Heilsame Artischocken selbst anbauen

Wer seinem Körper etwas Gutes tun will, sollte zukünftig an den Anbau von Artischocken denken. Artischocken gehören biologisch gesehen zu den Distelgewächsen und sehen im Garten eher unscheinbar aus. Trotzdem taucht ihr Name immer wieder im Zusammenhang weiblicher Schönheit auf. So wurde die internationale Filmdiva und Sex-Symbol Marilyn Monroe zur ersten Distel-Königin des kalifornischen Ortes ‚Castroville‘, und auch dem Geheimrat Goethe wird eine Schwäche für Artischocken nachgesagt.   

Ihre äußere Form ist bizarr und wild und auf den ersten Blick würde niemand hinter der stachligen Fassade einen solch wertvollen Kern erwarten. Ihre wahre Ausstrahlung entfaltet die Artischocke erst in ihrer Blütezeit. Eine wundervolle Farbgebung und ihr schlanker, aufrechter Wuchs zeichnen sie aus. Erhält sie ideale Wuchs- und Standortbedingungen, dann kann sie drei bis vier Jahre hintereinander blühen und den heimischen Garten in ein wahres, exotisch anmutendes Paradies verwandeln.   

Die Artischocke ist weit mehr als nur eine Zierpflanze. Wer es schafft, das stachlige Edelgewächs in seinem Garten zu etablieren, der kann von der äußeren und der inneren Schönheit der Pflanze gleichermaßen profitieren. Ihre wertvollen Inhaltsstoffe gelten als cholesterinsenkend und entgiftend und haben eine stimulierende Wirkung auf den menschlichen Körper.    

Bei Berücksichtigung der Anforderungen kann sich das Auge des Betrachters für längere Zeit an einer Zierstaude erfreuen, die ihre imposanten, farbenfreudigen sowie distelähnlichen Blüten in den Himmel reckt und ideale Lebensbedingungen für viele kleine nützliche Insekten bietet. Um einen großen Ernteertrag zu erzielen, sollte die sonnenverwöhnte Pflanze ein Südhangbeet erhalten.   

Die Geschichte der Artischocke   

Die aus dem östlichen Mittelmeerraum stammende Artischocke gilt als eine der ältesten Kulturpflanzen. Gerade Italien und Frankreich gelten als Hauptanbauländer des Edelgewächses, doch auch in Marokko, Spanien, Ägypten oder der Türkei werden die Pflanzen auf den Märk­ten angeboten. Dort werden sie, wie anschließend weltweit, als Heilpflanzen und Delikatesse geschätzt. Wegen ihres unverwechselbaren würzigen Geschmacks ist die Artischocke besonders aus der französischen Küche nicht wegzudenken. Bereits 1540 hielt die Pflanze in Deutschland ihren Einzug und wurde bevorzugt in der Gegend um Nürnberg und Stuttgart angebaut. Heute ist die Artischocke in vielen Kleingärten zu Hause und wird von Hobbygärtnern und Pflanzenliebhabern vor allem wegen ihres dekorativen Aussehens geliebt und verehrt.   

Der antike Ursprung des Namens der Artischocke   

Laut Überlieferung soll sich Göttervater Zeus, in eine blonde Schönheit namens Cynara verguckt haben. Damit diese Zugang zum Olymp bekommen und er sich, in Abwesenheit von Gattin Hera, mit der jungen Frau vergnügen konnte, machte Zeus Cynara zu einer Göttin. Doch die blonde Schönheit war damit nicht einverstanden und floh stattdessen zurück in ihre Heimat.   

Aus Zorn über die Abfuhr soll der Götter­vater Cynara in eine Artischocke verwandelt haben, deren botanischer Name in heutiger Zeit ­Cynara scolymus oder Cynara cardunculus lautet.    

Artischocken sind gesund   

Das Distelgewächs wird besonders wegen seiner gesundheitlich wertvollen Nährwerte hochgeschätzt: Artischocken sind reich an Vitaminen A und B 12, sie enthalten zudem Vitamin C, Kalzium und Eisen, Kalium, Magnesium, Natrium und Phosphor. Zu den gesundheitlich wertvollen Inhaltsstoffen der Artischockenblätter gehört nicht zuletzt auch der darin enthaltene Bitterstoff Cynarin. Dieser zur Gruppe der Kaffeesäurederivate gehörende Stoff schützt die Leber, regt die Gallenaktivität an, senkt den Cholesterinspiegel, entgiftet den Körper und bringt den Stoffwechsel in Schwung. Artischocke verbessert das Wohlbefinden bei Übelkeit und Erbrechen, bei Problemen mit der Fettverdauung, bei ­Rheuma, Gicht, Arteriosklerose sowie Blasen- und ­Nierenschwäche.    

