Jostabeere hat zwei Eltern

Eine interessante Obstart?    
Sie ist zwar schon rund hundert Jahre alt, aber immer noch ziemlich rätselhaft. Wenn man Gartenbesitzer nach ihr fragt, kennt sie kaum einer  und die, die sie kennen, kennen sie meist nicht wirklich richtig. Das rätselhafte Wesen heißt Jostabeere, ist eine Obstart, hervorgegangen aus der Kreuzung von Schwarzer Johannisbeere und Stachelbeere. Daher auch der Name aus Johannisbeere und Stachelbeere, botanisch Ribes x nidigrolaria. Jostabeere hält, was die Größe der Früchte sowie deren Geschmack betrifft, ziemlich die Mitte zwischen beiden Eltern als geglückte Kombination. Die glatthäutigen, haarlosen, purpurschwarzen Früchte gleichen kleineren Stachelbeeren. Vorteilhaft fehlt sowohl das mitunter recht herbe Aroma Schwarzer Johannisbeeren wie die betonte Säure von Stachelbeeren. Die Früchte sitzen nicht einzeln wie bei Stachelbeeren und auch nicht in langen Trauben wie bei Johannisbeeren, sondern hängen meist zu viert oder fünft kurztraubig zusammen. Man kann sie im Juli lange am Strauch reifen lassen, ohne dass sie rieseln wie es Schwarze Johannisbeeren leicht tun. Sie haben dann beim Naschen ein wirklich köstliches Aroma, das sich auch in Saft, Marmelade, Gelee wiederfindet.    
Warum ist diese Obstart trotz so willkommener Eigenschaften derart selten in den Gärten? Weil man sie zu nehmen wissen muss. Zunächst ist festzuhalten, dass Jostabeere im Vergleich zu anderen Beerenobstarten starkwüchsig ist. Die Sträucher werden mindestens 2 m hoch und breit, meist größer. Damit rechnen Gartenbesitzer nicht, da sie sich an gewöhnlichen Johannisbeer- oder Stachelbeersträuchern orientieren. Sie pflanzen daher zu eng mit dem Ergebnis, dass sich die Dinge im Raum stoßen und die Sträucher passend geschnitten werden. Das ist schlecht, denn damit wird ein Großteil der fruchtbaren Triebe weggeschnitten, zumal die Blüten sich an mehrjährigem Holz entwickeln. Man muss Jostabeere ziemlich wachsen lassen und eher auslichten, wenn es einmal nötig wird, als viel schneiden. Schnitt und Ernte gehen erfreulicherweise ohne Schmerzen vonstatten, denn Josta ist dornenlos. Ein weiteres Plus.    
Ein anderer wichtiger Anlass für Fehlschläge sind die Blüten von Josta, weil sie frostempfindlich sind wie im Grunde die Blüten aller frühblühenden Beerenobstarten, die zu oft dort gepflanzt werden, wo sie nicht sicher vor Spätfrösten sind. An sich ist der Jostastrauch hart, verträgt ausreichend Winterfrost, muss trotzdem wegen der frühen Blüte und deren Empfindlichkeit ausreichend geschützt stehen. Im Übrigen ist Josta selbstfruchtbar, kann also als Einzelstrauch gepflanzt werden. Da Josta weitgehend von den üblichen Beerenobstkrankheiten verschont bleibt, ist das ein weiterer Grund, auszuprobieren.   

 llse Jaehner