Hibiskus – Blütenpracht aus dem Paradies

Der wissenschaftliche Gattungsname dieser hochinteressanten Pflanze lautet Hibiscus, was – wie bei Pflanzen häufig der Fall – eine Wortschöpfung aus Latein und Altgriechisch ist. Die deutsche Bezeichnung lautet Eibisch, was dem alten mittelhochdeutschen Wort ibiscia entstammt und aus dem lateinischen Wort (h)ibiscum abgeleitet ist, was andererseits aber vermutlich aus dem Keltischen stammt. Mit der Bezeichnung Eibisch werden im deutschen Sprachgebrauch außer dem Hibiskus auch noch die Gattung Althea und Abelmoschus sowie der Echte Eibisch (Althea officinalis) bezeichnet.

Die Gattung gehört zur Familie der Malvaceae und ist hier als Unterfamilie mit 200–300 (in der Literatur findet man Angaben von bis zu 600) Arten vertreten. Hibiskus-Arten sind weltweit verbreitet, wobei die Mehrzahl davon in subtropischen und tropischen Gebieten vorkommt.

Die meisten Hibiskus-Arten wachsen als mehrjährige Pflanzen auf, es gibt aber auch einjährige Arten. Ein Großteil davon wächst ausschließlich als krautige Pflanze. Viele von ihnen verholzen aber und kommen als Halbsträucher, Sträucher und sogar als Bäume vor.


Die generativen Merkmale 

Die Blüten vom Hibiskus stehen fast immer einzeln, nur wenige Arten haben verzweigte Blütenstände. Die zwittrigen Blüten weisen fünf Blütenblätter (Kronblätter) auf, diese sind mit großen, gut sichtbaren Kelchblättern glockenförmig verwachsen. Die Kronblätter erscheinen je nach Art in den unterschiedlichsten Farben, Formen und Größen. Durch Mutation und Hybridisierung sind auch viele gefüllt blühende Sorten entstanden. Besonders attraktiv sind die Fruchtblätter und Staubgefäße, die weit aus der Blüte herausragen und immer aus fünf Fruchtknoten bestehen. Bei genauerer Betrachtung mit einer Lupe erinnern sie an die Blattrosetten des Sonnentaus (fleischfressennde Pflanze) in Miniaturform. Die sich nach der Befruchtung im Spätsommer bildende Samenkapsel besteht aus fünf Fächern und erinnert im Aussehen an die Fruchthülle der Anden­beere. In den Fächern sind kleine, nierenförmige 2–4 mm große Samen in großer Anzahl angeordnet. Sobald die Samen reif sind, platzt die Kapsel auf, und die kleinen Samen verteilen sich zumeist durch Wind. Im Umfeld der Pflanze findet man zumeist unzählige Jungpflanzen, die sich auf diese Weise vermehrt haben. 


Blühwunder mit Symbolkraft

Der vermutlich aus China stammende Hibiscus sinensis symbolisiert hier mit seiner einmalig schönen Blüte Ruhm, Reichtum und Pracht. In der viktorianischen Zeit in Europa bekamen die Blüten die Bedeutung von zarter, zerbrechlicher Schönheit zugesprochen. In Südostasien, vor allem Borneo, Sumatra oder der Insel Bali schmücken sich Bräute mit den Blüten im Haar anlässlich ihrer Hochzeit. Hibiskus ist die offizielle Staatsblume von Hawaii und spielt deshalb in der Geschichte des Landes, eng verknüpft mit der Tradition, eine große Rolle. Die Hibiskus-Blüte ist ein Symbol der Könige und steht für Macht und Respekt. Neben den bekannten Blumenketten, die Gästen auf Hawaii zur Begrüßung umgehängt (die s.g. Aloha-Blumenketten) werden, werden wichtigen Staatsgästen immer noch Hibiskusblüten in das Haar gesteckt. In Malaysia wird der Hibiskus „Bunga Raya“ (große Blume) genannt, ist ebenfalls die Nationalblume und im Landeswappen abgebildet.

