Lauter Kiwis

Einem Gartenfreund der Bahn-Landwirtschaft muss man nicht erklären, was ein Kiwi ist. Der Name hat allerdings mehrere sehr unterschiedliche Bedeutungen. Zum einen werden die Einwohner aus dem Südpazifik mit ihrem Spitznamen so genannt, zum anderen gibt es einen Vogel der ausschließlich in Neuseeland vorkommt. In der Ursprache haben die Maori diesen seltsam anmutenden Vogel einfach Kiwi genannt. Der inzwischen stark gefährdete Vogel mit der zoologischen Bezeichnung Apteryx australis gehört zu den flugunfähigen Schnepfenvögeln und steht unter strengem Naturschutz. Er ist etwa so groß wie ein Huhn und sein fellartiges Gefieder erinnert entfernt an die Kiwi-Frucht, wenngleich das Größenverhältnis nicht stimmt. Die vierte Namensauslegung zu einem weiteren Spitznamen führt zu einer bekannte Fernsehmoderatorin, die die beliebte Sendung „Fernsehgarten“ moderiert. 


Wissenswertes zur Kiwi

Die hauptsächlich in Südostasien beheimatete Kiwi-Pflanze gehört zu den Strahlengriffelpflanzen (Actinidaceae) und besteht aus einer ganzen Reihe verschiedener Arten, wovon aber nur wenige zur Weiterzucht verwendet wurden. Eine der ältesten Arten ist Actinidia chinensis, die inzwischen in A. deliciosa umbenannt wurde. Hierbei handelt es sich um die am weitesten verbreitete Art, von der es zudem zahlreiche Sorten gibt. Von ihr ist bekannt, dass sie schon vor 1200 Jahren in China erfolgreich kultiviert wurde. Erst im Jahre 1845 hat der französische Pflanzensammler Robert Fortune diese Pflanze wiederentdeckt, die dann wenige Jahre später von dem französischen Botaniker Emile Planchon genauer beschrieben wurde. In den Anfängen schenkte man dem Anbau von Kiwis kaum eine Bedeutung. Um 1900 gab es Anbauversuche in Botanischen Gärten in England und Florida. Das änderte sich 1925 schlagartig durch den Obstbauer Bruno Just aus Auckland, der sehr erfolgreich auf den Nordinseln von Neuseeland Anbauversuche in den klimatisch günstigen Gebieten durchführte. Von hier aus startete der einzigartige und geniale Siegeszug der Actinidia deliciosa. Keine andere Pflanze hat es bisher geschafft, innerhalb solch einer kurzen Zeit (nach ihrer Wiederentdeckung) derart bekannt und weltweit gefeiert zu werden. Was sicherlich auch an der genialen Vermarktungsstrategie von Neuseeland liegt. Viele glauben daher, die Kiwi-Pflanze stamme aus Neuseeland. Die Urform stammt, wie der ursprüngliche botanische Name schon aussagt, aus China. 


Weitere wichtige Arten

Die Art Actinidia deliciosa bleibt unumstritten die wichtigste Art innerhalb der Familie der Kiwi-Gewächse, keine weitere Art kommt ihrer Verbreitung und Bedeutung auch nur annähernd nahe. Sie ist sehr wuchsstark und hat runde, fast herzförmige Blätter, die wechselständig sind. Im Jungstadium sind die Triebe samtig rot behaart und sehr weich. Als interessante Art ist Actinidia arguta zu erwähnen, die sich als besonders frostresistente Pflanze bewährt hat und mit der zahreiche Hybriden entstanden sind. Die Pflanze wächst schwächer als die zuvor benannte. Die Blätter sind oval und leicht gezahnt. Von ihr gibt es ebenfalls viele Sorten und als Züchter hat sich der russische Pflanzenzüchter Mitschurin besonders hervorgetan, indem er für die Verbreitung dieser Art gesorgt hat. Die Früchte dieser Art sind wesentlich kleiner und vor allem nicht behaart, wie man das von A. deliciosa gewohnt ist. Für ­A. arguta gibt es zahlreiche Synonym-Namen wie Affenpfirsich, Schafspfirsich, Eselspfirsich, chinesischer Strahlengriffel, Yang-tao, Souris vegetable oder Min-hon-tao.

Actinidia kolomikta ist auch als fruchttragende Kiwi-Art bekannt und wie alle Kiwi-Arten gehört sie zu den Ketterpflanzen, die sich nach rechts winden. Diese Art ist besonders als dekorative Kletterpflanze bekannt, denn sie hat zweifarbige Blätter. Ihre reinweißen Blattspitzen verfärben sich im Frühherbst rosarot.  

