Kiwibeeren im Garten pflanzen und ernten

Immer mehr Verbraucher, besonders wenn sie einen Garten haben, interessieren sich dafür, ob sie kosten- und umweltschohnend Obst und Gemüse, das Sie gerne essen, im eigenen Garten anbauen können.
Bei Kiwifrüchten ist das gelungen. Die Vitamin C-reichen Früchte sind oft winterhart und gedeihen als Strauch oder Hecke hierzulande in Weinanbaugegenden mit sehr milden Wintern, auf dem Balkon oder der Terrasse in Kübeln. Denn diese können bei sinkenden Temperaturen an einen frostsicheren Ort ­gebracht werden.     
Wenn von Kiwis die Rede ist, denken wir meist an die großen, grünen behaarten Früchte oder an ihre Verwandten mit glatter Schale und dem gelblichem Fruchtfleisch. Für die Kultivierung in unseren Breiten sind diese Sorten nur bedingt geeignet, denn milde Winter sind eine Voraussetzung, dass die Pflanzen die kalte Jahreszeit überstehen. Weit als robuster erweisen sich die kleinen Kiwibeeren. Sie trotzen selbst strengen Frösten und der Anbau wird mit einer reichen Ernte der kleinen Vitaminbomben belohnt.    
Besonders Gärtner mit Kindern oder Enkeln ­suchen oft nach Früchten, die gleich vom Strauch weg verputzt werden können. Hier kommt die Kiwibeere ins Gespräch.    
Reife Kiwibeeren können als Obst gleich vom Strauch weggegessen oder zu Marmelade, Kompott oder Saft verarbeitet werden.   
Kiwibeeren werden auch Mini-Kiwis genannt. Wie die großen Kiwis zählen sie zur Familie der Strahlengriffelgewächse (Actinidiaceae). Schon das Aussehen zeigt, dass sie mit der Kiwi (Actinidia deliciosa), obwohl Kiwibeeren nicht behaart sind, verwandt sind. Das Fruchtfleisch und der Geschmack lassen ebenfalls auf die gleiche Pflanzenfamilie schließen. Sie sind im reifen Zustand etwa so groß wie eine große Stachelbeere oder kleine Pflaume, haben aber eine glatte Oberfläche. Sie sind frostfester als Kiwis und widerstandsfähiger gegen Krankheiten. Je nach Sorte überleben Kiwibeeren Fröste bis zu –35 °C und lassen sich darum in ganz Deutschland kultivieren.      

Wie sehen Kiwibeerenpflanzen aus?      
Da Kiwibeeren schlingende Klettersträucher sind, bilden sie lange dünne Triebe. Mit diesen können sie bis zu 6 m in die Höhe ranken. Ihre glatte Rinde ist graubraun und an älteren Trieben mit großen, weißen Lentizellen besetzt.   
Fast alle Sorten sind zweihäusig – eine Pflanze trägt also entweder männliche oder weibliche Blüten. Diese öffnen sich im Juni, sind meist cremeweiß und in Scheindolden in den Blatt­achseln angeordnet.   

Welche Sorten gibt es?    

Kiwibeeren sind ursprünglich aus Ostasien. Je nach Ursprungsart haben die Früchte eine grüne, gelbgrüne, hell- oder dunkelrote, glatte und essbare Schale.      
Einige Sorten eignen sich besonders für den Anbau im eigenen Garten, weil sie eine kompakte Wuchsform besitzen und bereits im zweiten Jahr nach der Pflanzung die ersten Früchte geerntet werden können.     
Am häufigsten ist hierzulande die Mini-Kiwi-Sorte ‚Weiki‘ zu finden. Sie ist wie viele andere frost­harte Sorten die Zuchtform einer Wildart.    
Auch die ‚Issai‘ ist zusätzlich darum beliebt, weil sie besonders für den kleinen Obstgarten geeignet ist. Sie ist die einzige Sorte die sich selbstbefruchtet.    

