Viel Wissen um die Obstblüte

Folgerungen für die Praxis 

Die Obstblüte ist eine große Sache mit einer Reihe bemerkenswerter Vorgänge in der Zeit von Anfang März bis fast Ende Juni, die einen noch interessanter als die anderen. Die Obstblütenzeit beginnt in der südlichen Pfalz mit Mandelbäumen, die 2021 die ersten Knospen am 5. März öffneten. Kirsch- und Pflaumenbäume blühen grob gerechnet ab Anfang bis Mitte April. Apfelbäume sind spät dran. Die allerletzten Apfelblüten öffneten sich 2021 am 17. Juni in Höhenlagen des Schwarzwaldes.   

Eine Obstbaumblüte besteht aus Blütenblättern, männlichen Staubgefäßen mit Staubfaden und Staubbeutel und dem weiblichen Stempel, bestehend aus Narbe, Griffel und Fruchtknoten. In den Staubbeuteln wird Blütenstaub, Pollen, produziert mit mikroskopisch kleinen, männlichen Geschlechtszellen, gewöhnlich in hoher Zahl, damit bestimmt wenigstens ein Pollenkorn auf die Narben des Grifffels gelangt und die Blüte bestäubt. Das Pollenkorn treibt einen Pollenschlauch durch den Griffel bis zum Fruchtknoten, wo die männliche Samenzelle mit der dort vorhandenen Eizelle verschmilzt, damit Befruchtung erfolgt und ein Apfel wachsen kann.   

Hilfe bei der Bestäubung von Obstblüten leisten allerlei Insekten, vorrangig Bienen. Von großem Nutzen ist, dass Bienen blütenstet sind. Das ist umso wichtiger, als eine ganze Reihe von Obstarten auf Fremdbefruchtung angewiesen sind, brauchen Pollen anderer Sorten. Selbstunfruchtbare Obstarten sind grundsätzlich alle Apfel- und Birnensorten, bis vor einigen Jahren Süßkirschen, bei denen mittlerweile selbstfruchtbare Sorten gezüchteten wurden. Bei Äpfeln gibt es gute und schlechte Pollenspender, was ebenfalls zu beachten ist. Ein schlechter Pollenspender ist ‘Boskoop‘, so dass mitunter trotz Vorhandensein zweier Sorten Fruchtbildung ausbleibt. Recht kompliziert ist auch die Sache bei manchen Süßkirschen mit so genannter Intersterilität, wenn zwei bestimmte Sorten sich nicht befruchten können, deswegen eine dritte hinzukommen muss. Bei Pflaumen und Sauerkirschen gibt es sowohl selbstfruchtbare wie selbstunfruchtbare Sorten. Man muss also bei der Sortenwahl sehr aufpassen, es sei denn der Garten befindet sich in einer Gegend mit reichhaltigem Obstanbau, der garantiert, dass schon jeweils passende Sorten dabei sind.    

Beerenobstarten sind meist selbstfruchtbar, fruchten jedoch mit dem Pollen einer zweiten Sorte besser. Total unfruchtbar unter sonst selbstfruchtbaren Erdbeeren ist die alte, beliebte, da sehr aromatische Erdbeersorte ‚Mieze Schindler‘. Sie braucht eine Befruchtersorte. Achtung bei zweihäusigen Obstsorten! Wer Kiwis ernten will, braucht für großfrüchtige Sorten sowohl männliche wie weibliche Pflanze, bei Sanddorn zu mehreren weiblichen Exemplaren ein männliches.    

Ilse Jaehner