Schneestolz bringt den Frühling

Früheste Frühlingskünder sind teilweise klein und zart, dabei erstaunlich widerstandsfähig, blüheifrig, vermehrungsfreudig, pflegeleicht. Das alles trifft auf eine kleine Zwiebelblume zu, die trotz der genannten wertvollen Eigenschaften viel zu wenig bekannt ist. Wer weiß schon etwas mit Chionodoxa anzufangen und selbst der deutsche Name Schneestolz hilft nicht viel weiter. Die Pflanzen werden 10 cm hoch und jede hat 4–5 Blüten mit weiß-heller Mitte, wunderbar von intensivem Blau umrahmt. Eine einzelne Pflanze wirkt bescheiden, aber in Massen und dicht an dicht, womöglich quadratmeterweise oder noch mehr, ist der Frühling persönlich da.        

Schneestolz gedeiht mühelos in jeder durchschnittlichen Gartenerde, sofern sie humos und durchlässig ist. Wo es warm und sonnig ist, blüht Schneestolz entsprechend früh, unter Umständen schon ab Ende Februar, sonst im März. Die Pflanzen richten sich ganz nach dem Frühling. Kommt er, kommt auch Schneestolz. Vorteilhaft pflanzt man im September, im Oktober ist auch noch Zeit, doch früh gepflanzt hat noch nie gereut. Empfehlenswert sind die Sorten ‚Giant‘, blau, und ‚Pink Giant‘, rosa. Man setzt ungefähr 5 cm tief (doppelte Zwiebeldicke) mit etwa 8 cm Abstand.      

Schneestolz vermehrt sich selbsttätig recht gut. Voraussetzung: man muss ihn in Ruhe lassen und nicht am Fleck gewalttätig Ordnung schaffen wollen, weil da mal ein paar Blätter herumliegen oder Ähnliches. Die Pflanzen bilden reichlich Samen. Deren Verbreitung wird zusätzlich von Ameisen gefördert, die ganz scharf sind auf ihre ölhaltigen Anhängsel. Außerdem entwickeln sich Brutzwiebeln. Bevorzugte Pflanzplätze sind Freiflächen in Gehölznähe, Steingärten, Staudenbeete. Will man gern noch an weiteren Plätzen Schneestolz haben, holt man kurz vorm gänzlichen Absterben der Blätter im weiteren Verlauf des Frühlings Zwiebeln aus der Erde, trennt die Brutzwiebeln von den Mutterzwiebeln und pflanzt alle an anderweitige Orte.      

Puschkinie ist die zweite schöne Unbekannte, ebenfalls eine Zwiebelblume. Man nennt sie hier Kegelblume. Der volle botanische Name ist Puschkinia scilloides. Ihre Heimat ist der östliche Mittelmeerraum, allerdings nicht dort, wo es warm und trocken ist. Sie bevorzugt im Frühling feuchte, kühle Wiesen und klettert dafür über 3000 m hoch. Im Sommer, wenn die Zwiebeln ausreifen, sollte es warm und trockener sein. Die Blätter werden bis 20 cm hoch und nur wenig höher der traubige Blütenstand mit weißen Blüten, die jeweils ein blauer Strich ziert, dessentwegen sie auch Gestreifter Blaustern genannt wird. Die Varietät P.s. var. Libanotica hat größere Blüten und verdient damit den Vorzug. Die Blütezeit ist auffallend lang von März bis teilweise Mai. Im Garten steht Puschkinie sowohl sonnig als auch absonnig und halbschattig, verwildert leicht und ist flächendeckend ein weißes Schmuckstück. Puschkinie vermehrt sich ebenfalls gut.   

Ilse Jaehner       

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