Der Efeu und die Bienen

Diese Freundschaft unterstützen

Es sprach sich herum, dass Efeu und Bienen gut miteinander können, da Efeu zu einer Zeit blüht, in der Bienen sonst nicht mehr viel finden an süßem Nektar. Je nach Klima und Witterung geht das noch den ganzen Oktober mit Nachzüglerblüten bis in den November. Da liegt der Gedanke nahe: „Pflanze Efeu und du tust was für Bienen“. Aber so einfach ist das nicht. Nur eine Efeu-Pflanze irgendwo hinsetzen, hat wenig Sinn. Der Efeu soll nicht nur wachsen, sondern unbedingt gut blühen, und das tut er nicht überall und immer. Der Standort ist wichtig. Guter, humoser, genügend feuchter Boden muss auch dabei sein.  

Ferner kommt es darauf an, dass Efeu ein bestimmtes Alter erreicht, ­gewissermaßen erwachsen wird. Pflanzen durchlaufen Lebens­abschnitte wie andere Lebewesen auch. Sie sind jung und altern. Bei Efeu sieht man die Unterschiede sehr deutlich. Die Efeu-Jugendform hat die bekannten, drei- bis fünf-lappigen Blätter. Efeupflanzen, die frühestens nach 8–10 Jahren ins blühfähige Alter kommen, entwickeln als Altersform Triebe mit glattrandigen, herzförmigen Blättern und wenige oder keine Haftwurzeln. Den Blüten folgen kugelige Früchte, die erst im Laufe des Frühjahrs blauschwarz reifen. Unten, als Bodendecke oder sonst niedrig wachsend, blüht Efeu nicht, nur oben und da gern in Sonne. Weil das meist außerhalb der Augenreichweite ist, haben viele Menschen noch nie Efeublüten gesehen.   

Gärtner sind hartnäckig und geben nicht so schnell auf. Wie kann man einen jungen Efeu blühen lassen? Indem man die Altersform des Efeus vegetativ vermehrt durch Stecklinge und Veredelung und so die Jugendform einfach übergeht. Die gewonnenen Pflanzen sind manifestierte Altersform, klettern erst gar nicht, blühen schon als junge Exemplare, wachsen buschig, halbkugelig und sehr langsam etwa 150–200 cm hoch. Sie sind eine Sache für sich. Am besten gedeihen sie an einem Platz in gebremster Sonne und immer gutem, humosem Boden. Die Altersform unseres heimischen Efeus heißt botanisch Hedera helix ‚Arborescens‘. Ähnlich strauchig oder buschig präsentiert sich Hedera colchica ‚Arborescens‘, die Altersform des Kaukasus-Efeus, nicht ganz so hoch werdend wie sein  Verwandter, mit ebenfalls glattrandigen Blättern, mehr weißlichen Knospen und etwas früher, im Juli/September, blühend. Dieser Strauchefeu ist etwas empfindlicher als die heimische Art, was scharfe Winterfröste betrifft und passt daher eher in wintermilde Gebiete, als in kontinentale Bereiche. Schnittmaßnahmen sollten bei diesen Efeus recht zurückhaltend erfolgen. Auf jeden Fall bereichern Strauchefeus das Nektarangebot für Bienen im Herbst hervorragend, übrigens nicht nur für Bienen, auch für verschiedene Käfer, Fliegen und Wespen. Pflanzung erfolgt, wegen der Blüte im Herbst, vorteilhaft im Nachwinter.              

Ilse Jaehner