Manchmal sollte man sich helfen lassen

Institute für Landwirtschaft unter­suchen auch Proben aus Hobbygärten    

Anfangs dachte ich, dass es an der Trockenheit liegen würde. Doch als auch in einem feuchten Sommer die reifen Holunderbeeren eintrockneten, als ob sie Korinthen wären, keimte bei mir der Verdacht, dass da etwas nicht stimmen würde. Außerdem beobachtete ich dieses Phänomen ebenfalls bei den Holunderbüschen in der freien Natur. Was war das nur? Meine Gartenbücher halfen mir nicht weiter, da Holunder dort als gesund und wenig krankheitsanfällig klassifiziert wurde. Die wenigen Probleme, die aufgeführt wurden, passten zudem in keiner Weise zu meinem Krankheitsbild. Im Internet wurde ich ebenfalls nicht fündig. Als ich bei einer Baumschule um Rat fragte, empfahl mir die Angestellte, meine kranken Früchte professionell untersuchen zu lassen, um dadurch zweifelsfrei die Ursache mitgeteilt zu bekommen: „Wir Menschen nehmen bei „Bauchschmerzen“ ja auch nicht irgendein Medikament, sondern lassen einen Arzt die Diagnose stellen, um gezielt bestimmte Medikamente einzusetzen oder Behandlungen vorzunehmen; und genauso sollte man es auch bei den Pflanzen halten.“ Das leuchtete mir ein. Nur – wer macht so etwas? Ein befreundeter Landwirt riet mir, mich an den Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer (LWK) (Gartenstraße 11, 50765 Köln-Auweiler; Tel.: 0221 5340-401; www.pflanzenschutzdienst.de) zu wenden. Dorthin kann man Pflanzen, die untersucht werden sollen, senden – auch wenn man nicht in NRW wohnt. Ich habe das Glück, dass in meiner Nähe, in Kleve, eine Einrichtung der LWK Nordrhein-Westfalen existiert. Also habe ich eine kranke Holundertraube in einem Beutel dort abgegeben.    

Auf der Seite der LWK gibt es außerdem eine Aufstellung der Probeannahmestellen, von ­denen es in NRW über 90 gibt. Wer in anderen Teilen von Deutschland lebt, kann unter dem Suchbegriff „Pflanzenschutzdienst“ mit Angabe des Bundeslandes im Internet seine zuständige Untersuchungsstelle finden; alternativ zu den Untersuchungsstellen der LWK gibt es auch privatwirtschaftliche Institute und Einrichtungen, die diese Laborarbeiten vornehmen. 

Durch den mit eingereichten Begleitbogen, den ich mir von der Seite der LWK heruntergeladen, ausgedruckt und ausgefüllt hatte, erhielt das Labor grundlegende, allgemeine Informationen über die Lebensumstände meines Holunders, von dem die zu untersuchende Probe stammte, wie zum Beispiel: „Wo ist sie gewachsen“ oder „Welche Maßnahmen hat man schon vorgenommen“. Aufgrund dieser Antworten kann das Labor grundlegende Schadensur­sachen wie Überdüngung, Wassermangel oder Spritzmittelschädigung von vornherein ausschließen oder berücksichtigen, so dass die Diagnose leichter gestellt werden kann. Knapp einen Monat später kam das Ergebnis: es war eine Pilzerkrankung und der Verursacher hatte den komplizierten Namen: Colletotrichum gloeosporioides. Für den Privatgarten gibt es dagegen leider kein zugelassenes Mittel. Da Pilzerkrankungen oftmals mit Feuchtigkeit zusammenhängen, habe ich den Holunder stark zurückgeschnitten, um den Luftaustausch zu verbessern und dadurch eine rasche Abtrocknung im Strauch zu fördern und den Pilzsporen das Keimen zu erschweren. Da die Krankheit leider recht hartnäckig war, habe ich mich nach einigen Versuchsjahren doch von dem Holunder verabschieden müssen. Ein in der Nähe wachsender Strauch mit roten Johannisbeeren zeigte zeitgleich das Phänomen, dass die Beeren, kurz nach der Vollreife von einem Tag auf den nächsten blassrosa wurden. Meine Befürchtung, dass sich der Pilz auch dort niedergelassen hatte, wurde mir bei einer erneuten Pflanzenuntersuchung bestätigt: Colletotrichum gloeosporioides hatte wieder zugeschlagen. Den Fachausdruck für das Aussehen der erkrankten Johannisbeeren erfuhr ich auch gleich: Mondscheinigkeit. Den Johannisbeerstrauch lichte ich seitdem gut aus und ernte sogleich den kompletten Fruchtbehang, wenn die Vollreife erreicht ist, um einem größeren Ausfall vorzubeugen. Mit dieser Methode komme ich ganz gut zurecht, obwohl ich es lieber gesehen hätte, den fruchtigen Nachtisch der Familie über einen längeren Zeitraum anbieten zu können.    

Ein anderes Mal bemerkte ich an meinen Pas­tinaken einige kleine bis mittelgroße braune Faulstellen. Meine Recherchen in Büchern und Internet waren wieder erfolglos. Überall stand zu lesen, dass bei Pastinaken, abgesehen von den Maden der Möhrenfliege, so gut wie keine Erkrankungen bekannt seien. Also habe ich wieder eine externe Hilfe in Anspruch genommen und eine Pastinake eingeschickt. Das Ergebnis war interessant: Es handelte sich nämlich nicht um eine Pastinakenkrankheit, sondern die Faulstellen waren eine so genannte Sekundärerkrankung. Das bedeutete: die Maden der Möhrenfliege hatten Gänge in die Rübe gefressen und in diesen Verletzungen hatten sich Fäulnispilze eingenistet, die das Schadbild verursacht hatten. Wenn ich also in Zukunft nicht nur die Möhren, sondern auch die Pastinaken mit Insektenschutznetzen überdache, treten diese braunen Stellen nicht mehr auf. Im Gegensatz zum Holunder konnte ich hier durch das Untersuchungsergebnis wirkungsvoll tätig werden und dadurch den Schaden in Zukunft vermeiden.   

