Die Gattung Cyperus ist uns schon häufig und in vielgestaltiger Form untergekommen, zu denken ist hier in erster Linie an das häufig als Zimmerpflanze gepflegte Zypern- oder Zypergras (Cyperus alternifolius) oder an den Vorläufer und Namensgeber unseres Papiers (C. papyrus) und das knollenbildende Erdmandelgras (C. esculentus).
Dem Spanienreisenden ist die kleine Erdmandelknolle vielleicht gelegentlich schon mal als leckeres, milchähnliches Getränk untergekommen, das seinen Ursprung in der Region um Valencia hat und dort ‚horchata de chufa’ genannt wird. In der Region findet sich auch zuweilen die Bezeichnung ‚orxata‘.
Chufa ist das Wurzelknöllchen, und als ‚horchata‘ wird jegliches aus zermahlenen Trockenfrüchten in Verbindung mit Wasser hergestellte Getränk bezeichnet. Es gibt also auch eine ‚horchata‘ aus echter Mandel, die ‚horchata de almendra‘ heißt.
Wer der Knolle von C. esculentus als solche begegnet, sollte zugreifen, denn dieses ‚essbare‘ Zypergras lässt sich auch leicht im Kübel anbauen. Und nicht nur als Getränk, sondern auch als knackiger und gesunder Snack kommen die Knöllchen in Frage.
Etwas Botanik vorweg
Die Gattung Cyperus gehört zu den namensgleichen Cyperaceae, den sogenannten Ried- oder Sauergräsern. Die Gattung umfasst etwa 600 Arten, die vorwiegend in warmen Regionen der Erde verbreitet sind. Einzelne Vertreter der Gattung sind wichtige Nutzpflanzen, man denke etwa an den eingangs erwähnten Papyrus, aus dessen Stengelmark das erste ‚Papier’ hergestellt wurde. Wurzelknollen sind nicht nur bei C. esculentus vorhanden. Aus solchen vermehrt sich auch die Art C. rotundus. Allerdings ist die Begegnung mit dieser Pflanze sehr unangenehm, wurde doch C. rotundus gelegentlich als das gefährlichste Unkraut weltweit angesehen. Dies liegt auch an der schwierigen Bekämpfung. Interessant hierbei ist die Tatsache der weltweiten Verbreitung durch die Knollen, denn die Pflanze bildet nur in sehr geringem Umfang keimfähige Samen aus.
Als Zierpflanzen sind neben dem erwähnten Zypergras auch C. diffusus, C. longifolius und C. haspan in Kultur. Letztere Art erinnert stark an Papyrus, bleibt aber wesentlich kleiner und zierlicher.
Cyperus esculentus, das Erdmandelgras, stammt ursprünglich aus dem Niltal und kam mit der Ausbreitung des Islam nach Spanien. Um die Region Valencia hat die Kultur eine traditionelle Bedeutung, die sich bis zum heutigen Tag erhalten hat.
Kulinarische Verwendung
Die Chufa-Knöllchen werden in der Regel trocken gehandelt, wobei ein Knöllchen weniger als ein Gramm wiegt. Die getrockneten Knöllchen müssen vor dem Verzehr oder der Weiterverarbeitung in Wasser vorgequellt werden. Dieser Prozess sollte wenigstens 48 Stunden in Anspruch nehmen. Und es darf auch etwas länger sein, denn die Knöllchen werden zunehmend knackiger und gewinnen auch an Süße. Sie sind beim Vorquellen in der Lage, ihr Gewicht zu verdoppeln. Von der Konsistenz und vom Geschmack her erinnern sie etwas an Mandeln. Nach abgeschlossenem Vorquellprozess wird noch Zucker oder auch Süßstoff zugegeben und das Ganze mit einem Mixer oder Pürierstab zerkleinert. Das erste Zerkleinern sollte zunächst mit wenig Flüssigkeit erfolgen. Je nach erhaltener Konzentration muss eventuell noch etwas Wasser zugefügt werden. Sobald der für den persönlichen Geschmack optimale Verdünnungsgrad erreicht ist, wird das Ganze abschließend noch durch ein feines Handsieb passiert. Auch ein feines Leinentuch wäre geeignet. Dadurch werden die noch vorhandenen Grobteile entfernt. Es soll auch spezielle Chufa-Mixer geben, die die resultierende ‚horchata‘ extrem fein hinbekommen, doch wer einen solchen nicht sein Eigen nennt, ist auf einfachere Lösungen angewiesen. Bei der Getränkeherstellung bleiben je nach Zerkleinerungsverfahren sehr viele Grobteile übrig, die am besten auf den Kompost gegeben werden.
Kultur im Kübel
Von den zur Getränkeherstellung gequellten Knöllchen sollten wir uns einige für eine Kultur im Kübel beiseite legen. Es ist mit einer überschaubaren Anzahl anzufangen, je nach Verfügbarkeit etwa 5 bis 10. Der Austrieb der Knöllchen erfolgt temperaturbedingt, wobei höhere Temperaturen zu schnelleren Ergebnissen führen. Als Substrat kommt eine Mischung aus einer Anzuchterde und Sand in Betracht, die einen guten Wasserabzug sicherstellt. Die sich entwickelnden Pflänzchen sind grasartig und von geringem Zierwert. Es ist etwa so, als würde man Rasen im Topf wachsen lassen.
Von einem direkten Anbau im Garten wird abgeraten, da sich die Erdmandel zuweilen unangenehm ausbreiten und eventuell lästig werden kann. Doch im Kübel ist diese Gefahr nicht gegeben, doch sollte vorsichtshalber nach erfolgter Kultur das Substrat mehrmals gut durchgesiebt werden, bevor es wiederverwendet oder anderen Zwecken zugeführt wird.
Gesundheitlicher Wert
Angesichts des gesundheitlichen Wertes der Knöllchen, die einen hohen Eisengehalt aufweisen, lohnt sich ein Anbau auch im Hinblick auf andere Inhaltstoffe. So sind in den Knöllchen bedeutende Mengen an Ballaststoffen und Kalzium enthalten. Letzteres macht das Getränk auch zu einem idealen Milchersatz und ist daher besonders für Menschen mit Laktose-Unverträglichkeit geeignet.
Thomas Bay