Wissenschaftler*innen bestätigen: Gärtner sind gute Umweltschützer

Menschen, die in einem Garten Obst und Gemüse anpflanzen, pflegen und ernten, wissen, dass sie einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München arbeiten in ­Kooperationen mit den Universitäten in ­Groningen und Lyon. Sie bestätigen dies und weisen auf zusätzliche Herausforderungen in der Pflanzenproduktion hin, die die Zukunft und der globale Wandel bringen wird.   


Wovon hängt der Ernteerfolg ab?   

Wenn Gärtner ihre Ernte einbringen und Kartoffeln, Möhren, Bohnen und Kürbisse auf den Verzehr warten, haben sie viel Zeit, Kraft und Geld investiert. Meist wird nicht gefragt, wovon das Wachstum und die Stoffwechselaktivität abhängen. Bisher wurde zum Beispiel die Arbeit der Bodenbakterien, die nur bei günstigen Bedingungen wirklich produktiv arbeiten können, als Selbstverständlichkeit hingenommen.   

Oft wurde nur der Gärtner mit Lob und Anerkennung überschüttet, der gute Früchte hervorbrachte. Der Kollege, der sich dem gesunden Aufbau der Bodenstruktur widmete, wurde meist an den Rand der Gemeinschaft gedrängt. Wie ein gesunder Boden die Entwicklung von Pflanzen beeinflusst, erforschten Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München.    


Der Wettbewerb um gesunde Böden wird intensiviert    

Der Umweltjournalist Franz Alt wies schon in den 90er Jahren darauf hin, dass weltweit um Wasser Kriege geführt werden. Er wusste, dass Antworten auf Fragen zur Grundversorgung des Menschen zunehmend an Bedeutung gewinnen werden.   

Heute, im Jahr 2021, besteht weiterhin ein ständig steigender Bedarf an Nahrungs- und Futtermitteln. Zusätzlich erfordert der Anbau nachwachsender Rohstoffe bei den Landwirten und Gärtnern neue Nutzungskonzepte für Böden. Die intensive, konservative Nutzung von Böden verschärft den Wettbewerb um Nährstoffe zwischen Pflanzen und Mikroorganismen unnötig. Die Nutzung muss, so sehen es die Wissenschaftler*innen, den veränderten Gegebenheiten angepasst werden. Mikroorganismen reagieren auf die Klimaveränderung schneller als Pflanzen und steuern deren Wachstum.   


Empfehlungen der Wissenschaftler für Gärtner und Landwirte  

Professor Dr. Michael Schloter ist Leiter der Abteilung Umweltgenomik am Helmholtz Zentrum München. Er sieht das Ziel seiner Forschung darin, die Prozesse im Boden zu entschlüsseln und so zu steuern, dass optimale Erträge gewährleistet sind. Er erklärt, dass der Boden mit einem Bioreaktor zu vergleichen sei. Er ist der Ansicht, dass, wem die Bedeutung des Bodens als Ernährer bewusst werde, dieser besser in der Lage sei, Strategien zur Verbesserung zu entwickeln. Diese sollen Ein- und Austräge von Nährstoffen optimal an die Bedürfnisse der Pflanzen anpassen. Schloter hebt hervor, dass es den Wissenschaftlern*innen bereits gelang, wichtige Bodenmikroorganismen zu identifizieren und deren Verhalten, in Bezug auf Klima und landwirtschaftliches Management, zu verstehen. Er findet es wichtig, dass dieses Wissen in der Zukunft verstärkt genutzt wird. Dadurch soll die Interaktion zwischen Mikroorganismen und Pflanzen verbessert werden. So wird erreicht, dass Erträge in Abhängigkeit von den jeweiligen Standorteigenschaften ­optimiert werden.    

Um verantwortungsvoll reagieren zu können, stellten Wissenschaftler sich die Frage, wie zum Beispiel die Nährstoffe aus dem Unterboden verstärkt genutzt werden können.   


Ermutigende Forschungsergebnisse des Helmholtz Zentrum München  

Professor Schloter bestätigt, dass Kurzeitversuche gute Erfolge zeigten. Jetzt gelte es, diese Ergebnisse in Langzeitversuchen zu bestätigen und daraus Konsequenzen zu ziehen. Für Gärtner und Landwirte bedeutet das, dass sie sich der Bedeutung der Qualität des Bodens für ihre Pflanzen bewusst werden müssen. Im Sinn eines gesunden Aufbaus der Bodenstruktur sind demnach die Kriterien vom verantwortungsbewussten Gärtnern anders zu bewerten. Verwendung von Kompost, die natürliche Beschattung oder Bedeckung des Bodens, müssen demnach, als Unterstützung der Mikroorganismen, in eine Beurteilung mit einfließen.   


Informationen zum Helmholtz Zentrum   

Das Helmholtz Zentrum, ist als deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt bekannt. Es hat eine personalisierte Medizin zur Diagnose, Therapie und Prävention weitverbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen entwickelt. Seine Wissenschaftler untersuchen das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Die selbstständige Abteilung Umweltgenomik (EGEN) untersucht die Struktur und Funktion mikrobieller Gemeinschaften im Boden.       

Monika Hermeling