Bidens pilosa – Eine ‚trockene Liebe‘ und ein sehr nützliches Wildkraut

Die als Wildkräuter bezeichneten Pflanzen hießen gelegentlich auch schon ‚Unkräuter‘.­ Dies zu einer Zeit, als man diesen Pflanzen wohl noch nichts Positives abgewinnen konnte. Doch das hat sich grundlegend geändert und sehr vielen als einst unangenehm auffallende Pflanzen wird heutzutage viel Nützliches abgewonnen. 

Die Wildkräuter lassen sich je nach Lebensdauer in drei große Gruppen unterteilen: die einjährigen, die zweijährigen und die mehrjährigen Kräuter. 

Doch was ist es, was diese Pflanzen so erfolgreich macht? Da ist zum einen die enorme Produktion von Samen zu nennen, die zudem auf unterschiedliche Weise verbreitet werden. Viele werden durch Wind verbreitet, doch gibt es auch Arten, die sich des Menschen oder auch Tieren bedienen, um den eigenen Samen eine weite Verbreitung zu ermöglichen. 

Eine Begegnung dieser Art hatte ich schon mit verschiedenen Arten der Gattung Bidens. Die deutsche Bezeichnung Zweizahn ist die direkte Übersetzung des botanischen Gattungsnamens, und bezeichnet auch sehr zutreffend die zwei mit Widerhaken besetzten Zähne, die sich in Tierfellen oder auch Kleidungsstücken jeglicher Art festsetzen und sich so auf die Reise begeben. Im spanischen Sprachraum wird die Pflanze der Anhänglichkeit ihrer Samen wegen sehr zutreffend als ‚Amor seco‘= Trockene Liebe bezeichnet. Gelegentlich weisen die einzelne Arten sogar mehr als zwei Zähne auf, auch drei oder vier sind nicht selten.  Nicht alle Bidens-Arten sind Wildkräuter, innerhalb dieser Gattung gibt es auch ‚nützliche‘ Arten.

Die verbreiteten Samen weisen zum einen eine lange Lebensdauer und auch eine hohe Keimfähigkeit auf, wobei auch eine Besiedlung im Hinblick auf die Bodenqualität ungünstiger Standorte erfolgen kann.  Auch hinsichtlich der zur Keimung erforderlichen Faktoren, wie Licht und Temperatur, stellen die Bidens-Arten geringere Ansprüche oder sind in der Lage größere Schwankungs­breiten zu tolerieren. 

Etwas näher will ich mich hier mit Bidens pilosa befassen, die als Wildkraut fast weltweit verbreitet ist und enorm vielseitig verwendet wird oder verwertbar ist, wenngleich die Möglichkeiten zuweilen nur lokal bekannt sind. Ich erhielt vor einigen Jahren Saatgut über eine Samentauschaktion. In ein entsprechendes Anzuchtsubstrat mit Sandzusatz ausgesät, keimen die Samen recht schnell – bei etwa 20 ºC nach etwa 10 Tagen. Die Pflanzen wachsen im Topf rasch, doch erreichen sie in der Regel nicht über einen Meter Höhe. Auch die Blüte setzt recht früh ein und die Blütezeit kann sich witterungsbedingt bis weit in den Herbst hinziehen. Auch eine Direktsaat in den Garten ist denkbar. Die Pflanzen sind einjährig und durch die reichliche Bildung von Samen dürfte sie sich über längere Zeit im Garten halten.  

Hinsichtlich der Verwendung der Pflanze sind viele Anwendungen überliefert. In Kuba wurde die Pflanze schon in Kultur genommen und auch im Hochgebirge in Kathmandu scheint Bidens pilosa gut zurechtzukommen. Zum Zeitpunkt der Blüte lässt sich die ganze Pflanze verwenden, doch auch den einzelnen Teilen wie Blüten, Wurzel und Blätter werden gewisse Wirkungen zugeordnet. Die Blüten sollen bei Durchfall, die Wurzeln bei Ohrenschmerzen helfen.  

Aus den Blättern lässt sich ein Tee zubereiten, der zur Behandlung der Diabetes eingenommen wird. Dieser Tee wird auch zum Gurgeln bei Husten und Halsbeschwerden jeglicher Art und als harntreibendes Mittel empfohlen. Einzeln gekaute Blätter helfen bei Mundgeruch. Sie haben einen angenehmen Geschmack. Die jungen Triebe werden gekaut um damit rheumatische Beschwerden zu lindern. Und auch bei Kopfschmerzen, bei Vergiftungen, und Aften im Mund soll diese Pflanze helfen. Es ist verwunderlich, dass sich die Wissenschaft noch nicht eingehend mit dieser Pflanze beschäftigt hat. Vielleicht sollten wir für sie im Garten einen Platz finden, um sie für die grüne Hausapotheke immer zur Hand zu haben.    

Thomas Bay