Actinidia henryi ist eine hoch schlingende Art mit zottig behaarten Trieben, an denen zahlreiche etwa zwei cm große Früchte wachsen. Actinidia rufa stammt aus Japan und Actinida callosa sowie Actinidia latifolia stammen aus China. Als besonders wertvoll ist die Art A. purpurea zu bezeichnen, da sie ihre rötliche Fruchtfarbe in das Zuchtprogramm in die Welt der Kiwis einbringt. Insgesamt kennt man etwa weitere 40 Kiwi-Arten die vorwiegend im ostasiatischen Raum vorkommen. Bei den meisten Arten loht sich aber keine weitere Vermehrung oder kommerzieller Anbau, weil entweder deren Früchte zu klein sind oder aber bitter schmecken.  


Kleine Auswahl bekanntet Sorten   

Zu allen vorgestellten Arten gibt es unterschiedliche Sorten und zudem noch Kreuzungen innerhalb der vorgestellten Arten. Wer sich eine Kiwi-Pflanze kauft muss zudem wissen, dass es einhäusige Sorten gibt, (männlich und weibliche Blüten an einer Pflanze) aber auch zweihäusige (männlich und weiblich zwei Pflanzen.)   

Für nicht selbstfruchtende Sorten wird für 3–4 weibliche Pflanzen jeweils eine männliche Pflanze benötigt, die einfach dazwischen gepflanzt wird.  


Wo werden Kiwi angebaut?  

Das Hauptanbaugebiet ist, wie bereits erwähnt, Neuseeland. Weitere liegen in Californien, Südafrika, Südamerika und neuerdings auch in Israel. Das trifft auch für Europa zu, wobei die Länder Italien, Spanien und Portugal diese wunderbare Frucht schon seit geraumer Zeit kommerziell im großen Stil anbauen. In unseren Breitengraden ist die Kiwi-Pflanze noch eher ein Exot, was eigentlich schade ist. Durch die Kreuzungen mit A.arguta sind die sehr Wärme liebenden Kiwi-Pflanzen aber bedeutend robuster geworden und überstehen auch sehr kalte Winter. Somit gibt es also kaum einen Hinderungsgrund Kiwis bei uns im eigenen Garten anzubauen. 


Ideale Standortbedingungen  

Kiwis benötigen einen humusreichen, mittelschweren Boden, sandiger Lehmboden mit einer ausreichenden Wasserhaltekraft ist als ideal zu bezeichnen. Staunässe sollte unter allen Umständen vermieden werden. Der pH-Wert sollte im Neutralbereich bei pH 7 liegen. Eine etwas Wind geschützte Süd- oder Westlage wäre von Vorteil. Von Nord- und Ostlagen ist eher abzuraten, weil insbesondere die späte ­A. deliciosa hier schlecht ausreift und unter Umständen durch die immer wieder auftretenden Spätfröste Schaden nehmen könnte. Kiwi-Pflanzen müssen regelmäßig mit Dünger versorgt werden, wobei sich hier die Verwendung von einem Volldünger am besten bewährt. Nachfolgend ein Arbeitskalender für alle, die mehr als nur eine Kiwi-Pflanze kultivieren möchten.


Wichtig zu wissen

Wer Kiwis anbaut, der möchte auch irgendwann Früchte ernten. Kiwis, bekannt für ihren kräftigen Wuchs, tragen Früchte ausschließlich am einjährigen Holz. Aus diesem Grund müssen sie regelmäßig zurückgeschnitten werden. Nach einer Neupflanzung dauert es zunächst 3–4 Jahre, bevor eine Pflanze zum ersten Mal blüht und Früchte trägt. Besonders wichtig ist, dass die Pflanze gut befestigt wird, denn die mehrjährige Schling- bzw. Kletterpflanze wird recht groß und bildet mit ihrem Grundgerüst sehr viel Holz in Form von dicken Ästen und Nebentrieben aus. Es gibt mehrere Möglichkeiten einer Kiwi-Pflanze eine dauerhafte Kletterhilfe zu schaffen. Recht einfach ist ein Gerüst wie man es beim Spalierobst benötigt und das aus senkrechten Pfosten besteht, die in Längsrichtung mit Draht verspannt sind. Wegen der längeren Haltbarkeit sollten Eisenpfosten verwendet werden, die mit einem kleinen Fundament im Boden verankert sind. An diese ­Pfos­ten, die in 2 m Abstand aufgestellt werden und gut 2 m hoch sein sollten, spannt man nun mehrere Reihen Spanndraht. Hier lassen sich die Triebe der Kiwi-Pflanzen gut befestigen. Als sehr zweckmäßig erweist sich auch eine Pergola, an der die Kiwi hochwächst und sich dann im oberen Bereich der Pergola ausbreiten kann. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass dann die Früchte nach unten durchhängen. Als Einzelpflanze können Kiwis auch problemlos an Zäunen und Mauern ranken. Im Prinzip ist es egal, entscheidend bei einer Kletterhilfe ist, dass diese über einen längeren Zeitraum stabil genug ist, um einer immer schwerer werdenden Kletterpflanze ausreichend Halt zu geben.   


