Aussaat nach dem Mondstand

Bei der Frage, ob die Stellung des Mondes sowie der Sterne zum Zeitpunkt der Aussaat einen Einfluss auf das spätere Wachstum der Pflanzen hat, sind die Meinungen in der gärtnerischen Zunft unterschiedlich: die einen bezeichnen es schlichtweg als Humbug, während die anderen von Qualitätsverbesserung der Kulturen sprechen. Aber immer mehr Gärtner greifen erst dann zur Samentüte, wenn der Mondstand günstig ist, damit die Aussaat unter optimalen Bedingungen keimt und wächst. Bevor man über dieses Anbauprinzip urteilt, sollte seine Beziehung zu den anderen Wachstumsfaktoren geklärt sein. Unbestritten sind für den Ernteerfolg ein ausreichender Niederschlag, ein günstiges Klima sowie der Humus- und Nährstoffzustand des Bodens, die Düngung, die Qualität des Saat- und Pflanzgutes und die Pflege der Kulturen in erster Linie entscheidend. Erst danach haben die Aussaattage die Bedeutung eines Tüpfelchens auf dem i, und sie sollten von Kritikern und Befürwortern nicht in ihrer Wertung überstrapaziert werden.  
Die Nutzung bestimmter Aussaattage geht auf Rudolf Steiner zurück, der die biologisch-dynamische Landwirtschaftsweise entwickelte. Die Berücksichtigung kosmischer Einflüsse bei dieser Anbauweise stößt am stärksten auf Unverständnis bei vielen Naturwissenschaftlern. Dabei ist der Einfluss des Mondes auf die Erde fast jedem durch Ebbe und Flut vertraut. Weniger bekannt ist, dass sich selbst die Kontinente zweimal am Tag um gut 20 cm heben. Wetterkundler berichten über den Zusammenhang der Regenhäufigkeit bei Voll- bzw. Neumond, und zahlreiche Bauernregeln beziehen sich auf den Mondrhytmus. Die Aussaattage richten sich nicht nach der Belichtungsphase des Mondes, sondern nach seinem Bogengang, dem siderischen Mondrhytmus. Die Veränderung des Bogenganges ist uns von der Sonne vertrauter. Im Sommer erleben wir höhere, längere Bögen mit intensiver Sonneneinstrahlung und hohem Sonnenstand und im Winter flache, kurze Bögen. Beim siderischen Mondrhytmus durchläuft der Mond in 27 Tagen und sieben Stunden einen Bogengang, der in Tierkreiszeichen aufgegliedert ist.   
Die einzelnen Sternbilder, vor denen der Mond steht, beeinflussen nach Meinung der Befürworter das Wachstum unterschiedlicher Pflanzenausbildungen (Wurzel, Blatt, Blüte, Frucht). Ziel der speziellen Aussaattage ist es, Gemüse, Getreide, Kräuter, Blumen oder Obst an güns­tigen Tagen auszusäen bzw. umzupflanzen oder zu pflegen. Kohl, Kohlrabi, Salat, Spinat, Porree und viele Kräuter werden z.B. an Blatttagen ausgesät, Möhren, Radieschen, Sellerie, Schwarzwurzeln und Kartoffeln an Wurzeltagen, Blumen an Blütentagen sowie Bohnen, Gurken, Kürbis, Tomaten und Getreide an Fruchttagen.   
Zahlreiche langjährige Versuche mit Radieschen, Zwiebeln, Kohl und Kartoffeln, die an günstigen und ungünstigen Terminen ausgesät wurden, führten zu verblüffenden Ergebnissen. Grund genug, auch einmal im eigenen Garten zu experimentieren. Die genauen Aussaattermine entnimmt man speziell dafür entwickelten Kalendern, die im Buchhandel erhältlich­ sind.          

Peter Busch