Geeignet erscheinen auch folgende Sorten:

  • ‚Jassei‘
  • ‚Cinderella‘
  • ‚Julia‘
  • ‚Nostino‘ ist eine männliche Pflanze und ist gut als Befruchter der weiblichen Kiwibeeren geeignet. Selbstfruchtbare Arten gewinnen durch die Fremdbefruchtung durch ‚Nostino‘ an Ertrag und Fruchtgröße. Die ­Blüten erscheinen im Mai.
  • ‚Maki‘ ist eine weibliche Pflanze mit besonders aromatischen Früchten. Die ersten Früchte können dabei im zweiten Jahr nach der Pflanzung geerntet werden.
  • Bei der Sorte ‚Kens Red‘ ist die rote Schale und das ebenfalls rote Fruchtfleisch auffällig. Wenn die Pflanze ausreichend Sonne und Nährstoffe bekommt, erhalten die Früchte eine beinahe violette Färbung.


Der richtige Standort für die Kiwibeere    
Damit die Kiwibeeren gute und reichliche Früchte ausbilden ist es wichtig, ihre Ansprüche an Boden möglichst optimal zu erfüllen. Wenn sie gute Früchte tragen sollen, müssen sie immer im Doppelpack, eine männliche und eine weibliche Pflanze, angepflanzt werden.    
In ihrem Herkunftsort, den nördlichen und östlichen Regionen Asiens, wachsen sie wild als Lianen in Wäldern auf einem durchlässigen, humusreichen, gleichmäßig feuchten, kühlen Boden. Der pH-Wert dort ist leicht sauer.   
Die Baumkronen der Bäume mit den süßesten Früchten sind in der Sonne, die Wurzeln im Halbschatten. Dort kommen die kleinen Kiwibeeren meist in Wäldern vor, wo sie sich, Lianen gleich, die Bäume emporwinden. Damit Ihnen eine reiche Ernte ins Haus steht, sollten die Kronen der Pflanzen ausreichend Sonne abbekommen.    
Entsprechend der natürlichen Gegebenheiten fühlen sich die Pflanzen besonders an windgeschützten Baumrändern wohl. Ideal sind dabei Ost- und Westlagen. Toleriert werden aber auch Nord- und Südlagen.  

Wie kann man Kiwibeeren pflanzen    

Die Mini-Kiwis pflanzt man am besten im Frühling. Arbeite zunächst reichlich Humus in den Boden ein. Dazu eignen sich Laub- oder Rindenkompost genauso gut wie verrotteter Rinderdung.    

Nachdem man die Pflanze gesetzt hat, deckt man ihren Wurzelbereich mit einer Schicht Rindenkompost als Mulch ab. Auf diese Weise trocknet der Boden nicht so schnell aus. Verzichte vor allem an sonnigen Standorten nicht auf eine Mulchdecke, da die flach verlaufenden Wurzeln der Kiwibeere sonst vertrocknen.

Kiwibeeren schneiden   
Die Klettersträucher der Kiwibeere sind unscheinbar, die Früchte aber eine kleine ­Besonderheit.     
Als Kletterpflanze sollte man die Kiwibeere an eine Pergola oder ein Spalier mit vier waagerechten Spanndrähten pflanzen. So erzielt man den besten Fruchtertrag und muss die Pflanzen zugleich nur wenig zurückschneiden. Der höchste Draht der Rankhilfe sollte auf etwa 1,60 m Höhe verlaufen, der unterste nicht tiefer als 40 cm über dem Boden. Die Drähte dazwischen sollten möglichst den gleichen Abstand haben.    
Sobald man eine Mini-Kiwi gepflanzt hat, nimmt man ihr alle Triebe bis auf den kräftigsten Haupttrieb ab. Diesen kürzt man auf rund 60 cm und befestigt ihn mit einer weichen PVC-Hohlschnur am unteren Spanndraht. Von dort wächst der Trieb im Verlauf des Sommers zum nächsten Spanndraht hoch. Dort befes­tigt man ihn wieder und schneidet ihn eine Handbreit darüber ab.     
Die beiden kräftigsten Seitentriebe, die in der Zeit gewachsen sind, leitet man waagerecht entlang des unteren Drahts weiter – den ­einen links, den anderen rechts. Alle anderen Seitentriebe schneidet man ab.    
So erzieht man die Pflanze weiter, bis sie in beide Richtungen vier waagerechte Leittriebe besitzt. Diese entwickeln mit der Zeit Seitentriebe, an deren Basis die Kiwibeere noch im selben Jahr Blüten und Früchte ansetzt.­    
Im Sommer schneidet man die Fruchttriebe vier bis fünf Blätter nach der letzten Frucht ab. Nach der Ernte kürzt man sie auf ein bis zwei Knospen und kürzt auch die Enden der Leittriebe jedes Jahr.    
Alle größeren Schnittmaßnahmen nimmt man an Kiwibeeren am besten im Sommer oder Herbst vor.   

