen die Wurzeln eine essbare Größe. Manchmal können sie unangenehm faserig sein. Die Samenkapseln sind essbar, solange sie noch grün sind. Sie sind saftig, haben einen angenehmen, bittersüßen Geschmack und sind eine ansprechende Ergänzung zu Salaten. Auch die ungeöffneten Blütchen sind verzehrbar. Hinsichtlich der Verwendung kann Meerkohl als eine Art mehrjähriger Brokkoli gesehen werden.


 

Ansprüche im Garten



Am heimischen Standort gedeiht  Meerkohl bei Durchschnittstemperaturen zwischen 4–16 °C und einer Niederschlagsmenge über 500 mm. Als Küstenpflanze ist er tolerant gegenüber Regen, Wind, Salznebel und sogar gelegentlichen Salzwasserüberschwemmungen. Meerkohl ist eine sehr anspruchslose Pflanze und fast jede Gartenumgebung wird für den Anbau ausreichen. Der Boden sollte durchlässig sein. Die Höchsttemperaturen sollten nach Möglichkeit unter 30°C liegen. Die Pflanze ist frosthart und bedingt trockenverträglich, obwohl sie bei guter Wasserversorgung am besten wächst. Wind ist wenig problematisch.


 

Kultur im Topf



Im Topf scheint der Meerkohl auch wenig anspruchsvoll zu sein. Und auch mit Temperaturen über 30ºC zurechtzukommen. Die eigene Pflanze, die vier oder fünf Jahre alt sein dürfte, steht in einem 10 Liter-Container und halbschattig. Das Substrat ist eine käufliche Topferde, der etwa 40 Vol. % Sand beigefügt wurde. Im Topf sind gelegentliche Düngergaben angezeigt. Von einem Bleichen wurde bisher abgesehen. Die Vermehrung erfolgt über Saatgut, das sich leicht im Fachhandel finden lässt.


 

Weitere Crambe- Arten



Die Gattung Crambe umfasst etwa 50 Arten. Etliche Arten sind in gleicher Weise verwendbar wie Crambe maritima. Crambe cordifolia wird gelegentlich in Staudengärtnereien angeboten.

Foto und Text: Thomas Bay