Winterliche Zimmerpflanzenpflege

Generell gelten diese Vorschläge zur Pflege auch im Rest des Jahres, nur halt jetzt, wenn es dunkler ist, umso mehr. Beginnen wir mit dem Gießen. Nahezu die wichtigste Maßnahme. Nicht nur weil ohne Wasser unsere Pflanzen früher oder später eingehen. Solange ich in meinem Arbeitsbereich Garten zugange bin, kommt der richtigen Wasserversorgung der Pflanzen eine lebenswichtige Bedeutung zu. Erst recht in den kleinen Töpfen im Haus. Sie als erfahrene Kleingärtner kennen das sicherlich. Zuviel Feuchtigkeit ist schlimmer, als mal eine kurzfristige Austrocknung. Meist stehen unsere grünen Lieblinge in Untersetzern oder Übertöpfen. Ruck zuck bleibt da Wasser über Tage drin stehen und führt auf Dauer zu Wurzelschäden. Nur wenige machen sich die Mühe und kontrollieren regelmäßig die Übertöpfe. Leicht kann der Schaden zu Beginn noch mit Trockenheit verwechselt werden. Also nochmal Wasser marsch. Dieser Pflegefehler ist weitbekannt und wird immer wieder erwähnt. Aber ohne ihn würden nicht jedes Jahr Abertausende Pflanzen auf den Kompost oder in die Biotonne wandern. Um diese Gefahr der übermäßigen Wassergaben einzudämmen, hilft Ihr Zeigefinger. Einfach mit dem Zeigefinger in die Erde fassen – ist nicht zwingend vorgeschrieben, kann auch ein anderer Finger sein. Richtig rein damit! So stellen sie ganz einfach feucht bzw. trocken fest. Sind Sie sich nicht sicher, Topf rausnehmen und genau ansehen. Im Zweifelsfall kein Gießen. Ein, zwei Tage später die gleiche Prozedur durchführen und dann entscheiden. Nächstes Problemfeld ist die Luft. Einmal die Zugluft. Das andere Mal die Heizungsluft. Wie der Name schon ahnen lässt. Trocken, warme Heizungsluft macht vielen Gewächsen auf der Fensterbank Schwierigkeiten. Im direkten Bereich können durchaus Wüstenklima ähnliche Situationen auftreten. Die Masse der Zimmerbewohner kann damit nichts Gutes anfangen. Blätter trocknen vom Rand her ein, sterben nach und nach ab. Blüten verabschieden sich wesentlich schneller. Zusätzlich verkompliziert sich die Wasserversorgung. Trockene Luft verstärkt ein Auftreten von Schädlingen. Gerade die aufwendig zu bekämpfenden Spinnmilben bevorzugen geringe Luftfeuchtigkeit. Bitte nicht verwechseln. Trockene Heizungsluft erzeugt keine Schädlinge. Oft lese ich Informationen, in denen sich das zumindest teilweise so anhört. Sie begüns­tigt ihre Entwicklung aber. Kühle, manchmal sogar richtig kalte Zugluft schädigt praktisch durch Unterkühlung der Pflanzenteile, die ihr im Weg sind. Gerade im Winter, wenn draußen Minusgrade herrschen, kann es zu dauerhaften Schäden kommen. Einrollen, verbräunen, schwarz werden, abfallen sind so gängige Erscheinungen.  
Welche Möglichkeiten haben Sie trotzdem zum Lüften: Einfach warten bis sich die Temperaturen bessern. Klasse, darauf kommt so schnell keiner. Nächster Tipp: Die Fensterbank abräumen. Stoßlüften und wieder hinstellen. Gar nicht aufwendig – ha ha! Sie sehen, es bleibt schwierig. Ich hab es bei Kälte halt schon so gemacht: Den Rollladen teilweise runtergelassen – es muss ausprobiert werden wie weit. Damit dient er praktisch als Luftbremse. Nun das Fenster gekippt, Heizung selbstverständlich aus. Ein anderes Mal bei Plusgraden den ganzen Zauber wiederholt und im Nachbarzimmer Fenster geöffnet, um einen ganz leichten Zug hinzuzaubern. Alles nur wenige Minuten, mehrfach am Tag. Es bleibt aufwendig. Die ganzen Luftbefeuchter zum Einhängen an die Heizkörper konnten mich nicht überzeugen. Das Besprühen mit Wasser trägt nach meiner Erfahrung nur kurzfristig zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit bei. Auch bei mehrfacher Anwendung. Natürlich sind ihrer Fantasie keine Grenzen gesetzt. Lichtmangel spielt gerade im Winter eine noch wichtigere Rolle. Hier zählt jeder Strahl an Helligkeit. Zusatzbeleuchtung kann durchaus sinnvoll sein. Der Pflanzenfreund muss sich damit intensiv befassen. Generell ist das Entstauben der Blätter eine brauchbare Maßnahme, um die Lichtausbeute zu verbessern. Gerade wer großblättrige Grünpflanzen sein Eigen nennt, sollte sich mal darüber Gedanken machen. Mit speziellen Pflegetüchern, feuchten Lappen oder ganz einfach unter der Dusche ist das zu bewerkstelligen. Mir ist schon klar, dass ein prächtiger Philodendron, eine große Palme und dergleichen einiges an Aufwand bedeuten. Vor allem die Düngung verlangt in der Zeit des meist langsamen bis gar keines Wachstums Fingerspitzengefühl. Daher aufpassen und die Ansprüche der einzelnen Gewächse berücksichtigen. Eine voll im Saft stehende Blühpflanze ist anders zu versorgen, als Kakteen in ihrer Ruhezeit. Wobei auch andere Zimmerpflanzen eine Ruhezeit durchmachen. Was wir oft nicht wissen. Zum Beispiel wären das Sukkulenten (wasserspeichernde Pflanzen), Efeu, Flamingoblume, Bogenhanf, Medinilla und Klivie. Des Weiteren ist von Zeit zu Zeit eine Kontrolle auf Schädlingsbefall angebracht. Es ist mir selbst passiert – Spinnmilben an allen Orchideen! Einmal nicht aufgepasst und dann war bei einem satten Befall ordentlich Aufriss angesagt, bis die Viecher bekämpft waren. Das ist im Sommer schon schwierig, im Winter allein wegen der kalten Temperaturen erst recht. Daher sollte man generell bei Pflanzen genauer hinschauen. Besonders wenn sie im Sommer draußen standen. Regelmäßiges Ausputzen verringert das Krankheitsrisiko. Sonst ist ein Grauschimmelbefall an Alpenveilchen nur eine Frage der Zeit. Außerdem sind verwelkte Blüten nichts Sehenswertes. Winterblüher oder auffällige Grünpflanzen stehen wegen ihrer Pracht im Haus, da ist etwas Arbeit zum Erhalt notwendig.  
Im Großen und Ganzen sind das meine Erfahrungen. Für Sie in knappen Worten zusammengefasst. Machen Sie das Beste draus. Letztendlich entscheidet der Besitzer, ob und was er macht.   
Hans Willi Konrad