Eine Fruchtfolge ist die geplante, wechselnde Abfolge verschiedener Kulturpflanzen auf derselben Fläche über mehrere Jahre. Das Ziel dahinter ist, die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten, Nährstoffe besser zu nutzen und Schädlingsbefall zu reduzieren, indem man zum Beispiel nicht direkt nacheinander Pflanzen derselben Familie anbaut.
Baut man beispielsweise in einem Jahr Kartoffeln auf einem Stück des Gartens an, sollte man mindestens vier Jahre warten, bevor man wieder Kartoffeln (oder Tomaten, da diese zur selben Familie gehören) auf derselben Fläche anbaut. Kartoffeln dürfen im nächsten Jahr auf einem anderen Gartenstück stehen, aber mindestens vier Jahre lang nicht auf demselben.
Fruchtfolge ist im Prinzip das Gegenteil von einer Monokultur. Monokulturen erfordern einen hohen Einsatz von Pestiziden und viel mehr Pflege als vielfältige Anbausysteme. Mit einer klugen Fruchtfolge fördern Sie die Fruchtbarkeit Ihres Bodens. Da dieselbe Kulturpflanze Jahr für Jahr dieselben Mineralien aus dem Boden benötigt, würde der Boden bei Monokultur schnell ausgelaugt werden. Außerdem können sich bei Einhalten einer Fruchtfolge Krankheitserreger im Boden nicht so leicht ansammeln. So bleiben die Pflanzen widerstandsfähiger, gesünder und werden vor Krankheiten geschützt. Das Einhalten einer Fruchtfolge bringt somit höhere und stabilere Erträge mit sich.
Wie plane ich eine Fruchtfolge?
Der Winter ist die ideale Zeit, um es sich im warmen Zuhause bei einer Tasse Tee gemütlich zu machen und sich der Planung der Fruchtfolge für das kommende Gartenjahr zu widmen. Zunächst ist es wichtig, sich im klaren darüber zu sein, zu welcher Pflanzenfamilie welche Kulturpflanze jeweils gehört. Mitglieder derselben Familie sind oft anfällig für die gleichen Krankheitserreger.
Zwischen dem Anbau der gleichen Kulturpflanze (oder einer Pflanze aus der gleichen Familie) sind Anbaupausen unterschiedlicher Längen notwendig. Beispielsweise benötigen Kohlgewächse mindestens eine fünfjährige Pause zwischen dem Anbau auf der gleichen Fläche. Bei den Salaten hingegen reicht eine Anbaupause von nur zwei bis drei Jahren.
Noch eine Regel für das Planen einer Fruchtfolge ist das abwechselnde Pflanzen von Stark-, Mittel- und Schwachzehrern. Starkzehrer entziehen dem Boden große Mengen an Nährstoffen, während Schwachzehrer mit wenig auskommen. Leguminosen können den Boden sogar selber mit Stickstoff anreichern und somit die Fläche für einen Starkzehrer nach ihnen vorbereiten. Auf den Starkzehrer folgt in der Regel ein Mittelzehrer, und anschließend kommt wieder ein Schwachzehrer.
Die nebenstehende Tabelle gibt einen Überblick über die verschiedenen Pflanzenfamilien, deren Nährstoffbedarf und die nötigen Mindestanbaupausen.
Anwendung im Kleingarten
Wie funktioniert das nun in der Praxis? Am einfachsten ist es, den Garten in Blöcke einzuteilen. Auf einem Blatt Papier skizziert man sich die Blöcke und notiert sich Jahr für Jahr, was in welchem Block gepflanzt wurde. Sonst vergisst man schnell mal, was wo vor einigen Jahren gestanden hat. Es bietet sich natürlich an, Mischkulturen in den einzelnen Blöcken zu pflanzen. Bestimmte Pflanzen gedeihen nämlich besonders gut, wenn sie in der Nähe gewisser Kulturen wachsen. Gemüsearten, die relativ schnell heranreifen (wie zum Beispiel Radieschen oder Salate) lassen sich außerdem als Lückenfüller verwenden. Sie können vor, während oder nach der Hauptkultur gepflanzt werden. Knoblauch und viele Kräuter wirken vorbeugend gegen Schädlinge und Krankheiten, lassen sich also gut mit verschiedenen Gemüsearten kombinieren.
Hier ein Beispielplan für eine Fruchtfolge für ein Jahr. Die Blöcke kann man nun Jahr für Jahr rotieren.
Block 1: Lauch, Sellerie, Kohl
Block 2: Gurke, Paprika, Zucchini
Block 3: Mangold, Rote Bete, Spinat
Block 4: Karotte, Zwiebel
Block 5: Kartoffel
Block 6: Kürbis, Mais, Bohne
Zuletzt plant man idealerweise auch Gründüngung von vornherein in die Fruchtfolge mit ein. Diese kann zum Beispiel als Zwischenfrucht im Winter angebaut werden oder während einer Gartensaison einen der Blöcke einnehmen. Somit wird der Boden perfekt für die nachfolgenden Kulturen vorbereitet. Vorsicht: auch bei Gründüngungspflanzen gilt es, die richtige Fruchtfolge zu beachten. Senfsaat sollte zum Beispiel nicht vor oder nach Kohl stehen, da beide zu den Kohlgewächsen gehören.
Wer konsequent auf Monokultur im Garten verzichten will, sollte sich auch den Rasen ansehen. Denn ein zu “aufgeräumter” Rasen ist auch eine Monokultur, die für Insekten, Vögel und andere Lebewesen keinen Mehrwert bietet und außerdem mehr Wasser verbraucht. Stattdessen kann man in den Rasen gezielt verschiedene Gräser, Kräuter und Leguminosen einsäen und so einen vielfältigen, schönen und blühenden Lebensraum gestalten. Die Leguminosen sorgen zudem für eine natürliche Düngung, indem sie Stickstoff in den Boden bringen.
Naomi Bosch