Die Heilwirkung   

Die Artischocke verschönert mit ihrer wunderschönen Blüte nicht nur jeden Garten, sondern gilt auch als Heilpflanze, deren Wirkstoffe sich positiv auf die Verdauung auswirken. Weiterhin sehen Gourmets der gehobenen Küche in der Pflanze eine absolute Delikatesse, denn sie bereichert den Speiseplan auf gesunde Weise und gibt durch ihr außergewöhnliches Äußeres jedem Menü einen Hauch von Exotik und Dekadenz. Ursprünglich beheimatet ist die Pflanze im Mittelmeerraum.    

Kurzer geschichtlicher Rückblick   

Die Artischocke ist keine Züchtung der Neuzeit oder eine neumodische Weiterentwicklung. Bereits 500 v. Chr. entdeckten die Ägypter die wohltuende und geschmackliche Wirkung der Pflanze und bauten diese vermehrt an. Über den See- und Handelsweg gelangte das Gewächs Anfang des 13. Jahrhunderts schließlich nach Italien und Spanien und von dort aus Anfang des 16. Jahrhunderts auch nach England und Frankreich. Die Franzosen sahen in dem Stachelgewächs eine ungemeine Bereicherung der französischen Gourmetküche und der Verzehr blieb vor allem den Edelleuten vorbehalten. Diese wollten damit ihren Status unterstreichen, denn eine Artischocke auf dem Speiseplan stand in ihren Augen für Reichtum und dekadente Lebensart. Bis heute kommen die vielfältigsten kreativen Rezepte rund um die Artischocke aus der französischen Küche.    

Artischocken selbst anbauen   

Wer sich für den Anbau von Artischocken im heimischen Garten entscheidet, der kann drei bis vier Jahre von der Pflanze profitieren, denn das Gewächs gilt als mehrjährig. Allerdings stellt die Pflanze auch einige Ansprüche an Pflege, Standort sowie Bodenbeschaffenheit.    

Artischocken lieben, infolge ihrer Herkunft, die Sonne. Aus diesem Grund bevorzugen sie im Garten einen sonnigen Standort. In eher sonnenarmen Gebieten kann der Standort durch ein Hügelbeet mit direkter Sonneneinstrahlung aufgewertet werden.   

Artischocken sind Tiefwurzler und benötigen einen tiefgründigen, nährstoffreichen Boden. Damit sie sich gut entwickeln, wollen sie einen vor Wind geschützten Standort.    

Artischocken auch sind Starkzehrer und ­haben folgende Vorlieben/Bedürfnisse:

  • Düngergaben von Kompost oder Stallmist.
  • Sie benötigen einen Windschutz.
  • Sie lieben tiefgründig gelockerte Böden.
  • Eine Keimtemperatur von 20 bis 25 Grad Celsius ist ideal.
  • Sie mögen keine Staunässe.
  • Sie bewältigen Trockenperioden gut.
  • Sie bevorzugen Hügelbeete oder Hochbeete.

Die Arten der Vermehrung     

Hobbygärtnern und Pflanzenliebhabern stehen zwei Möglichkeiten der Vermehrung zur Verfügung.    

Die Aussaat: Sie findet idealerweise Anfang Februar bis Mitte des Monats statt. Um die Pflanzen zu ziehen, werden drei bis vier Samen in kleine Töpfe mit guter Gartenerde eingebracht. Um den Keimvorgang zu beschleunigen empfiehlt es sich, die Samen vor der Aussaat in lauwarmes Wasser zu legen und ungefähr zwei bis drei Stunden quellen zu lassen.    

Vorzugsweise sollten die Pflanztöpfe auf einer sonnigen Fensterbank oder im warmen Wintergarten ihren Stellplatz finden. Bereits nach 2 bis 3 Wochen sind die ersten Keimlinge sichtbar. Zur Abhärtung können die Sprösslingen an sonnigen Tagen zeitweise eine kleine Frischluftkur erhalten. Wenn die letzten Fröste verschwunden sind, dürfen die kleinen Pflänzchen ins Freiland gesetzt werden. Für eine optimale Entfaltung benötigt die Artischocke jede Menge Platz, deshalb ist darauf zu achten, dass der Pflanzabstand mindestens 80×80 cm beträgt. Ab dem Monat April kann auch gleich ins Freiland gesät werden, allerdings erfolgt dann die Ernte und Blüte erst im Folgejahr.    

