Buchweizen wächst auch noch auf Sandböden

In früheren Jahren, als es galt, noch den ärmsten Böden einen Ertrag zu entreißen, hatte der Buchweizen seine große Zeit. Dieses oft dem Getreide zugerechnete Gewächs ist aber kein solches, sondern gehört zur Familie der Knöteriche. Er bringt bräunliche Früchte hervor, die nur halb so groß sind wie Getreidekörner. Da sie aber nicht rund sind, sondern ähnlich dreikantig wie Bucheckern aussehen, dürften diese wohl der ganzen Pflanze den Namen „Buchweizen“ gegeben haben.

Der Buchweizen stammt aus den Steppen Asiens, verbreitet sich aber schon im frühen Mittelalter auch im deutschen Sprachraum. Die Pflanze wird etwa 30–50 Zentimeter hoch. Sie hat gestielte, herzförmige Blätter und weiße bis rosarote Blüten. In manchen Gegenden machte die Ernte der Buchweizenfrüchte oft ein knappes Achtel der gesamten Getreideernte aus – ein Hinweis darauf, dass er in der damaligen Ernährung eine wichtige Rolle gespielt hat. Man benutze ihn vor allem zur Herstellung von Suppen und Pfannkuchen. Selbst auf Sand- und Heideböden war der Buchweizen noch ertragreich und wurde deshalb als „Siedlungspflanze“ kultiviert. Wo Wald gerodet wurde, war der Buchweizen die erste Kulturpflanze ähnlich dem Mais in Amerika, den man damals hier noch nicht kannte. So war er bei der Kultivierung der Hochmoore, wo man ihn im Frühjahr ohne weitere Vorbereitungen in die noch warme Asche des abgebrannten Moores aussäte – die einzige Frucht, die auf einer solchen Fläche überhaupt gedeihen konnte. Kein Wunder, dass der Buchweizen zu Zeiten intensiver Düngung kaum mehr eine Rolle spielte. Schon die Stallmist-Düngung verträgt er nicht, denn er schießt danach zu sehr ins Kraut und trägt kaum noch Früchte. So ging auch sein Anbau bereits seit Anfang des vorigen Jahrhunderts von über 300.000 ha in Deutschland auf gerade noch ca. 10.000 ha in der Mitte der dreißiger Jahre zurück. Mit ihm verschwanden natürlich auch die Buchweizenrezepte aus dem Bewusstsein der Bevölkerung; nur in alten Kochbüchern kann man sie noch finden. Allerdings hat der Rückgang des Buc­weizens auch den Grund, dass die Pflanze sehr kälte­empfindlich ist und deshalb auch erst ab Mitte Mai in unseren Breiten ausgesät werden kann. Sie braucht dann noch warme und feuchte Witterung ohne starke Winde. So ist der Buchweizen für Landwirte eine höchst unsichere Pflanze.  


Rezepte von früher – ­Heraus­forderung für Kreative

Wie alles wiederum „Neue“, reizt uns jetzt  auch der Buchweizen zum Ausprobieren ­alter Rezepte, denn er hat ja bei uns Tradition.Außerdem kommt er im Zuge alternativer Ernährungsweisen wieder in Mode. In jedem Reformhaus kann man Buchweizen oder Buchweizenmehl erstehen; warum da nicht einmal einen Versuch starten? Man braucht ja nicht gerade mit dem überlieferten westfälischen Kaffeesatz-Rezept anzufangen! Es ist kein Witz, sogar in Nobelrestaurants wird Buchweizen-Pfannkuchen aus Teig mit Eiern angerührt und mit kaltem Kaffee samt Kaffeesatz auf angebratenen Speckscheiben als „Fenster“ angeboten – eine „urtümliche west­fälische“ Spezialität. So kann man es natürlich nachmachen, empfehlenswerter scheint aber das folgenden Rezept. Dieses hat vor allem in Osteuropa heute noch Bedeutung. Buchweizen wird nicht nur zu Mehl, sondern auch zu Grieß und Grütze vermahlen.     


Buchweizengrütze  

Zutaten: 250 g Buchweizengrütze, 1 ½ L Wasser, Salz, 100 g Butter.  

Zubereitung: Die Grütze wird gewaschen und abgetropft ins kochende Wasser gegeben, gesalzen und zugedeckt bei schwacher Hitze durch Ausquellenlassen gegart. Die Butter wird hineingerührt. Zu frischer Milch oder mit dieser verrührt wird die Grütze zu Tisch gegeben, evtl. auch als Frühstücksbrei. Einfach mutig ausprobieren!        

Gertrud Knobloch