Die große Bedeutung dieser Pflanze könnte man noch weiteren Ländern zuordnen, so z.B. Korea. Hier wird sie in der Übersetzung als Scharorose oder Mugunghwa bezeichnet, was so viel wie unvergängliche Blume bedeutet und dort schon seit über 2000 Jahren verehrt wird.

Vielleicht ein Letztes, ein blühender Hibiskus bringt automatisch das Gefühl von Fernweh und Exotik. Daran hat der Maler Paul Gauguin sicherlich ein wenig Schuld, denn eines seiner beliebtesten Motive ist der Hibiskus, den er auf Tahiti wohl für immer verewigt hat. Wer kennt wohl seine prachtvollen Werke nicht.


Verwendung von Hibiskus-Blüten

Neben all ihrer Schönheit und Symbolkraft haben die Blüten der ­Hibiskus-Pflanze auch noch eine nicht zu unterschätzende Heilwirkung und somit eine wichtige Einstufung als Heilpflanze. Die vorwiegend aus den Blüten gewonnenen Wirkstoffe sind sehr gut antibakteriell, harntreibend und wirken krampflösend. Ferner regen sie den Stoffwechsel an und tragen zur Entschlackung des Körpers bei. Zudem enthalten sie Antioxidatien und wirken sich günstig auf das Herz-Kreislauf-System aus und schützen die Gefäße.

Den meisten Früchte- und Blütentees werden getrocknete Blüten beigemischt, was ihm seine wunderschöne Farbe und den unverkennlich leicht säuerlichen Geschmack verleiht. Reiner Tee aus Hibiskus wird als Malventee bezeichnet. In Südostasien wird der Extrakt von Blüten gerne zum Färben von Haaren und Augenbrauen genommen. Aber auch die Wirkstoffe, kombiniert aus Blüten, Blättern und Wurzeln, werden medizinisch gegen Fieber, Hautkrankheiten und Augenleiden eingesetzt. Den roten Blüten von Hibiscus sabdariffa sagt man nach, dass es ein sehr bewährtes Mittel zur Senkung des Cholesterinspiegels ist. Bei aller Symbolik und wichtigen medizinischen Anwendungsmöglichkeiten, die hier nur am Rande erwähnt wurden, kann man Hibiskus-Blüten auch noch essen. Aus seinen Blüten lassen sich köstliche Curries zubereiten, was insbesondere in der vegetarischen Küche Indiens von Bedeutung ist. Von hier stammt auch der Okra (Gemüseeibisch), eine weitere Unterart der Malvengewächse (Abelmoschus esculus). Dieser sehr wärmeliebende Eibisch wird zwar kaum in Deutschland angebaut, hat als exotisches Gemüse aber längst Einzug bei uns gehalten. Man erhält ihn frisch in türkischen Obst- und Gemüsehandlungen oder eingelegt in Gläsern und Dosen. 


Welcher Hibiskus wächst bei uns?

Betrachtet man sich die Vielzahl aller vorkommenden Arten an Hibiskus, stellt man sehr schnell fest, dass sehr viele davon in den Tropen oder Subtropen wachsen und man diese aus rein klimatischen Bedingungen hier überhaupt nicht halten oder kultivieren kann. Wer sich trotzdem für weitere Arten interessiert, dem sei ein Besuch in Botanischen Gärten empfohlen, wo es viele weitere Schätze unter dem Begriff Hibiskus zu entdecken gibt. Nachfolgend eine kurze Beschreibung der schönsten und am weitesten verbreiteten Arten. 


