Sommerblumenzwiebeln

Dieser Begriff führt leider zu viel Verwirrung, weil er für den Endverbraucher zu ungenau ist. Das Einzige was an diesem Oberbegriff halbwegs richtig ist, bezieht sich auf einen kleinen Teil dieser Gewächse, die tatsächlich aus botanischer Sicht Zwiebeln sind, der Rest sind Knollen und Rhizome. Auch die Verfügbarkeit ist anders. Diese Sortimente sind fast überall – frühestens in den Gartenmärkten – erhältlich, wenn die Frühjahrssaison beginnt. Das große Sortiment der Sommerblumenzwiebeln blüht im allgemeinen sehr viel später als die Zwiebelgewächse, die bereits im Herbst gepflanzt wurden. Herbstblumenzwiebeln überwintern im Boden und kommen auch in den Folgejahren immer wieder, sofern sie richtig gepflegt wurden und nicht durch Umpflanzaktionen verloren gegangen sind, nicht richtig ausreifen konnten oder von Schädlingen und Krankheiten befallen wurden. Ferner besteht nach wie vor der Glaube, Sommerblumenzwiebeln kann und darf man nur im Sommer pflanzen und bevor es kalt wird müssen sie alle frostsicher im Keller überwintert werden.   

Nun muss man aber leider doch noch unter den Sommerblumenzwiebeln differenzieren. Wir unterscheiden zwischen solchen, die einmal gepflanzt werden und dann die Sommer/Winterperioden im Gartenboden überdauern und eben solchen, die tatsächlich später gepflanzt werden (nach den Eisheiligen) und dann vor den ersten Frühfrösten im Keller überwintert werden müssen (Dahlien, Knollenbegonien und Co). Innerhalb dieses Artikels befindet sich eine Liste der wichtigsten Arten wo die einzelnen Merkmale mit Symbolen hervorgehoben sind. Ich werde den Begriff Sommerblumenzwiebel trotzdem beibehalten.   

Dahlien, Gladiolen und Lilien fehlen in dieser Liste, weil sie nicht zu den Spezialitäten zählen. Sie gehören allerdings zu den wichtigsten „Sommerblumenzwiebeln“, denn es gibt sie in einer kaum überschaubaren Menge an Formen, Farben und Wuchshöhen.   

Botanische Bezeichnung

Deutsche Bezeichnung

Wuchshöhe

Blütezeit

Winterhärte

Anemone

Anemone

25

lV–lX

¤

Gladiolus

Gladiole

80–120

Vll–lX

T

Zantedeschia

Calla

80

Vll lX

T

Camassia

Leichtlins Prärielilie

60–80

Vll–lX

T

Canna

Indisches Blumenrohr

60–80

lV–V

T

Colocassia

Zehrwurz

80

Vl–Vll

T

Crocosmia

Monbretia

100

Vl–Vll

T

Curcuma

Gelbwurz

80

Xll–X

T

Eremurus

Steppenkerze

150

Vll–Vlll

T

Eucomis

Schopflilie

125

Vl–Vll

¤

Freesia hybrida

Freesia einfach/gefüllt

40

Vll–Vlll

¤

Galtonia

Kaphyazinthe

30

Vll–Vlll

¤

Gloriosa superba

Ruhmeskrone

Kletterpfl.

Vll–Vlll

¤

Homeria comptonii

Homerie

40–60

Vl–Vlll

T

Hymenocallis

Ismea

40–60

Vl–Vlll

¤

Invarvillea

Gartengloxinie

80

Vl–Vll

¤

Ixia

Kebschwertel

50

Vl– Vlll

¤

Begonia tuberosa

Knollenbegonien

40

Vl–Vlll

¤

Liatris spicata

Prachtscharte

80

Vl–X

T

Mirabilis

Wunderblume

70

Vll–lX

¤

Oxalis

Zierklee

40–50

Vll–X

¤

Ranunculus

Ranunkel

15

Xl–lX

¤

Sparaxis

Sparaxis

30

V–Vlll

¤

Sprekelia

Jakobslilie

25

Vl–Vll

¤

Tigridia

Tigerlilie

50–60

Vll–Vlll

T

Triteleia

Deutsche Schwertlilie

60

Vll–lX

¤

¤ kann im Boden verbleiben T  frostgefährdet


Warum pflanzt man ­Sommerblumenzwiebeln?   