Schnittmaßnahmen

Bei Kiwi gibt es einen Winter- und einen Sommerschnitt. Beide Schnitte sind sehr wichtig und sollten auch alljährlich durchgeführt werden. Den Winterschnitt führt man am besten bereits Mitte Februar bis Mitte März aus, allerdings nur an frostfreien Tagen. Dieser Schnitt dient zur Entfernung von Totholz und vergreisten Trieben, die ohnehin kein Fruchtholz mehr bilden. Ferner wird dabei der junge Nachwuchs formiert. Schneidet man jedoch zu spät im Frühjahr, kann die Pflanze, bedingt durch den sehr hohen Saftdruck, ausbluten. Das Fruchtholz kann eintrocknen oder die ganze Pflanze stirbt ab. Der Sommerschnitt ist wesentlich einfacher und besteht eigentlich nur darin, einen Überhang an Neutrieben bzw. lange Triebteile nach den Fruchtansätzen einzukürzen, damit mehr Kraft in die Früchte gelangt. 


Wenn die Kiwi-Pflanze keine Früchte trägt

Hierfür gibt es gleich mehrere Ursachen, viele davon werden nicht gleich erkannt und manche lassen sich auch noch nachträglich ab­stellen bzw. verändern.  

Problem: 

1) Sie haben nur eine Pflanze gekauft und wissen nicht, ob sie ♀ oder ♂ ist. 

2) Die Kiwi-Pflanze blüht nicht. 

3) Die Pflanze blüht, wird aber nicht ­bestäubt. 

4) Die Pflanze wächst sehr stark, blüht aber nicht. 

Lösung:

1) – Blühen lassen und überprüfen, die ♀ Blüte unterscheidet sich wesentlich von der ♂. Dann passenden Partner nachkaufen.

2) – Sie haben versehenlich das Fruchtholz entfernt. 
    – Die Blütenansätze sind durch Spätfrost erfroren.
    – Die Pflanze ist vergreist und bildet kein Fruchtholzaus.

3) – Bestäuber blüht zu einem anderen ­Termin: geeigneten Bestäuber kaufen.
    – Für ausreichend Insekten im Garten sorgen.

4) – Zu viel Stickstoff im Boden.
    – Falsche Pflege, falscher Schnitt.
    – Falscher Standort.
    – Schädlinge und Krankheiten.


Zuletzt noch etwas Außergewöhnliches

Eine Mitarbeiterin aus dem Druckhaus Karlsruhe (Verlag des Eisenbahn-Landwirt) hat in ihrem privaten Garten versucht, über mehrere Jahre hinweg eine Kiwi-Pflanze anzubauen. Nach mehreren Versuchen hat sie dieses Vorhaben jedoch aufgegeben. Regelmäßig wurde die Pflanze kurz nach dem Anwachsen buchstäblich platt gemacht. Sie fragte sich, wer so was wohl anstellen könnte und entdeckte nach weiteren Anpflanzversuchen rein zufällig die nachbarliche Katze, die sich mit Wohlbehagen auf der jungen Kiwi-Pflanze wälzte und dabei seltsame Geräusche von sich gab. Das trieb sie solange die Pflanze noch vital war, wurde der Kiwi durch die groben Annäherungsversuche welk, war die Pflanze nicht mehr interessant für sie. Pünktlich nach einer Neupflanzung erschien der Stubentiger dann allerdings wieder. 
Die Kiwi-Pflanze enthält in ihrem Pflanzensaft in den Bereichen von Wurzelhals, Teilen der eigentlichen Wurzeln sowie den Jung­trieben ein Enzym mit der chemischen Bezeichnung Actinidin. Hat ein Mensch beim Verzehr von Kiwi-Früchten allergische Reaktionen, dann ist dieses Enzym daran Schuld. Bei Katzen ist das ein wenig anders, denn die nehmen Actinidin als Duftstoff auf. Vergleichbar ist das mit der Katzenminze (Nepetea x faassenii). Beide Pflanzen enthalten bestimmte pflanzliche Duftstoffe, die dem körpereigenen Belohnungssystem sowie deren Sexualhormon sehr nahe kommen. Diese Düfte, die bei Katzen vermutlich wohlige Gefühle auslösen, schützt sie nach Studien von Prof. Reiko Uenoyama wohl gleichzeitig auch noch vor ­Insektenstichen


Ihr Peter Hagen