Schwarzwurzeln im Winter

Schwarzwurzeln schmecken köstlich. Man nennt das schwarze Gemüse mitunter auch Spargel des armen Mannes. Mancher „arme Mann“ zieht ganz bewusst Schwarzwurzeln Spargel vor, weil die Wurzeln kräftiger schmecken, mehr Substanz und viele gute, gesundheitsfördernde Bestandteile haben. Jetzt im Winter wird geerntet, was vor vielen Monaten gesät wurde. Schwarzwurzeln sind eben Langsamwachser und Spätentwickler. Erntezeit ist ab Oktober und weiter durchgehend bis Frühjahr, sofern die Erde nicht gefriert, direkt vom Beet, denn Schwarzwurzeln sind winterhart. Inzwischen werden die Winter immer milder. Das ist Gartenbesitzern in einigen Gegenden Deutschlands recht. Allerdings ernten da oft Wühlmäuse mit. Was ist zu tun? Am besten die Wurzeln rechtzeitig alle aus der Erde holen, sie mit Maschendraht umhüllen und so geschützt im Frühbeet unterbringen, ersatzweise in einer Erdgrube. Man verbraucht nach und nach, kann zwischendurch auch mal Wurzeln für ein oder zwei Mahlzeiten in ein feuchtes Tuch einschlagen und eine ­Woche lang im Kühlschrank deponieren. Wo es gelegentlich doch friert, bleibt die Erde länger offen, falls man längs der Pflanzreihen mulcht.     

Weitgehend unbekannt ist, dass man die Schwarzwurzel gut mehrjährig ziehen kann, mit Aussaat wie gewohnt, Ernte im Winter und weitergehend im nächsten Jahr. Dazu müssen Schwarzwurzeln alles haben, was sie brauchen, zuerst vollsonnigen Platz und tief gelockerten Boden. Immerhin werden Schwarzwurzeln bis 40 cm lang. Das können sie nur, wenn die Erde nicht fest ist. Am besten bereitet man das Beet schon im Herbst für Saat im Frühjahr entsprechend vor. Auf einem Hügelbeet mit dessen losem Aufbau fühlen sich Schwarzwurzeln besonders wohl. Ferner brauchen die Wurzeln humosen, nahrhaften, nicht nährstoffreichen! Boden, denn zu viele Nährstoffe machen die Wurzeln zwar dick und lang, aber weniger herzhaft im Geschmack. An Wasser darf es nie mangeln, notfalls ist zu wässern. Man erntet im Herbst nur halbherzig, denn genug Wurzeln müssen bleiben, damit die Pflanzen weiterwachsen und neue Wurzeln bilden. Wenn bei derart zweijährigem Anbau auch Blüten entstehen, ist das nicht tragisch. Man braucht sie nicht umständlich auszuknipsen, kann sie sogar essen.    

Eine andere Variante mehrjährigen Anbaus ist Aussaat im Herbst, gewöhnlich im Oktober, wenn die Bodentemperatur noch um 8 Grad hat. Das geschieht wie üblich mit Saat an Ort und Stelle in Rillen 2 cm tief, bei etwa 30 cm Abstand mehrerer Reihen, alle 2–3 cm 1 Samenkorn, im Frühjahr verziehen auf 10–15 cm. Mit Kompost und Hornspänen sind Schwarzwurzeln grundsätzlich gut versorgt. Eine Kopfdüngung im Sommer könnte eventuell nützlich sein, vor allem, wenn man weitere Nutzung über den Winter hinaus erwägt. Selbstverständlich ist das Beet unkrautfrei zu halten, die Erde dabei vorsichtig immer wieder zu lockern. 

Ilse Jaehner    

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