Gemüse ohne Platzangst

Samen – Abstand halten!    

Wenn man teuren Gemüsesamen kauft, möchte man daraus auch frohwüchsige und reich tragende Pflanzen erzeugen. Das gelingt zumeist auch – allerdings nur, wenn man ein paar Grundsätze befolgt. Einer davon ist der genügende Abstand. Schon wenn man Jungpflanzen kauft, muss man bedenken, dass diese kleinen Pflänzchen später wesentlich mehr Platz benötigen. Wenn man allerdings selbst aussät, muss die Vorstellungskraft noch ein wenig größer sein, um sich auszumalen, dass aus diesen kleinen Körnchen einmal umfangreiche Pflanzen werden.   

Schon wenn man früh im Jahr Tomaten, Auberginen oder Paprika aus Samen anzieht, sollte man umsichtig handeln. Dass man hierbei keine normale Garten- oder Blumenerde nimmt, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Die feinkrümelige Struktur von guter Anzuchterde erleichtert erheblich die weitere Anzucht und die geringe Düngerdosis in dieser Erde provoziert das Wurzelwachstum. Doch auch das Verteilen der Samen in den Anzuchtschalen sollte sorgfältig geschehen, um später beim Umpflanzen (pikieren) die Sämlinge problemlos herausholen zu können. Liegen die Samen nämlich zu nah beieinander, können sich die entstandenen zarten Würzelchen der eng benachbarten Pflanzen ineinander verhaken, beim Trennen abreißen und somit einen optimalen Start ins junge Leben der Pflanzen erschweren. Falls sich doch mal zwei Jungpflanzen zu nahegekommen sind, ist Gewalt keine Lösung. Nachdem man den kleinen Erdballen mit den Sämlingen vorsichtig herausgehoben hat, sollte man ihn lockern sowie langsam und sorgfältig an beiden Stängeln ziehen; so kann man sie unbeschadet trennen.    

Auch im Freiland hilft das umsichtige Nutzen des Saatgutes. Wenn der Samen sich nicht nur in einer Tüte, sondern zusätzlich in einer Keimschutzhülle befindet, ist dieser Schutz nicht mehr gegeben, wenn die Hülle aufgerissen worden ist – was ja beim Herausnehmen vor dem Säen stets der Fall ist. Natürlich kann man versuchen, den restlichen Samen im Folge­jahr auszusäen, aber wenn der Keimerfolg wegen der fehlenden Keimschutzhülle dann nur mäßig bis schlecht ist, kann die Ernte unter Umständen ebenso mäßig bis schlecht sein. Besser: jedes Jahr frisches Saatgut kaufen. Außerdem sollte man bedenken, dass bei gutem Samen die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass jedes Körnchen keimt. Wenn man also die Anweisungen auf den Samentüten nicht beachtet und zu dicht sät („Es kommt ja doch nicht alles aus!“), stehen später auch die Pflanzen zu dicht. „Dann dünne ich eben so weit aus, dass ich den richtigen Abstand hinbekomme“, heißt es immer wieder. Doch wie schnell ist der optimale Zeitpunkt dafür verstrichen und die z.B. Möhren bleiben zu eng beieinanderstehen; oder aber es wird tatsächlich ausgedünnt und die verbliebenen Pflänzchen werden arg gelockert und dadurch im Wachstum gestört. In beiden Fällen entwickeln sich die Jungpflanzen nur unbefriedigend weiter. Beachten sollte man auch, dass zum Beispiel Pastinakenrüben im Endstadium rund 10 cm Durchmesser haben und entsprechenden Platz zur Verfügung haben müssen. Obwohl es tief im Herzen schmerzt, nur alle 10 cm die kleinen Jungpflanzen stehen zu lassen – es zahlt sich später aus.    

Allerdings gibt es Gemüsesamen, die unberechenbar sind. So kommen aus einem Samenkorn von Rote Bete oftmals mehrere Pflänzchen aus. Das kommt daher, dass es sich bei dem „Samenkorn“ um ein Samenknäuel handelt, aus dem dann die einzelnen darin befindlichen Samenkörner Sämlinge hervorbringen. Bei diesen Gewächsen ist man stets gehalten, auszudünnen – außer man entscheidet sich für so genannte monogerme Sorten, bei denen tatsächlich aus einem Samenkorn auch nur eine Pflanze sprießt. Das sind bei der Roten Bete zum Beispiel die Sorten ‚Moneta‘ oder ‚Pablo‘.    

Dem zu dicht Säen stehen drei Alternativ-Lösungen entgegen: als erstes wäre das zwar relativ zeitaufwändige aber effektive Aussäen mit genügend Abstand zwischen den einzelnen Körnchen zu nennen. Bei recht großen Samen wie Erbsen oder Bohnen, ist das problemlos möglich. Auch bei Pastinaken, Feldsalat oder Spinat ist das bei ein wenig Umsicht nicht so schwierig. Bei kleinen Körnchen wie Möhren oder Salat hingegen gestaltet es sich schon schwieriger. Dann kann man zum einen ganz vorsichtig Korn um Korn in die Reihen legen oder zum anderen den Samen mit trockenem Sand vermischen und dieses Gemisch in die Saatrillen streunen. Um dem Hobbygärtner diese Methode zu erleichtern, gibt es die Pillensaat, die insbesondere für Gemüse mit sehr kleinen Samenkörnern für einige Sorten angeboten wird. Hierbei bekommen die Samenkörner eine Ummantelung aus einer Hüllmasse und Bindemitteln, so dass sie wesentlich größer werden, besser in der Hand liegen und recht einfach im angegebenen Abstand gesät werden können. Noch einfacher geht das Aussäen mit Saatbändern, die auch für einige Gemüse- und Gewürzsorten zu haben sind. Auf diesen sind die Samen bereits im vorgeschriebenen Abstand aufgebracht worden. Die Bänder müssen lediglich in die Saatreihen gelegt, mit Erde bedeckt und ständig feucht gehalten werden; schon wachsen Pflanzen heran, die genügend Platz um sich herum haben. Verständlicherweise lassen sich die Samenanbieter die aufwändige Produktion der Pillensaat bzw. der Saatbänder bezahlen. Da die Aussaat aber bequemer vonstattengeht und die Ernte in der Regel auch üppiger ausfällt, kann man solch eine Samenportion zwar nicht als billig, aber im wahrsten Sinne des Wortes als relativ preiswert bezeichnen.    

Technische Hilfen in Form von Särollen oder Sämaschinen gibt es nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch im handlichen Format für den Hobbygärtner. Diese Geräte versprechen, dass sie die Samen korrekt ausbringen, da man die Möglichkeit hat, sowohl die Korngröße als auch den Abstand zwischen den einzelnen Samen entsprechend einzustellen.   

Durch den genügenden Abstand der einzelnen Samenkörner bei der Aussaat kann die Ernte aus zwei Gründen erheblich vergrößert werden: zum einen entwickeln sich die Pflanzen wegen der optimalen Abstände besser und zum anderen können (wenn genügend Platz vorhanden ist) mit der gleichen Saatgutmenge zusätzlich mehr Meter ausgesät werden. Auf diese Weise ist es zum Beispiel bei guten Wachstumsbedingungen möglich, aus einer normalen Portion Spinatsamen über 4 kg zu ernten. Da ist schnell vergessen, dass die Aussaat nicht ruckzuck ging, sondern jedes Körnchen einzeln in die Reihe gelegt wurde und man dafür eine halbe Stunde vor dem Beet gekniet hat. Diese Zeit war dann aber eine wohlüberlegte und lohnende Investition in die Zukunft.   

Manfred Kotters