Wermut hilft der Verdauung von fetten Speisen

Absinth hat die Pflanze in Verruf gebracht 

Wermut passt gut zu fetten Speisen wie Gänsebraten, bei dessen Zubereitung einige wenige Blättchen im Geflügel mitgegart werden. Bei dieser Verwendung trifft man wieder auf das Prinzip, dass schwer verdaulichen Speisen als Gewürz gleich die richtige Heilpflanze beigegeben wird. Wermut wirkt bei Magen- und Gallenbeschwerden und Völlegefühl. ­Beschwerden, die nach dem Genuss einer fetten Gans leicht auftreten können. 

Aber auch als Tee zubereite – ein Teelöffel getrocknetes Kraut wird mit einem Viertelliter kochendem Wasser überbrüht und nach zehn Minuten abgeseiht – bringt Wermut bei Magenbeschwerden und Gallenstörungen rasch Linderung. Als Wirkstoffe sind vor allem ­Bitterstoffe, aber auch ätherische Öle und Gerbstoffe zu nennen. Wermut ist früher durch den Absinth, einen Schnaps mit diesem Kraut, in Verruf geraten. Bei ein bis zwei Tassen Tee pro Tag bei gelegentlichen Magenbeschwerden oder Gallenstörungen sind Nebenwirkungen jedoch nicht zu befürchten; lediglich Schwangere sollten Wermut meiden, da die Gefahr von Gesundheitsbeeinträchtigungen nicht auszuschließen ist. 

Zur vielseitigen Verwendung lohnt es sich deshalb, im Garten ein, zwei Büsche Wermut zu halten. Ein sonniger Platz auf sandigem, leicht kalkhaltigen Boden ist ideal. Viele andere Pflanzen mögen den Wermut wegen seines intensiven Geruchs nicht gerne, so dass man ihm am besten einen Standort entfernt von anderen Kräutern oder Gemüse zuweist. Praktisch ist ein Platz in der Nähe des Komposthaufens oder eines Sitzplatzes; dort vertreibt er Mücken und Fliegen. Wermut entwickelt sich als Staude im Laufe der Jahre zu kräftigen Büschen bis zu eineinhalb Meter Höhe und bietet reichlich Blätter zum Ernten an. Zur Verwendung als Tee zu Heilzwecken schneidet man jetzt noch bis Ende September die blühenden, zarten Triebspitzen. Zur Zubereitung als Pflanzenschutzmittel kann man das ganze Kraut über dem Boden abschneiden und kopfüber trocknen. 

Die Anwendung des Wermuts geht heutzutage jedoch weit über die Heilwirkung für den Menschen hinaus. Im Biologischen Pflanzenschutz werden die Bitterstoffe des Wermuts dazu benutzt, Fraß- und Saugschäden an Pflanzen zu vermeiden. Dazu stellt man einen Tee her oder verjaucht das Kraut. Zur Herstellung von Jauche übergießt man ein Pfund frischen Wermut mit zehn Litern Wasser und lässt diese Brühe eine gute Woche stehen, wobei gelegentlich umzurühren ist. Die fertige Lösung wird abgegossen und konzentriert gespritzt; auch gegen lästige Ameisennester kann man die Jauche verwenden. Zur Zubereitung als Tee nimmt man ein Pfund frisches oder 50 Gramm trockenes Kraut, kocht es mit ca. zwei Liter Wasser etwas auf und verdünnt den abgeseihten Tee auf zehn Liter. Eine Spritzung ist bei einem Befall mit Blattläusen und Raupen angebracht, aber auch bei Problemen mit Brombeer- und Erdbeermilbe sowie dem Apfelwickler ist ein Erfolg beobachtet worden. Nicht sinnvoll ist natürlich eine Spritzung von Salat, der in wenigen Tagen geerntet werden soll, da sich ein leicht bitterer Geschmack der Blätter nicht vermeiden lässt.  

Wer zum ersten Mal ein Blättchen Wermut probiert und es im Mund zerkaut, wird es meist schnell wieder ausspucken; denn dieses Kraut schmeckt so bitter, wie kaum etwas anderes. Deshalb ist es verständlich, dass zum Würzen immer nur kleinste Mengen verwendet werden.   

Peter Busch