Mit dieser Pflanzengruppe kann sehr schön gestaltet werden, allerdings sollte man schon genau wissen, wo man pflanzt. Dazu gehört unbedingt das Wissen über die Dauerhaftigkeit der Pflanzen an ihrem geplanten Standort, sowie der Blühzeitpunkt. Mindestens ebenso entscheidend ist die Wuchshöhe, denn es gibt sehr hoch wachsende Arten darunter. Mit diesen Pflanzen hat man die Möglichkeit bestimmte Gartenbereiche nur kurzfristig zu gestalten, aber auch andere bereits bepflanzte Stellen langfristig damit zu besetzen. Wer das geschickt anstellt und gut mit bereits bestehenden Pflanzen kombiniert, hat in seinem Garten eine Blütenpracht vom späteren Frühjahr bis in den Herbst.   

Zu den einzelnen in der Liste aufgeführten Arten gibt es unzählige Sorten. Bei Dahlien, Gladiolen oder Lilien führt das zu einer unüberschaubaren Sortenvielfalt, die sich in Farbe, Habitus und Wuchshöhe unterscheidet, als würde jede einzelne versuchen, die andere in Punkto Schönheit zu übertreffen. Wer nun Schwierigkeiten haben sollte, aus Einzelpflanzen ein farblich abgestimmtes Pflanzenbeet zu erstellen, das zudem noch nach Pflanzen-Wuchshöhen gegliedert ist, der kann auf ein Novum der Blumenzwiebelindustrie zurückgreifen. Diese bietet seit einigen Jahren Blumenzwiebelpakete an, die alle gartengestalterischen Merkmale und Ideen beinhalten. Das bezieht sich auf zusammenpassende Farben, gestaffelte Wuchshöhen, verschiedene Blattformen und passende Begleitpflanzen. Teilweise wird dabei auch auf unterschiedliche Blühtermine geachtet, so dass sich der Garten­besitzer über ausgedehnte, verlängerte Blühphasen in seinem Garten freuen kann. Derartige Pakete sind ein wenig teurer als einzeln verpackte Sommerblumenzwiebeln, beinhalten allerdings meistens einen kleinen Plan, nach dem man sich beim Pflanzen ­orientieren kann.    

Wie pflanzt man Sommerblumen­zwiebeln richtig?   

Wenn es im Frühjahr los geht mit dem Verkauf, dann liegen die Zwiebeln, Knollen, Rhizome und andere Staudenteile sorgfältig verpackt in kleinen PVC-Tüten, zumeist mit etwas Säge­mehl abgepuffert, in kleinen Kartons in den Verkaufsregalen. Mit ansteigenden Temperaturen beginnen die Pflanzen dann sehr schnell zu keimen und sprießen. Man sollte so früh wie möglich kaufen und notfalls bei sich zu Hause lagern. Die Neutriebe selbst sind sehr empfindlich und jegliche Verletzung durch Transport oder ungünstige Lagerung kann zu Wachstumsstörungen oder -verzögerungen führen. Auf den Kauf von eingetrockneter Ware oder mit Schimmel behafteten Pflanzenteilen sollten Sie besser verzichten. Achten Sie genau darauf, wie frostsicher die Arten sind! Dahlien und Begonien auf keinen Fall vor den Eisheiligen ins Freiland setzen, aber Sie können sie im Keller vortreiben, dann geht es später schneller weiter.   

Die meisten Sommerblumenzwiebeln benötigen einen hellen Standort. Nicht alle von ihnen sind direkte Sonnenanbeter aber voll bzw. halbschattig mögen es die wenigsten.   

Vor dem Pflanzen muss der Gartenboden gut aufgelockert und möglichst mit etwas Humus oder einem gebräuchlichen Bodenverbesserer aufgearbeitet werden. Staunässe und verfestigter Boden sind schlecht. Zum Zeitpunkt der Pflanzung ist keine Düngung notwendig, das ändert sich allerdings im Laufe der Kulturzeit. Sehr gut geeignet sind hierzu flüssige Volldünger, weil deren Dosierung recht einfach ist. Die Pflanztiefe für diese Gewächse hängt von der Größe ab. Bei kleinen Zwiebeln und Knollen gilt die Regel: doppelt so tief wie die Zwiebel oder Knolle dick ist. Größere Teile wie man sie von Dahlien oder Canna kennt (insbesondere wenn es sich um schon ältere Pflanzen handelt), bringt man mindesten 10–15 cm tief im Boden ein. Alles was gepflanzt wurde, muss dann – alleine wegen eines besseren Bodenschlußes – auch noch angegossen werden.   

