Eigenes Saatgut von der ­Paradiesvogelblume

Ein Versuch mit Strelitzia reginae

Es gibt bestimmt etliche Leser*innen, die eine oder mehrere Strelitzien oder Paradiesvogel­blumen ihr Eigen nennen. Denn bei entsprechender Pflege können diese auch recht alt werden. Und es darf ruhig gesagt werden, denn die Blüten sind etwas ganz besonders. Zumal sie auch dann erscheinen, wenn unsere heimischen Pflanzen noch nicht viel zu bieten haben.   

Strelitzien wachsen recht langsam und kommen aus Saatgut vermehrt erst nach einigen Jahren zur Blüte. Etwas schneller geht dies bei gekauften und eventuell schon blühenden Pflanzen. Doch hier muss zuweilen tief in die Tasche gegriffen werden, was nachvollziehbar ist.    

Wer eine (oder besser zwei) blühende Pflanze besitzt, kann versuchen, die Blüten selbst zu bestäuben. Es ist nur ein Zahnstocher, eine Pinzette oder ein kleiner Pinsel notwendig, um es den Nektarvögeln des heimatlichen Standortes gleich zu tun.   

Der Blütenstand besitzt ein kahnförmiges, grünes, oft rot bis blauviolett überlaufenes Tragblatt, aus dem im Verlauf des Blühvorgangs die Blüten von der Basis zur Spitze hin hervortreten. Die Einzelblüten setzen sich aus drei äußeren schmal lanzettlichen, orangefarbenen Blütenblättern und einem umgebildeten, metallisch blau schillernden inneren Blütenblatt zusammen, das pfeilförmig aus der Blüte hervorragt. Strengenommen sind es zwei Blütenblätter, die aber den Eindruck erwecken, dass es sich nur um ein einzelnes handelt. Wie dem auch sei, doch ist es Letzteres, das alles für eine Bestäubung Notwendige bereit hält. Die blauen Blütenblätter sind an der Basis verbreitet. Und hier müssen wir auch ansetzen, wollen wir den Blütenstaub erhalten. Die breiten Enden lassen sich zwischen Daumen und Zeigefinger genommen etwas öffnen. Auch ein leichtes Abbeugen der Spitze erlaubt dasselbe. Und schon werden auch die Staubblätter mit den Pollenkörnen als weiße, pulvrige Masse erkennbar. Und diese lässt sich mit den erwähnten Utensilien aufnehmen. Bei eigenen Versuchen hatte sich ein Zahnstocher bewährt. Das aufgenommene Pollenmaterial wird auf die Spitze der blaugefärbten Blütenblätter aufgetragen. Wer größere Mengen Saatgut ernten will, kann den beschriebenen Vorgang viermal wiederholen. War die Bestäubung erfolgreich, entwickeln sich an der Basis der Blütenblätten die Früchte, was zunächst als Verdickung zu erkennen ist. Die Entwicklung der Früchte und enthaltenen Samen kann wenigstens sechs Monate dauern. Hier ist Geduld angebracht. Wir müssen auch so lange warten, bis sich die mit zunehmender Reife verhärtenden Früchte von selbst öffnen. Keinesfalls sollten die Früchte ungeöffnet abgenommen werden, da sonst eine Ausreife der Samen nicht sichergestellt ist. Pro Frucht kann mit etwa 40 Samen gerechnet werden. Das ist etwas variabel, und hier dürfte auch die Nährstoffversorgung ein große Rolle spielen. In der Regel enthalten die zeitlich später angelegten Früchte mehr Samen. Sollten Sie zwei Strelitzien pflegen, die zeitlich gleich zur Blüte kommen, dann drängt sich dieses kleine Experiment auf.  

Thomas Bay