Der Torf wird knapp

Wie gelingt Gärtnern ohne Hochmoortorf?  

Seit dem 2. Weltkrieg wird Hochmoortorf in Deutschland, nach einer Umfrage des BUND, hauptsächlich in Großgärtnereien und im Kleingarten als Bodenlockerung genutzt. In Norddeutschland, wo das Land oft bis in den April hinein viel zu nass ist, macht er einen früheren Anbau im Freiland möglich.   

Der jährliche Verbrauch von Torf zur Energiegewinnung und für den Gartenbau in Deutschland beträgt, wie das Statistische Bundesamt bekanntgibt, rund gerechnet zehn Millionen Kubikmeter. Der Bedarf kann bundesweit durch die 90 Betriebe nicht gedeckt werden. Momentan wird der Torf zu 40 Prozent aus der noch intakten Moorlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern entnommen. Die notwendig gewordenen Importe aus dem Ausland stammen überwiegend aus dem Estland und aus Lettland. Bedenklich ist: Von den ehemals 9.000 Quadratkilometern Naturmoor in Deutschland sind nur noch etwa 600 Quadratkilometer erhalten geblieben. Für Tiere und Pflanzen, die sich bevorzugt in Mooren ansiedeln, wird, weil der großflächige Torfabbau ihre Lebensräume zerstört, der Lebensraum knapp. Naturschützer befürchten, dass das globale Umweltdenken Firmen nicht daran hindern wird, Torf zu verkaufen.   

Ist Hochmoortorf für den Garten notwendig?   

Torf ist bei Gärtnern beliebt, weil er wenig wiegt und Wasser gut speichert. Er hat ein großes Luftporenvolumen und ist darum kurzfristig ein guter Bodenlockerer. Allerdings hat Torf selbst wenig Nährstoffe. Für Pflanzen kann es problematisch sein, im reinen Torfbett zu stehen. Sie müssen dann besonders häufig gegossen werden, denn wenn der Torf einmal trocken ist, ist es sehr schwierig ihn wieder zu beleben.   

Alternativen zu Torf   

„Von der Zerstörung der Moore profitiert die Torf-Industrie, nicht der Garten. Gute Blumen­erde muss keinen Torf enthalten. Viele Pflanzen wachsen weitaus besser in torffreier Erde“, meint ein Sprecher des BUND-Ortsverbandes Arnsberg/Sauerland. Um nach der Reduzierung des Hochmoor-Torf­abbaus weiter exis­tieren zu können, sind die Torf abbauenden Betriebe, Großgärtnereien, ebenso wie die umweltbewußten Verbraucher, daran interessiert zu erfahren, ob und welcher Rohstoff ein passender Torfersatz sein kann.    

Das Kultursubstrat   

Da Torf ein Vielfaches seines Eigengewichtes an Wasser speichern kann, wird er mit Kalk neutralisiert, mit Nährsalzen und weiteren Zuschlagstoffen wie Ton oder Sand aufgemischt und so zum Kultursubstrat. 

Vorteil: Einige Pflanzen wie Azaleen benötigen einen sauren Boden und so dient die Beimischung von Torf üblicherweise auch zur präzisen Regelung des Säurehaushaltes des Bodens.

Nachteil: Kein wirklicher Ersatz von Torf.


Erfahrungen mit Holzfasern:  

Vorteile: 

Sie werden von den Pflanzen und den Maschinen gut vertragen.

Sie fallen oft ortsnah als Abfall­produkt an.

Sie sind kostengünstig.

Sie sind biologisch abbaubar.

Sie haben eine gute Struktur und einen pH-Wert zwischen 4 und 6. 

Sie begünstigen eine gute Durchwurzelung der Pflanzen und optimalen Luftaustausch.

Gurken und Rosen und alle Pflanzen, die einen hohen Sauerstoffbedarf haben, gedeihen auf Holzfasern besonders gut.

Nachteile:

Sie halten Wasser nur im geringen Maß. 

Ihnen wird oft Stickstoff zugefügt.


Kokosfasern sind eine­ ­Herausforderung   

Vorteile:

Kokosfasern haben einen pH-Wert ­zwischen 6 bis 7

Sie lockern den Boden gut 

Sie quellen, wenn sie mit Flüssigkeit in Berührung kommen, auf die achtfache Größe

Nachteile:

Langfaserige Sorten verwickeln sich leicht in Geräten und in den Maschinen

In einigen Kokosfaserprodukten wurden vermehrt Pestizidrückstände gefunden 

Sie verrotten langsam

Da sie als Ballast in Schiffen mitfahren, können in ihren Fasern große Salzrückstände gespeichert sein. ( Auf einen hohen Salzgehalt reagieren Begonien, Farne, Fuchsien, Kamelien und Usambaraveilchen negativ. )


Ist Kompost als Torfersatz denkbar?   

