Früchte von Passionsblumen

Von Maracujas und Grenadillen

Wenn es irgendwo ein bisschen ungenau zugeht, dann bestimmt bei den Früchten von Passionsblumen. Die trifft man immer öfter im Obstangebot des zuständigen Einzelhandels, vorrangig in den Herbstmonaten, der natürlichen Reifezeit von Früchten von Passionsblumen mit den Märtyrermerk­malen Jesu in den Blüten. Passionsblumen sind bekannt als Zimmerpflanzen, besser als attraktive Klettergewächse für Wintergärten, neuerdings auch fürs Freiland, denn es gibt Passionsblumen, die angeblich 20 Grad Winterfrost unter Schutz überstehen können.  

Hier geht es jedoch nicht um Zierpflanzen für Hobbygärtner und Gärtnerinnen sondern eben um Früchte. Sie liegen zum Greifen nahe in den Regalen betreffender Geschäfte. Aber die verschiedenen Namen sind einigermaßen irritierend. Da gibt es einfach Passionsfrüchte, dazu Maracujas, außerdem Grenadillen, rote und gelbe. Was ist nun was oder ist etwa alles dasselbe? So ganz genau halten selbst manche ziemlich oft damit Beschäftigte die Dinge nicht auseinander.  

Der botanische Name für Passionsblume ist Passiflora. Es gibt viele Arten, doch nicht die Früchte aller Arten sind essbar. Im Allgemeinen wird als Passionsfrucht die Frucht von Passiflora edulis gehandelt, auch unter der Bezeichnung Purpurgrenadille. Grenadillen sind etwa tischtennisgroß, haben eine glatte, gelbgetönte Schale. Maracujas sind Früchte der Form Passiflora edulis var. flavicarpa. Sie sind kleiner, nur etwa hühnereigroß, dunkel gefärbt, und ihre Schale schrumpelt mit der Zeit mehr oder weniger stark ein.   

Schneidet man die Früchte quer durch, fällt die Vielzahl der Kerne auf, die von einer glibberigen Masse umgeben ist. Diese ­saftig-breiige Substanz nennt man Fruchtpulpe oder botanisch Arillus, Mehrzahl Arilli. Sie schmeckt mehr oder weniger süßlich-aromatisch, wird mitsamt den Kernen ausgelöffelt, ähnlich Kiwi, oder zu Desserts verarbeitet, gern zusammen mit Milchprodukten wie Joghurt und Quark. Sie enthält viel Vitamin C und weitere wertvolle Inhaltstoffe.  

Kann man selbst Passionsfrüchte ziehen? Das ist mit ziemlichem Aufwand verbunden, setzt einen Wintergarten voraus, wo frostfreie Überwinterung möglich ist. Pflanzen mit Grenadillen brauchen es etwas wärmer als Maracuja-Pflanzen. Die selbstfruchtbaren Blüten werden am natürlichen Standort von größeren Insekten, häufig Hummeln, bestäubt. Bei Hauskultur ist es angebracht, mit einem Pinselchen nachzuhelfen. Auch ist es wichtig, die Kletterpflanze in Zaum zu halten, damit sie nicht nach einiger Zeit bloßes Triebgewirr darstellt. Das Pflanzgefäß biete den Wurzeln reichlich Platz, als Substrat eignet sich handelsübliche Kübelpflanzenerde.                                

Ilse Jaehner