Diese Untersuchungen haben mir zwar nicht in jedem Fall eine Lösung des Problems anbieten können, sie haben mir aber bestätigt, dass meine Bodenqualität in Ordnung ist und ich keinen Dünge- oder sonstigen Fehler gemacht hatte. Bei meinem Holunder war, wie es bei uns Menschen auch mal sein kann, einfach eine Krankheit aufgetreten. Zwar konnte ich in diesem Fall keine direkte Bekämpfung vornehmen, aber die professionelle Untersuchung hat verhindert, dass ich eventuell versucht gewesen wäre, zu denken: „so etwas Ähnliches hatte ich doch schon mal. Da hat doch das und das geholfen“ – und würde ein Mittel anwenden, ohne zu wissen, ob es das richtige wäre und ob es überhaupt helfen würde. Wenn keine Besserung eintreten würde, könnte ich es nach der Methode „viel hilft viel“ mit der doppelten Dosis probieren – natürlich auch wieder ohne Erfolg. Aber mit erheblichen Nachteilen: sowohl die betreffende Pflanze als auch sich in der Nähe befindliche Tiere und nicht zuletzt der Boden könnten gravierend Schaden nehmen. Deshalb entscheide ich mich mittlerweile bei unklaren Krankheitsbildern immer dazu, Hilfe von Profis in Anspruch zu nehmen, um gezielt handeln zu können. Das ist mir mein Garten wert.    

Diese von mir in Auftrag gegebenen Pflanzen­untersuchungen waren natürlich kosten­pflichtig: je rund 25 Euro. Die jeweiligen Kosten ­einer Pflanzenuntersuchung richten sich nach der Höhe des Untersuchungsaufwandes; sie übersteigen nach Angaben der LWK NRW im Privat­gartenbereich jedoch nur in Ausnahmefällen die 50 Euro-Marke. Wer genauer wissen möchte, welche Kosten auf ihn zukommen könnten, setzt sich am besten vor der Auftragsvergabe mit der Stelle in Verbindung, bei der man die Untersuchung in Auftrag geben möchte.    

Wer sich ohne fremde Hilfe bei kränkelnden Pflanzen selbst helfen möchte, kann auch professionelle Fachliteratur zu Rate ziehen, die ­allerdings oftmals für Laien schwer verständlich sein kann, oder alternativ – wir leben nun einmal im Zeitalter des Internets – sich eine App herunterladen, die verspricht, Krankheiten erkennen zu können. Bei beiden Methoden fehlt uns Hobbygärtner- und Gärtnerinnen allerdings das notwendige fachliche Hintergrundwissen, das in vielen Fällen vonnöten sein kann, um das Stadium der Erkrankung und die entsprechende Dosierung bei den anzuwendenden Mitteln exakt bestimmen zu können.   

Ein anderer Bereich der möglichen professionellen Zuhilfenahme Dritter betrifft die Boden­untersuchung. In meinem Fall wollte ich einfach nur ­wissen, wie viel Dünger sich in meinem Kompost befindet. Gelesen und gehört hatte ich viel darüber – aber was befindet sich nun tatsächlich in meinem „Gold des Gärtners“?    

Hierzu wandte ich mich an die LUFA der LWK NRW und gab die Probe ebenfalls wieder in ­Kleve ab. Der Prüfbericht meines gut zersetzten Kompostes zeigte erstaunliche Ergebnisse: die im Kompost enthaltenen Düngermengen lagen ein Vielfaches über dem, was ein normaler Gartenboden beinhalten sollte. Es ist also keine graue Theorie, dass Kompost ein wirksamer Dünger ist und man deshalb schon mit geringen Mengen einiges bewirken kann. Zu dem Prüfbericht erhielt ich noch eine „Düngeempfehlung für den Haus- und Kleingarten“, in der ich bei jedem Hauptdünger die im Prüfergebnis ausgewiesenen Mengen mit dem optimalen Wert vergleichen konnte. Es wurde auch erläutert, wie man auf eine Über- bzw. Unterversorgung des Bodens reagieren könnte – jeweils unterteilt in leichte und schwere Böden. Wer sich also nicht nur auf seinen grünen Daumen verlassen möchte, sondern auf wissenschaftlicher Grundlage informiert werden möchte, der sollte eine Probe seines Gartenbodens untersuchen lassen. Wie man dabei sinnvoll vorgehen sollte und wie die Proben zu den Untersuchungsstellen geschickt werden sollen, findet man z.B. für NRW unter LUFA NRW (www.landwirtschaftskammer.de/lufa/).    

Übrigens: Landwirte veranlassen in jedem Jahr eine Bodenprobe, um einerseits unnötige Düngekosten zu vermeiden und um andererseits genau zu erfahren, welche Nährstoffe dem Boden zugefügt werden sollten, um eine optimale Ernte einfahren zu können. Schließlich führt zu wenig Dünger zu Mangelerscheinungen sowie verminderter Ernte und Überdüngung dagegen zu vermeidbaren Mehrkosten und einer möglichen Belastung des Grundwassers. Dem überschüssigen Dünger ist es überdies völlig gleich, ob er aus landwirtschaftlichen Flächen oder aus Hausgärten – die übrigens wesentlich häufiger als die Ackerböden erheblich überdüngt sind – ins Grundwasser sickert. Jedes Zuviel schadet der Umwelt und sollte vermieden werden.    

Manfred Kotters