Myrte, Venus & Aphrodite

Eine Pflanze mit langer Tradition  

Gehochzeitet wird immer, und immer noch kommt dabei die Myrte ins Spiel, dies immergrüne Sträuchlein aus dem Mittelmeerraum mit den feinen Trieben und kleinen, glänzenden Blättern, denn Myrten liefern das Material zum Kranz für die Braut, zum Sträußlein für den Bräutigam. Warum? Schon die antiken Völker hatten ein Faible für die Myrte, nicht nur, weil sie mit ihren weißen Blüten zu grünen Blättern hübsch aussieht, sondern weil sie in Symbolik, Kosmetik und Küche wichtige Rollen übernimmt. Bei den alten Griechen war die Myrte der Aphrodite geweiht, Göttin der Liebe und Schönheit. Die Römer stellten sie zu ihrer Liebesgöttin Venus. Schon damals war Myrtenschmuck üblich, übrigens auch für Männer, die sich, nachdem sie sich hervortaten, durchaus gern mit Kränzen schmückten. In der Küche war Myrte gänzlich unentbehrlich, denn dazumal erfüllte sie Aufgaben, die später dem Pfeffer zufielen. Sie machte Speisen handfester. Drittens gibt es Myrtenöl. Man brauchte es im Haushalt bei allerlei Gelegenheit, um es angenehm riechen zu lassen, verwendete es kosmetisch und zu Heilzwecken, besonders um Atemwegsbeschwerden zu mildern. All das ist immer noch aktuell.  

Wir haben es also mit einer universellen Pflanze zu tun. Ganz selbstverständlich breitete sich das Wissen und der gekonnte Umgang mit Myrte zu den unterschiedlichsten Zwecken über die Grenzen des römischen Reiches hinweg auch in die Länder nördlich der Alpen aus. Da dort das Klima wesentlich rauer mit frostigen Wintern keinen ganzjährigen Aufenthalt draußen erlaubt, wurde die Myrte zur Zimmerpflanze oder wohl besser zur Kübelpflanze umstrukturiert, nicht nur, um dann später bei Gelegenheit Material für einen Brautkranz zu haben, sondern weil die Pflanze einfach hübsch ist, zu vielerlei brauchbar und gut zu halten.   

Wer eine Myrte pflegen will, möglichst über Jahrzehnte, sollte berücksichtigen, dass sie viel frische Luft braucht, sowohl im Sommer als im Winter. Zur Zeit ist sie am besten in einem hellen, kühlen Wintergarten bei 5, höchstens 10 Grad untergebracht, wird mit weichem Wasser so gegossen, dass das Substrat nicht austrocknet und nicht gedüngt. Im Nachwinter werden noch jüngere Exemplare jährlich in etwas größere Töpfe umgesetzt, nie tiefer als sie zuvor standen, in übliche Kübelpflanzenerde – gern dauergedüngte. Zu gleicher Zeit kann behutsamer Rückschnitt erfolgen. Bei zu starkem Rückschnitt leidet die Blühfähigkeit. Sobald die Witterung es zulässt, sollte die Myrte draußen an einem warmen, halbsonnigen Platz stehen, wo so gegossen wird, dass das Substrat möglichst gleichmäßig feucht ist, weder zu trocken noch vernässt. Beides würde die Myrte übelnehmen. Damit sie sich gut entwickelt, von April bis Spätsommer regelmäßig düngen.                                                                   

Ilse Jaehner