Eigensinn hoch drei

Moosbeere, Kranichbeere, Cranberry 

Wer meint, sich gegenüber Pflanzen durchsetzen zu können, die völlig anderer Meinung sind als er oder sie, kann gleich einpacken. Kaum etwas kann so stur sein wie Pflanzen mit speziellen Ansprüchen. Da kann man sich noch so mühen, es klappt einfach nicht, weil eine solche Pflanze nun einmal unbedingt auf besondere Umweltverhältnisse angewiesen ist. Paradebeispiel: Moosbeere oder Kranichbeere, mittlerweile bekannter unter der Bezeichnung Cranberry. Unter diesem Namen machte sie Furore als praktisch gesündeste Beere überhaupt – sagen manche. Jeden Tag ein paar Cranberry, und man bleibt munter bis hundert.

Wenn man dann noch hört, dass die Kultur von Cranberry eigentlich gar nicht so schwierig ist, warum dann nicht im eigenen Garten ziehen und täglich frisch vom Strauch pflücken, allerdings nur im Herbst. Ja, wenn das wirklich so einfach wäre! Wir haben es mit einer Wildpflanze aus Nordamerika zu tun, die nur unter ganz speziellen Verhältnissen gedeiht, Verhältnissen, die hierzulande von Natur äußerst rar sind. Wo Rhododendren und Azaleen bei uns fast wie von selbst üppig gedeihen und blühen, könnte Kultur von Cranberry mit reichem Fruchtertrag gelingen. Wenn, ja wenn man dazu noch einiges beachtet. Cranberrypflanzen brauchen saure, feuchte Moor- oder Sandböden mit einem pH-Wert zwischen 4–5. Normalen Gartenpflanzen ist das ein Gräuel. Wo die genannten Voraussetzungen nicht gegeben sind, muss man mit viel Torf, saurem Humus in Gestalt von Nadelstreu, Sägespänen und dergleichen nachbessern und immer wieder dafür sorgen, dass es so bleibt, alles an vollsonnigem Platz und das Substrat immer genügend feucht, nur mit weichem (!) Regen verwöhnt. Nährstoffgaben sind weitgehend zu vergessen, allenfalls vorsichtig physiologisch sauer zu düngen. 

Zur Pflanze selbst: Moosbeere oder Kranichbeere sind deutsche Bezeichnungen, verdrängt vom amerikanischen Cranberry. Botanisch heißt sie Vaccinium macrocarpon, ist nahe verwandt mit heimischer Preiselbeere. Die niedrigen Zwergsträucher mit immergrünen Blättchen, die sich im Herbst rötlichbraun verfärben, werden etwa 20 cm hoch, blühen im Sommer, fruchten mit großen, dunkelroten bis purpurfarbenen Früchten ab Ende September bis Ende Oktober. Es gibt inzwischen mehrere Sorten wie unter anderem ‚Early Black‘, ‚Stevens‘, ‚Pilgrim‘. Die Pflanzen entwickeln lange Triebe. Zu starkes Triebwachstum kann durch zurückhaltenden Schnitt gebremst werden. Rohgenuss beschränkt sich auf jeweils einige Beeren zu Milchgerichten, Joghurt, Müsli und dergleichen, weil rohe Cranberrybeeren wenig süß und leicht bitter schmecken. Darum werden sie hauptsächlich verarbeitet zu Saft, Mus, als Beigabe zu Wild- und Geflügelgerichten, zur Vorratshaltung gefrostet oder getrocknet.  

Ilse Jaehner