Eine Vermehrung durch Teilung: Bei dieser Vorgehensweise werden im Frühjahr mittels eines Messerschnittes kräftige, gesunde Pflanzen von der Hauptpflanze getrennt. Wichtig dabei ist, dass jedes abgetrennte Teilstück ein gut ausgeprägtes Wurzelsystem sowie 2 Triebe mit Blättern aufweist. Für einen optimalen Wuchs sollten die Blätter im oberen Viertel gekürzt werden. Danach wird der Trieb entsprechend der Pflanztiefe der Mutterpflanze in die Erde eingebracht und regelmäßig gegossen. Auch bei dieser Art der Vermehrung sollte der Pflanzabstand mindestens 80×80 cm betragen. Nach dem dritten bis vierten Standjahr ist wieder eine Teilung notwendig.    

Krankheiten und Schädlinge bei Artischocken   

Es sind vor allen Dingen die schwarzen Bohnenläuse und die Wühlmäuse die Artischocken und ihre fleischigen Blätter und Wurzeln lieben.    

Nach dem Fressen an den Blättern sondert die schwarze Bohnenlaus, die in Kolonien auftritt, ein Sekret ab, welches auf die Blätter tropft und diese dann mit schwarzem Rußtau markiert. Weil die Läuse an den Blättern ihre zahlreichen Eier ablegen, sind die Pflanzen schnell kraftlos und welk.    

Gegenmaßnahmen:

Als Soforthilfe wirkt oft ein scharfer Wasserstrahl mit dem Gartenschlauch. Ein besprühen mit einer Neutralseife bewirkt, dass die Blätter bitter und glatt werden, so dass sie den Läusen nicht mehr schmecken und die Tiere auf ihnen keinen Halt mehr haben. Manchmal ist ein Entfernen der Triebe, um die gesamte Pflanze zu retten, erforderlich.    

Gegen Wühlmäuse werden oft Katzen eingesetzt, weil sie die natürlichen Feinde der Wühlmäuse sind. Diese wandern ebenfalls schnell aus, wenn etwas schräg eingegrabene Flaschen, durch den darüber streichenden Wind, ein ständiges Geräusch abgeben. Auch Ultraschallsonden können Wühlmäuse erfolgreich in die Flucht schlagen.   

Wann und wie erfolgt die Ernte von Artischocken    

Geerntet werden kann ab dem zweiten Lebensjahr der Pflanze, vor ihrer Blüte, von Sommer bis weit in den Herbst hinein.    

Nach der Blüte ist der essbare Boden mit dem Aufblühen der Artischocke nicht mehr genießbar. Um die Erntezeit zu verlängern, werden die Blütenköpfe noch vor dem Auf­blühen vom Monat August an bis Mitte ­Oktober ­abgenommen.   

Der Einsatz von Artischocken ist vielfältig

Der Blütenboden sowie die fleischigen Hüllkelchblätter der Artischocke gelten bei Feinschmeckern auf der ganzen Welt als vorzügliche Delikatesse. Die Zubereitung der Blüten findet unter Verwendung von Salzwasser statt, welches mit Zitronensaft oder einem Schuss Essig versehen wird. In diesem Sud müssen die Blüten etwa 40 Minuten garen. Lassen sich die Blättchen ohne Widerstand herausziehen, dann ist die Artischocke verzehrbereit. Sie finden ebenfalls als Heilpflanze oder als edles Ziergewächs für Trocken­gestecke Verwendung.   

Überwinterung von Artischocken in Deutschland

Artischocken lieben Wärme und vertragen keine Temperaturen um den Gefrierpunkt. Um in unseren Breitengraden zu überwintern braucht sie einen Schutz. Bevor die ersten Fröste erwartet werden, müssen die Blätter der einzelnen Pflanzen zusammengebunden und der vorhandene Spross über dem Boden abgeschnitten werden. Fichtenreisig, Torf, Laub oder Erde, die sorgsam darüber gedeckt werden, bieten einen optimalen Schutz vor eisigen Frösten. Auch ein Tontopf, der zum Beispiel mit wärmender Holzwolle gut ausgepolstert und über die Pflanze gestülpt wird, kann in Kombination mit Laub einen idealen Winterschutz darstellen. Wichtig ist, dass bei frostfreiem Wetter die Pflanzen kurz wieder aufgedeckt werden, da die kalte Nässe den Pflanzen immensen Schaden zufügen kann. Leichte Frostgrade werden von älteren Pflanzen sehr gut vertragen. Wer bei der Überwinterung der Artischocke auf Nummer sicher gehen will, der kann die Pflanze samt Wurzeln aus der Erde nehmen und in einer Kiste im Keller in trockenen Sand einschlagen. Die Temperatur im Kellerbereich sollte dabei mindestens 15 Grad Celsius betragen.   

Monika Hermeling