1. Hibiscus rosa sinensis (Rosenhibiskus)

Diese bei uns nicht winterharte Art kommt weltweit sicherlich am meisten vor und vieles zuvor Beschriebene trifft genau auf diese Pflanze mit ihren traumhaft schönen Blüten zu. Leider kann sie im Winter nicht im Freien verbleiben, dennoch kann sie als ­Kübelpflanze gehalten werden und vom zeitigen Frühjahr bis zum frostfreien Spätherbst im Garten, auf dem Balkon oder Terrasse stehen. Die Pflanzen benötigen wie fast alle anderen Arten sehr viel Licht und können den ganzen Tag über in der vollen Sonne verbringen. Ihr Bedarf an Wasser ist dennoch moderat, Staunässe vertragen sie allerdings überhaupt nicht. Die recht flott wachsende Pflanze sollte regelmäßig mit einem flüssigen Volldünger versorgt werden. Bei notwenigen Rückschnittmaßnahmen muss man darauf achten, dass der Schnitt jeweils an nach außen weisenden Augen liegt. Nur so erreicht man eine gleichmäßige natürliche Form. Wird das missachtet, wächst die Pflanze sehr sparrig. Vor Frosteinbruch müssen die Pflanzen in das Winterquartier gebracht werden. Dieser Raum sollte trocken, kühl und möglichst hell sein. Sortenabhängig verlieren die Pflanzen dann oft ihr Laub. Zu diesem Zeitpunkt sollten die Pflanzen in jedem Fall trockener gehalten werden. Während der Überwinterungsphase muss vermehrt auf Schädlinge und Krankheiten geachtet werden.

Sortenübersicht:

„Gator Magic“: rosa gefüllte Blüte mit gelbem Rand

„Donna Lynn“: innen tief rot, dann violett und außen gelb

„Chasing Rainbow“: besonders große Blüten in hellem Rot mit dunkelrotem Kranz

„Voodoo Magic“: braune Blüten mit orange-farbigem Auge, selten

„Standing Ovation“: diese Sorte variiert zwischen Rot und Orange, große Blüten

„Cosmic Dancer“: die Blüten erstrahlen in einem hellen bis dunklen Rand und werden nach außen immer heller, bis orange

„Hula Girl“: große Blüten erscheinen in hellen gelb und werden zur Mitte rot.

Der Rosenhibiskus ist weltweit am meisten verbreitet, bei den hier aufgeführten Sorten handelt es sich um einige der schönsten ihrer Art. Ihr Kulturraum umspannt den gesamten tropischen Erdball. 


2. Hibiscus syriacus (Gartenhibiskus)

Dieser Hibiskus ist eine sehr robuste Gartenpflanze, die auch strengere Winter bedenkenlos übersteht. Auffällig ist an dieser Pflanze, dass die Blätter sehr spät austreiben, meist erst, wenn andere Sträucher schon anfangen zu blühen. Er benötigt einen vollsonnigen Platz im Garten, seine Blüten erscheinen August/September bis November. Diese werden regelmäßig von unterschiedlichen Insekten besucht, was automatisch zur Befruchtung und Samenbildung führt. Die Blüten erscheinen in großer Zahl einzeln und ausschließlich an den Triebenden. Schneidet man die kapselartigen Früchte rechtzeitig aus, verzweigen sich die Pflanzen besser. Das führt im kommenden Jahr automatisch zu einer verstärkten Blütenbildung. Der Gartenhibiskus kann vielseitig verwendet werden, so z.B. als Solitärstrauch, Beetpflanze und sogar als sehr schöne, abwechselungsreiche Hecke. Mit seiner sortenbedingten Wuchshöhe stellt er eine Bereicherung im Standard-Programm der Gartengehölze dar. Die Pflanzen werden unter normalen Bedingungen 1,5 bis 2,5 Meter hoch. Die natürliche Wuchsform dieses Zierstrauches ist leicht birnenförmig. Da die Pflanze verholzt, können sowohl Formschnitte als auch Hochstämmchen von ihr gezogen werden. 

Sortenübersicht:

