Zweige haben Namenstag

Ein warmes Bad weckt Blüheifer

Der gelbe, nacktblütige Jasmin sorgt jedes Jahr für Überraschungen. Wer rechnet schon im November damit, dass es bereits wieder so weit ist, dass sich erste Knospen öffnen. Aber dann ist es tatsächlich so. Von nun an mangelt es nicht an Material für kleine und etwas größere Vasen mit Blühendem aus dem eigenen Garten. Famos! Es scheint so, als würde Jasmin jedes Jahr ein bisschen eher anfangen zu blühen. Klimawandel? Wie dem auch sei: wir freuen uns und schätzen Jasmin als verlässliche Grundlage für Winterblüte. Sein botanischer Name: Jasminum nudiflorum. Gute Partner sind Duftschneebälle, allen voran, mitunter erste Knospen schon im Oktober öffnend, Viburnum farreri, ihm folgend im November Vibunum x bodnantense ‚Dawn‘. Jasmin und Schneeball brauchen nicht angetrieben zu werden, blühen, kaum sind sie im warmen Haus. Das ist einfach großartig.  

Um andere Gehölze zur Winterblüte zu bringen, muss man sich mehr kümmern. Viele Blütensträucher/Bäume bilden Blütenknospenanlagen bereits im vorherigen Sommer und weiter bis Spätherbst, fallen dann im Dezember in Hauptruhe und brauchen im Nachwinter nur ein bisschen Wärme, um aufzublühen. Der Übergang von Hauptruhe zur Erwartungshaltung geschieht gewöhnlich um den 4. Dezember. Dieser Tag ist der heiligen Barbara gewidmet. Deswegen nennt man Zweige, die zur Blüte im Winter und Vorfrühling geschnitten und getrieben werden, Barbarazweige. Die Blühwilligkeit von Barbarazweigen wird gefördert durch einen ordentlichen Frost. Früher konnte man damit rechnen, dass bis Barbara, also 4. Dezember, wenigstens kurzzeitig Frost herrschte. Nachfolgende Wärme wurde dann von den Gehölzen als Signal empfunden, sich auf den Frühling vorzubereiten, Knospen weiterzuentwicklen. Weil diese Gewissheit von Dezember-Frost wegen des Klimawandels nicht mehr besteht, muss eventuell künstlicher Winter her, in der Gefriertruhe, wo geschnittene Zweige geeigneter Gehölze richtig durchfrieren sollen. Danach geht es ab in die Badewanne oder sonst ein Warmwasserbad für 8–12 Stunden bei 32–38 Grad. Die Zweige sollen vollständig im Waser untertauchen. Alle Zellen saugen sich voll, der Stoffaustausch zwischen den Zellen kommt in Gang, ebenso chemische Umwandlungsprozesse, die ihrerseits das Aufblühen der Knospen beschleunigen. Besonders gut auf solche Maßnahme reagiert Forsythie. Willige Winteraufblüher sind ferner Haselnuss, Hartriegel, Weidekätzchen, Mandelbäumchen, Scheinhasel, Zaubernuss, Zierkirsche, Zier­quitte und andere mehr.      

Ilse Jaehner