Zieringwer

Spätblühende Kübelpflanzen 

Vor 15 Jahren besuchte ich die zu Portugal gehörende Insel Madeira. Dort wurden an vielen Stellen Rhizomknollen des Zieringwers preisgünstig angeboten. Ein Zugreifen war fast ein Muss und die aus diesem Schnäppchen erhaltenen Pflanzen werden noch immer gepflegt. Was ich damals nicht wusste und erst später erfuhr, ist die Tatsache, dass die Einwohner Madeiras aus der Not eine Tugend gemacht haben, um diese dort unbeliebte Pflanze wieder loszuwerden. Dort erwies sich der Zieringwer enorm invasiv und es wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, dieses Problem in den Griff zu bekommen. 

Bei uns besteht keine Gefahr, wenn wir die Pflanze einfach im Topf lassen. Und wenn sich der Sommer bei uns schon fast verabschiedet, läuft der Zieringwer zu Höchstform auf. An den Spitzen der belaubten Sprosse erscheinen die stark duftenden Blütenkerzen, die aus einer Vielzahl von Einzelblüten zusammengesetzt sind, wobei die rotgefärbten Staubblätter aus den Blüten herausragen und einen farblichen Kontrast zu den gelben Blüten bilden. 


Botanik und Verbreitung

Die Gattung Hedychium umfasst etwa 95 Arten, die vorwiegend als Zierpflanzen angebaut werden. Einzelne Arten sollen auch zur Herstellung von Papier und Parfüm verwendet werden. In englischsprachigen Regionen werden die Pflanzen gemeinhin auch Ingwerlilien (ginger lilies) oder Schmetterlingslilien (butterfly lilies) genannt.  

Die Vertreter der Gattung stammen ursprünglich aus Madagaskar, dem indo-malaiischen Raum und dem Himalaya. Aus dem Osten des Himalaya und Nepal kommt die am weitesten verbreitete Art H. gardnerianum. Als deutsche Bezeichnungen finden sich in der Literatur Kranzblume, Girlandenblume, Süßschnee oder auch Kahili- oder Zieringwer. Er gehört auch zu den Ingwergewächsen (Zingiberaceae); bisher ist keine Verwendung der Rhizomknollen wie beim Ingwer bekannt geworden. Nicht nur auf Madeira, sondern auch in anderen klimatisch begüns­tigten Regionen – auf Hawai und auch im norwestlichen Spanien – hat sich Hedychium gardnerianum zu einem aggressiven und invasiven ­Wildkraut entwickelt.  


Kultur als Kübelpflanze

Für eine Kultur in unseren Breiten eignet sie sich am besten als Kübelpflanze. Ein Auspflanzen in den Wintergarten ist möglich, doch sollten gewisse Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden um ein ungebremstes Ausbreiten zu verhindern. Denkbar wäre auch ein Auspflanzen im Garten und das Herausnehmen aus der Erde zur Überwinterung im Haus ,ähnlich wie dies bei der nahe verwandten Canna praktiziert wird. Oder noch besser, das Einsenken des Topfes in die Erde. 

Als Gefäß sollten eher breite und weniger tiefe Gefäße zum Einsatz kommen. Das kriechende Rhizom von Hedychium ist in der Lage Plas­tiktöpfe oder -kübel zu deformieren, daher die Empfehlung zur Verwendung breiter Gefäße, es sei denn, man ist gewillt, jährlich das Rhizom zu teilen und wieder neu einzutopfen. Bei größeren Gefäßen hat man einige Zeit Ruhe. Von Tongefäßen sollte man Abstand nehmen, denn die können durchaus vom in die Breite wachsenden Rhizom gesprengt werden. 

In Kübelkultur kann mit einem üblichen käuflichen Substrat gearbeitet werden. Wegen der Gefahr durch Staunässe sollte auf einen guten Wasserabzug in Form einer Dränageschicht im Topfboden geachtet werden. Dies können entweder Tonscherben, Blähton oder auch grober Kies sein. Auch eine Beimischung von Perlite oder grobem Sand ins Substrat ist vorteilhaft. Sand bringt zudem ein gewisses Gewicht mit und erhöht so die Standfestigkeit der Kübel. 

Hedychium treibt sehr spät aus, oftmals erst Ende Mai-Anfang Juni. Dies hat seinem Grund, denn die Art stammt, wie schon erwähnt, aus dem Himalaya-Gebiet und ist daher klimatisch bedingt auf ein spätes Austreiben programmiert. Als Standort im Sommer kommt ein heller, sonniger bis halbschattiger Platz in Frage, wobei ausreichend gegossen und auch regelmäßig gedüngt werden sollte.  

Das späte Austreiben erklärt auch die relativ späte Blüte des Zier­ingwer. Doch das Warten lohnt sich, denn an den Enden jedes Triebes erscheint ein duftender Blütenstand. Die Blüten erscheinen in der Regel erst im August wobei die einzelnen Triebe nach und nach zur Blüte kommen, und so kann sich die Blütezeit bis in den September hinein oder noch länger ausdehnen. Gelegentlich werden, vor allem in klimatisch begünstigten Gebieten, auch keimfähige Samen ausgebildet. Sie sitzen dicht gedrängt in einer dreifächrigen Kapsel, die in reifem Zustand aufspringt. Die Samen sind von einer leuchtend roten Masse umgeben, die eine große Anziehungskraft auf Vögel ausübt und man muss sich beeilen, will man Samen für die Aussaat ernten. 

Die Überwinterung im Haus sollte hell bei 10 bis 15º C erfolgen, denn die Pflanze zieht in der Regel nicht vollständig ein. Nach Gelbwerden der Triebe können diese auch bodennah abgeschnitten werden und in diesem Fall kann die Überwinterung auch dunkel erfolgen und dabei werden auch noch niedrigere Temperaturen schadlos überstanden. 

Spezifische Schädlinge sind mir bisher nicht bekannt geworden, ein weiterer Faktor, der die Kultur interessant macht. Auf Schnecken sollte aber – besonders in feuchten Sommern – geachtet werden. 

 

Weitere Arten

Im Handel werden auch noch weitere Arten angeboten, die Palette der vorhandenen Blütenfarben ist groß. Wer keine Pflanzen findet, kann eventuell auch mit Saatgut anfangen. 

Thomas Bay