Unverwüstliche Walzenwolfsmilch

400 Jahre alt und immer noch neu     
Wer auf den Balearen urlaubt, begegnet ihr mitunter auf Schritt und Tritt, der Walzenwolfsmilch, die seit 1570 als Zierpflanze schon lange in Kultur ist. Wieso kennen sie trotzdem so wenige Gartenbesitzer, zumal sie schön und brauchbar ist. Diese Pflanze hat etwas Exotisches an sich. Vielleicht trauen sich deswegen manche nicht an sie heran. So was überlebt doch nicht bei uns, so was will doch viel Sonne und Wärme, meint man. Jedoch mit Donnerwurz und Mauerpfeffer geht es doch auch, und Walzenwolfsmilch hat einiges gemeinsam mit diesen Pflanzen.     
Sie ist sukkulent mit dicklichen, silberblauen Blättern, die sich dachziegelartig dicht und sehr akkurat walzenförmig um auf der Erde liegende Stängel ordnen und der Pflanze den Namen gaben. Botanisch heißt sie Euphorbia myrsinites, ist also ein Wolfsmilchgewächs mit dem typischen weißen Saft, der aus Stängelwunden fließt. Die Stängelblätter signalisieren: ich will Wärme und Sonne, kann gar nicht genug davon kriegen. Im Übrigen bin ich ausdauernd, schmücke daher auch im Winter. Lange bevor Donnerwurz- und Mauerpfefferarten ans Blühen denken, macht sich Walzenwolfsmilch auf und entwickelt an den Triebspitzen umfangreiche Blütenstände, die sich gelbgolden anmelden, wird es im Frühling früh sonnig-warm schon ab April.    Allmählich dehnt sich der Blütenstand mit vielen kleinen Blütchen weiter aus, hält lange bis in den Mai, zeigt den interessanten Blütenaufbau von Wolfsmilchgewächsen, vergeht nach kugeligem Fruchtansatz fast unbemerkt. Walzenwolfsmilch sät sich selbst aus, nicht in großen Mengen, aber doch so, dass sich die Art erhält, vor allem wenn Samenkörner zwischen Steine oder in Pflasterritzen fallen. Dann bemerkt man den Nachwuchs oft erst, wenn er schon einige Zentimeter groß ist und mit tiefer Pfahlwurzel fast unverrückbar festsitzt.   
Diese Fähigkeit kommt Walzenwolfsmilch an allen möglichen exponierten Standorten zugute, wo es sonnig und vergleichsweise trocken ist. Im Steingarten, in Trockenmauern, in sonnenreichen Gartenhöfen, in Troggärten, Blumenkästen, Schalen, im Bereich von Dachgärten und Grabstätten. Überall ist sie erfreulich langlebig, wenn der Untergrund nur absolut durchlässig ist, so dass selbst ein ergiebigerer Regen nicht schadet. Selbst härtere Winter übersteht Walzenwolfsmilch, besonders jene Exemplare, die zwischen Steinen tief wurzeln. Sie frieren eventuell etwas zurück, erholen sich jedoch wieder. Walzenwolfsmilch passt prima zu Donnerwurz verschiedenster Sorten und Mauerpfeffer, ferner zu kleinen Gräsern und Disteln. Breitet sie sich mal zu sehr aus, entfernt man einige der längsten Triebe, die 20-30 cm lang werden können, und beschränkt die Pflanze wieder auf ihr ursprüngliches Territorium. Weitere Pflegemaßnahmen sind unnötig.               

 
Ilse Jaehner