Vom Aschenputtel zur Diva

Wilde Malven – alte Heilpflanze

Ein bisschen sind sie in Vergessenheit geraten, die Wilden Malven, da ihre vornehmen Verwandten mehr im Mittelpunkt stehen. Dieses sind die beliebten Bechermalven als einjährige Sommerblumen und die majestätischen Stockrosen. Wilde Malven hingegen entfalten einen Flair von natürlicher Schönheit im Garten. Beheimatet sind diese Malven in unseren Breiten und wuchsen früher an Weg- und Feldrändern, Böschungen und steinigen Hängen.  

Unter der Wilden Malve versteht man vorrangig die Käse- oder Rosspappel (Malva sylvestris) aber auch Siegmarswurz (M. alcea) und die kleine Malve (M. neglecta). Alle diese drei Malven enthalten reichlich Pflanzenschleime; früher wurde aus dem Kraut für kleine Kinder ein Brei gekocht, der eine pappeartige Konsistenz aufwies und darum den Malven auch den Namen Pappel einbrachte. Heutzutage findet man Malven als Beimischung in manchen Hustentees; die Schleimstoffe wirken reizlindernd und einhüllend. Diese Eigenschaften bewähren sich auch zum Einsatz als Gurgelmittel bei Entzündungen in Hals und Mund. 

Als heilkräftige Pflanzenteile werden vorrangig die Blüten, aber auch die Blätter und das ganze Kraut genutzt. Wie bei allen Schleimdrogen wird ein Tee als Kaltauszug zubereitet, da sonst ein Brei entstehen würde. Dazu werden zwei gehäufte Teelöffel der getrockneten Pflanzenteile mit einer Tasse lauwarmen Wassers übergossen. Man lässt diese Mischung gut fünf Stunden stehen, rührt ab und zu um und gießt sie anschließend durch ein Sieb. 

Im Garten kann man Kraut und Blüten, die den ganzen Sommer bis Anfang September blühen, gut selbst sammeln. Die Blüten werden mit Kelch, aber ohne Stängel gepflückt und luftig und schattig getrocknet; das Kraut wird kopfüber zu Bündeln aufgehängt. 

Da die Wilden Malven meist mehrjährig wachsen und im Frühling zeitig austreiben, lohnt es sich auch, die jungen Blätter wegen ihres ­hohen Gehaltes an Vitaminen zu Rohkost­salaten zu benutzen – selbst zu Gemüse lassen sie sich zubereiten. 

Jetzt zum Sommerausklang ist auch eine gute Zeit, von Wilden Malven Samen zu sammeln, um sie im eigenen Garten anzusiedeln; notfalls sind auch Jungpflanzen und Samen im Fachhandel erhältlich. Der Aussaattermin ist im Frühling; nach dem Auflaufen werden die Pflänzchen auf 40 Zentimeter vereinzelt. 

Es bilden sich verzweigte, aufrechte Stängel mit den typisch fünflappigen Blättern. Aus den Blattachseln wachsen zahlreiche gestielte Blüten, die bei der Käsepappel durch ihre dunklen Längsstreifen auf bläulich bis ­rosa-rotem Grund auffallen. Der Siegmarswurz entwickelt am meisten rosafarbene Blüten, die von ihrer schalenartigen Form denen der Bechermalven ähneln. 

Wilde Malven lieben vollsonnige Standorte und leichte, nährstoffreiche Böden. Malerisch wirken sie an Gartenzäunen, die sie umwuchern, zu Sommerblumen und im Kräuterbeet. Bei guter Nährstoffversorgung werden die Pflanzen bis zu eineinhalb Meter hoch und benötigen, falls sie sich nicht anlehnen können, einen Stab als Windschutz.  

Da Wilde Malven reichlich Nektar und Pollen für alle Fluginsekten bieten, gehören sie auch in jeden naturnahen Garten und passen dort gut vor Gehölze, neben Wege und an Böschungen. Malven breiten sich über Aussaat schnell aus; von daher ist es notwendig, sie in Grenzen zu halten, damit sie niedrigere Pflanzen nicht überwuchern.  

Peter Busch