Speisepilze im Garten züchten

Viele Menschen wissen, dass Pilze in der Natur als Filter dienen. Weil auch Speisepilze diese Funktion erfüllen und auf diese Art Schadstoffe speichern, haben sie für die Gesundheit schädliche Stoffe. Wissenschaftler forschten in der Vergangenheit nach einer Möglichkeit, Pilze unter Schutzbedingungen zu züchten. In der Folge wurde festgestellt, welche Speisepilze sich heranzüchten lassen. Selbstversorger sind an einem möglichst umfassenden Angebot von Lebensmitteln interessiert. Eine gute Möglichkeit ist das Züchten von Pilzen im eigenen Garten. Hier eine An­leitung, die hilft den Aufwand einzuschätzen.


Die Brut – Was wird benötigt, um Speisepilze selbst zu züchten?

In Fachkreisen werden die wachstumsfähigen Pilzfäden (Mycel oder Myzel), die als Grund­lage einer Pilzzucht nötig sind, als Brut bezeichnet. Es gibt mehrere gängige Varianten:

  • Eine Körnerbrut: das sind vom Mycel eingesponnene Getreidekörner.
  • Eine Substrat-Brut: das ist vom Mycel durchwachsenes Strohmehl, Stroh oder Sägespäne.
  • Eine Dübel-Brut: das sind handelsübliche, jedoch vollständig mit Pilzfäden durchsetzte Holzdübel aus Buchenholz.


Die folgenden Pilze lassen sich ­besonders gut zu Hause züchten:

Austernpilze zählen zu den Seitlingen. Sie gedeihen gut im Freien bei einer Temperatur von 6 bis 24 Grad auf Fertigkulturen und totem Laubholz. 

Auch die Braunkappe gedeiht im Freien gut, bei einer Temperatur von 10 bis 18 Grad. Sie ist auch als Maronenröhrling oder Braunhäubchen bekannt, sehr anfällig für Belas­tungen mit Schwermetallen und anderen Umweltgiften und wird im Beet angebaut. 

Champignons sind in zahlreichen Unterarten zu finden, „zweisporiger Champignon“ ist als beliebtester und verbreitetster Kulturpilz weltweit bekannt. Er gedeiht bei einer Temperatur von 10 bis 16 Grad in Fertigkulturen, im Freien oder im Haus.  

Der Igelstachelkopf ist ein besonders in Asien sehr geschätzter Speisepilz, dort auch als Heilpflanze anerkannt. Er wird auch als ‚Affenpilz‘ oder ‚Pom-Pom-Blanc‘ bezeichnet. Er gedeiht, bei einer Temperatur von 10 bis 18 Grad als Fertigkultur im Freien oder im Haus. 

Der Kräuterseitling ist beliebt und kann im Beet oder in der Fertigkultur bei 10 bis 18 Grad angebaut werden. 

Der Limonenpilz hat eine leuchtend gelbe ­Farbe und einen Zitronenduft. Er wird in Fertig­kulturen oder auf Laubholz bei sechs bis 24 Grad angebaut. 

Auch der Parasol ist besonders für die Fertigkultur geeignet. Er gelingt auch im Beet. Er ist als Riesenschirmling bekannt, weil sein Hut einen Durchmesser von bis zu 40 Zentimetern haben kann. Die Optimale Temperatur, die er zum Wachsen benötigt, ist zehn bis 18 Grad. 

Besonders in Italien und Frankreich, auch als Samthaube bekannt, ist der ­Pioppino. Er kann bei 18 bis 30 Grad, im Freien oder im Haus angebaut werden. 

Wer einen Pilz sucht, der nach Lachsschinken schmeckt, ist mit dem intensiv roten Rosenseitling gut beraten. Er gelingt bei 6 bis 24 Grad, in Fertigkultur, dem Beet­anbau und der Kultivierung auf Totholz.

Der Shiitake ist besonders in Asien beliebt. Er kann bei 14 bis 22 Grad im Freien oder im Haus, in einer Fertigkultur oder im Beet angebaut werden. 

Der Toskanapilz hat einen aromatischen, nussigen Geschmack. Er wächst im Freien bei 10 bis 18 Grad besonders gut. 


Dieses Substrat kann genommen werden:

Das Material, auf das die Brut ausgebracht wird, nennen die Fachleute Substrat. Dieses kann sein:

  • Stroh 
  • Strohpellets aus gepresstem Stroh
  • Totholz
  • Spezielles Pilzsubstrat für den eigenen Anbau


Was ist unbedingt zu beachten?

Bei dem Umgang mit Substrat und Pilzbrut muss stark auf Hygiene geachtet werden. Wird die Brut verunreinigt, können Schimmelpilze dazu führen, dass diese vollständig abstirbt und der eigene Anbau der Speisepilze gescheitert ist. Idealerweise wird daher mit frisch gewaschenen Händen oder Einweghandschuhen gearbeitet. Werkzeuge sollten vorab gespült und mit Essigwasser desinfiziert werden!


Wie erfolgt die „Aussaat”?

Die Träger der Pilzfäden werden unterschiedlich je nach Brut- und Substratart in das Substrat eingebracht. Sie werden entweder aufgestreut, wie das bei Stroh üblich ist, dem losem Substrat untergemischt oder in Bohrungen beziehungsweise direkt in die Masse, bei Totholz oder Strohpellets, eingebracht. Dabei kann es nötig werden die Brut nochmals mit einer dünnen Erdschicht zu überdecken.


Die Aufzucht

Damit das Wachstum der ausgebrachten Brut erfolgreich vonstattengeht, benötigen die Speisepilze nur wenig Aufmerksamkeit. Mit den folgenden Umgebungsbedingungen sind sie in der Lage, die Energie aus dem Subs­trat heraus zu nutzen und sich prächtig zu ­entfalten: 

  • Feucht, idealerweise sehr hohe ­Luftfeuchtigkeit 
  • Kühle Temperaturen 

Gute Rahmenbedingungen bietet beispielsweise die Zucht im Keller, aber auch der Garten kann durch positive Rahmenbedingungen punkten. Zu beachten ist, dass Pilze zwar bei höheren Temperaturen schneller wachsen, die Qualität der Speisepilze aber geringer ist. Es ergibt sich, dass möglichst niedrige Temperaturen eine zwar langsame aber hochwertige Ernte garantieren. 


Fertige Kästen vereinfachen die Anzucht

Wer bei der Anzucht von Pilzen Anfänger ist, kann gute Erfolge mit einem Anzuchtset, mit dem alle erforderlichen Materialien und Informationen geliefert werden, haben. 

Meist besteht ein solches Set entweder aus einem Behältnis mit bereits infiziertem Subs­trat, oder das Substrat muss nur noch mit der beiliegenden Brut überstreut werden. Erfahrungen die so gemacht werden, können anschließend beim Anbau ohne ein solches Set hilfreich sein.    

Monika Hermeling