Vorteile:

Preisgünstig

Jederzeit verfügbar

Wenn optimal aufgesetzt: nährstoffreich

Nachteile: 

Meist zu wenig Wissen über die Kompostwirtschaft vorhanden.

Kann Ratten/Mäusen Unterschlupf bieten

Evtl. ein Ärgernis für die Gartennachbarn


Rindenhumus – nicht für alle ­Pflanzen bekömmlich   

Vorteile:

Er verbessert die Struktur des Bodens   

Er hat einen pH-Wert von 6 bis 7    

Er bleibt auch dann lange erhalten, wenn das Gießwasser viel Kalk enthält   

Er speichert Wasser sehr gut   

Nachteile:   

Um ohne Nachteile verwendet zu werden, muss er kompostiert werden   

Er ist für Hortensien, Rosen und das ­meis­te Gemüse wenig vorteilhaft   

Der Boden wird durch Baumharze steril (Vorteil bei Eindämmung von Beikräutern)   


Reisspelzen und Flachsscheiben belüften den Boden gut   

Vorteile: Lehmhaltiger Boden wird besser durchlüftet  

Nachteile: Bisher liegen keine aussagekräftigen Ergebnisse vor  


Fachleute reagieren auf Alternativ­angebote zu Torf skeptisch   

Nach Meinung von Fachleuten kann Torf im Garten- und Landschaftsbau nicht von heute auf morgen ersetzt werden. Die Jungpflanzen und ihre empfindlichen Wurzeln lieben eine lockere, mit Torf angereicherte Bodensubstanz. Denkbar als Alternative zum Torf sei für sie langfristig auf andere Anbaumethoden, zum Beispiel Grünsaat Senf/Lupinen und Mulchen (Bodendecke aus Stroh, kleinen Ästen, Zweigen, Blättern und abgelagertem Grasschnitt), umzusteigen. Biogärtner und Landwirte säen diese im Herbst ein, um den Boden besser mit Stickstoff zu versorgen und auf andere Art eine Bodenlockerung zu erreichen. Sie geben zu bedenken, dass Grünreststoffe, die zu Kompost werden, knapp und teuer geworden sind, weil sie zunehmend zur Erzeugung von Energie genutzt würden. Der Substrat­in­dus­trie stünden sie damit nicht mehr in vollem Umfang zur Verfügung.    


Fachleute und Politik ergründen die beste Alternative zu Torf    

Klasmann-Deilmann wünscht sich einen Runden Tisch, an dem Politiker und NGOs sowie Torfindustrie und Gartenbauverbände zusammenarbeiten. „Bisher haben wir in der Politik keinen Ansprechpartner“, sagt Carl-Gerrit Deilmann. Doch das könnte sich bald ändern: „Wir laden das Unternehmen zusammen mit weiteren Interessenvertretern aus dem Bereich der Torf verarbeitenden Industrie zu einem Fachgespräch ein“, sagt der stellvertretende Referatsleiter Loeb.     


Der Forschungsverbund ToPGa nimmt Arbeit auf   

Der Forschungsverbund zur Entwicklung und Bewertung von torfreduzierten Produktionssystemen im Gartenbau, kurz ToPGa, hat seine Arbeit aufgenommen. In dem vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) geförderten Verbundprojekt bündeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus sieben Institutionen ihre Kompetenzen. Ziel ist es, den Sparten des Gartenbaus fachliche ­Lösungen anzubieten, um den ökologisch dringenden Umstieg auf torfreduzierte und torffreie Substrate zu erleichtern. Das Julius Kühn-Institut (JKI) koordiniert das Verbundvorhaben ToPGa. „Indem verschiedene Problemfelder des Einsatzes torfreduzierter Substrate bearbeitet und im gegenseitigen Informationsaustausch fachübergreifende, aufeinander aufbauende Lösungsansätze entwickelt werden, hoffen wir, mit ToPGa zur Verringerung des Torfeinsatzes in allen Sparten des Gartenbaus beitragen zu können“, sagt Dr. Annmarie-Deetja Rohr, Koordinatorin am JKI.             

Monika Hermeling