„White Chiffon“: reinweiße Blüte

„Pink Spot“: außen rot, innen weiß

„Russian Violett“: Rosa und dunkelviolett

„Luna Red“: große rote Blüten, etwas empfindlich

„Speciosus“: weißgefüllt mit roter Mitte

„Blue Bird“: große blaue, regenfeste Blüten

„Woodbridge“: rubinrote Blüten

„Red Heart“: halbgefüllte Blüte mit einem roten Herz


3. Hibiscus x moscheutos (Staudenhibiskus, Sumpfhibiskus)

Der Sumpfhibiskus ist eine bei uns winterharte Sorte, dem allerdings ein leichter Winterschutz unter einem kleinen Laubhaufen nicht schadet. Im Spätherbst nach den ersten kalten Nächten zieht sich die Pflanze schnell zurück, übrig bleiben hohle Stängel, die man am besten auf wenige Zentimeter kürzt und zu gegebenem Zeit abdeckt. Wie alle Hibiskus treibt auch diese Art extrem spät aus, was bis Mitte oder Ende Mai dauern kann. Daher ist es auch ratsam, den Standort mit einem Stäbchen zu markieren. Der Standort muss in der vollen Sonne liegen, der Staudenhibiskus verträgt kein Schattendasein. Wie sein Name schon aussagt, benötigt er sehr viel Feuchtigkeit und muss daher sehr regelmäßig gegossen werden. Wer innerhalb weniger Wochen zu einer stattlichen Pflanze heranwachsen möchte, der muss ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden. Dreißig bis vierzig Gramm eines gekörnten Volldüngers sollten während der Wachstumsperiode verabreicht werden. Die krautigen Stängel sind bei jüngeren Pflanzen manchmal etwas dünn und neigen dazu umzubrechen. Abhilfe kann hier mit einem geeigneten Bambusstab geschaffen werden. Schon während des Wachstums stellen sich am Triebende die ersten Blütenknospen ein, die dann ständig größer werden. Eine Art Geduldsspiel – wann geht endlich die erste Blüte auf. Wenn es dann endlich soweit ist, überrascht die Blütengröße und man fühlt sich in ein tropisches Land versetzt. Die tellerförmigen Blüten erreichen die Größe einer kleinen Schallplatte. Hinzu kommt ein unglaubliches Farbenspiel mit kontrastreichen Nuancen. Meistens öffnet sich nur eine Blüte, bevor diese aber nach ziemlich genau zwei Tagen verblüht ist, öffnen sich täglich weitere Knospen. Die abgeblühten Blütenstände sollte man mit einer kleinen Schere vorsichtig herausschneiden. Was die zarten, riesigen Blüten überhaupt nicht mögen, ist Regen. Die Hauptblütezeit von dieser Hibiskusart liegt zwischen Juli und September. Zu bemerken wäre noch, dass sich die Blütengröße (Durchmesser) im Laufe des Blühzyklus allmählich verkleinert und die Blüten dann nur maximal den Durchmesser einer Untertasse haben. 

Sortenübersicht:

„Lady Baltimore“: kompakt wachsend, rosa Blüten mit rotem Punkt

„Blue River“: weiße Blüte mit dunkler Mitte, wird bis 150 cm hoch

„Summer Storm“: riesige, rosa Blüten 

„Anne Arundel“: Blüten kräftig rosa

„Planet Griotte Tangri“: dunkelrote Blüten

„Old Yellow“: goldgelbe Blüten mit rotem Fleck

“Galaxy”: weiße Blüte mit rotem Auge

„Cranberry Crush“: tiefrote Blüten

„Southern Bell“: besonders winterhart, große rosa Blüten 


Weitere interessante Hibiskusarten

Hibiscus mutabilis (Mandel Hibiskus) Eine weitere winterfeste Art, die sich durch ihre wechselnden Blütenfarben auszeichnet. Zu den weniger bekannten Arten kann man noch Hibiscus arnottianus, Hibiscus sabdariffa, Hibiscus caesius, Hibiscuscalyohyllus und Hibiscus trionum nennen. Wie anfänglich bereits erwähnt, ist der Hibiskus ja eine Unterart der Familie der Malvengewächse, alle mit einem ähnlichen Blütenaufbau versehen. So möchte ich am Schluss noch den Abutilon (Schönmalve) erwähnen, der mit seinen wunderschönen Sorten und seinen hängenden Blüten auch zu der Gruppe der nicht winterharten Kübelpflanzen gehört. Natürlich gehören dazu auch noch die Staudenmalven und Stockrosen, die mit ihren prachtvollen Farben unsere Gärten zieren. 

Ihr Peter Hagen