An was sollte man noch denken?

Markieren Sie ihre Pflanzstellen deutlich mit einem kleinen Bambus oder Holzstab. Man kann sich die unterschiedlichen Stellen im Boden überhaupt nicht merken, und wenn Sie dann mit einem Spaten oder ähnlichem genau an dieser Stelle nachhacken, kann der Ärger groß sein.    

Kaum einer freut sich mehr zu diesem Zeitpunkt als die Schnecken, denn die Neuaustriebe von sehr vielen Pflanzen sind der wahre Leckerbissen. Sind die Neutriebe durch Schneckenfraß erst einmal geschädigt, führt das meist zu einem Totalausfall, zumindest aber zu einer verspäteten Blütenausbildung. Viele von diesen Pflanzen werden hoch, zum Teil auch recht mächtig und schwer. Denken Sie daher schon bald nach dem Austrieb daran, Befestigungsmaterial anzubringen. Hierzu möchte ich auf den Artikel im Februar verweisen.    

Pflegearbeiten

Die Pflegearbeiten für diese hochinteressante Pflanzengruppe sind sehr überschaubar. Außer gießen, düngen und Boden lockern sowie Unkraut jäten, wäre da nicht viel zu tun. Bei manchen Arten führt der Rückschnitt alter Blüten dazu, dass die Pflanzen schneller wieder nachblühen. Hat sich erst einmal Samen gebildet, beendet die Pflanze sonst häufig ihre Blühphase. Deshalb kann man durch diese Maßnahme die Blühphase verlängern. Das ist z.B. wichtig bei Dahlien. Die vielfältige und sehr beliebte Gruppe der Allium-Gewächse (wozu auch unsere Küchenzwiebel gehört) hat eine „Garten-optische“ Negativ-Erscheinung, indem ihre Blätter vergilben, wenn die Blüten sich anfangen zu öffnen. Dem kann man entgegenwirken, indem man die Pflanzen etwas verdeckt pflanzt und so die hässlichen Blätter nicht sieht. Ein sofortiges Abschneiden ist aus kulurtechnischen Gründen nicht zu empfehlen, denn die Zwiebeln aller Allium-Arten sind dann noch nicht fertig ausgereift.   

Einwinterung    

Im Spätherbst schneidet man all die Arten stark zurück, die im Boden verbleiben können. Das macht man am besten wenn die Pflanzen einzuziehen beginnen. Auch hierbei sollte man aber nicht vergessen, die Stellen zu markieren. Nur so kann man verhindern, dass die Zwiebeln und Knollen bei Pflegearbeiten im Frühjahr nicht versehentlich ausgehackt werden.   

Ganz anders werden die Zwiebeln, Knollen und Rhizome behandelt, die frostfrei überwintert werden müssen (Dahlien und alle Arten, die mit diesem Zeichen T versehen sind).

Man gräbt sie rechtzeitig vor einem Kälteeinbruch aus und befreit sie grob von anhaftenden Erdresten, ohne sie zu waschen. Sollten die Knollen beim Ausgraben an der einen oder anderen Stelle mit dem Spaten verletzt worden sein, entfernt man die Stellen mit einem scharfen Messer und stäubt die Schnittstelle mit Holzkohlenstaub ein. Manchmal lohnt es sich auch gleich, diese wegen ihrer Größe zu teilen. Zum Einlagern eignen sich einfache, gelöcherte Kunststoffkisten, die man meist gratis im Obst & Gemüsehandel bekommen kann. Diese stapelbaren Kistchen versieht man mit einer doppelten Lage Zeitungspapier auf dem Boden und legt die Pflanzenteile dann lose in die Kiste ein. Als Füllmaterial eignen sich am besten Sägespäne die man als kleine Pressballen in Tierfuttergeschäften kaufen kann. Die Sägespäne verhindern ein Austrocknen der Pflanzenteile und schützen diese perfekt bis zum kommenden Frühjahr. Als Lagerort eignet sich am besten ein ungeheizter, dunkler Raum.    

 Ihr Peter Hagen