Wie befruchten sich Kiwibeeren?      
Fast alle anderen Fruchtsorten der Kiwibeere tragen weibliche Blüten und brauchen daher in ihrer Nähe eine männliche Pflanze der Wildart Actinidia arguta als Befruchter.    
Tipp: Ist ein Befruchter auch bei einer selbstfruchtbaren Sorte vorhanden, wirft diese einen größeren Ertrag ab.     
Actinidia arguta eignet sich als Befruchter jedoch nicht für alle Sorten. Erkundige dich daher, welche Befruchterpflanze sich für deine Kiwibeeren am besten eignet. Oft steht auch schon ein männliches Exemplar mit im Topf, die die weiblichen Blüten mithilfe von Bienen, Hummeln und anderen Insekten befruchtet.     

Kiwibeeren vermehren       
Von Kiwibeeren kann man ganz einfach sortenechte Ableger ziehen. Man muss dazu nur einen Ranktrieb nach unten in die Erde leiten und warten, bis er Wurzeln bildet. Dann schneidet man ihn von der Mutterpflanze ab und verpflanzt ihn.    

Kiwibeeren ernten und verarbeiten       
Mehrere Kiwibeeren reifen am Strauch. Kiwi­beeren lassen sich je nach Sorte von Mitte September bis Ende Oktober ernten. Eine Pflanze kann bis zu 20 kg Kiwibeeren erbringen. Jungpflanzen tragen allerdings erst nach drei Jahren erstmals Früchte.   
Reife Früchte erkennt man an ihrer ausgefärbten Schale. Ist das Fruchtfleisch bei der Ernte noch hart, lässt man die Beeren zwei bis drei Wochen im Haus nachreifen. Lege ein paar reife Äpfel zu den Beeren, um den Vorgang zu beschleunigen.    
Bei der Ernte schneidet man Kiwibeeren als ganze Trauben ab. Wenn man einzelne ­Früchte pflückt, reißt oft die Schale. Dann sind die Früchte nur noch begrenzt haltbar.     

Krankheiten   
Mini-Kiwis sind widerstandsfähig gegen Krankheiten und Schädlinge. Hin und wieder tritt ein Befall der Kirschessigfliege auf.    

Welche Arten können angepflanzt werden?     
Die Welt der Kiwis ist bunter als vielleicht angenommen. Es existieren über 100 Kiwi-Arten. Als Kiwis werden dabei tatsächlich nur die im Handel erhältlichen Früchte bezeichnet. Alle übrigen Sorten nennt man Kiwibeeren. Die verschiedenen Arten unterscheiden sich in der Farbe ihrer Schale und auch in ihrer Form. So gibt es runde bis längliche Varianten mit grüner, gelblicher oder rötlicher Schale und entsprechendem Fruchtfleisch.      
Die für den Anbau im heimischen Garten empfohlenen Sorten gelten zwar als bedingt selbstbefruchtend, dies ist jedoch keine Garantie für ein reiche Ernte. Werden männliche Pflanzen als Bestäuber zusätzlich angepflanzt, wird sich dies in jedem Fall positiv auf den Ertrag auswirken. Mit nur einer männlichen Kiwibeere lassen sich zwischen sechs und acht weibliche Mini-Kiwis befruchten.    

Männlein oder Weiblein?    
Wie lassen sich nun männliche von weiblichen Pflanzen unterscheiden? Dies kann anhand der Blüten geschehen. Die Blüten der weiblichen Pflanzen umgibt ein Kranz aus strahlenförmig angeordneten Griffeln. Männliche Blüten besitzen diesen Kranz nicht.      

Das passende Substrat auswählen    
Die Kiwibeeren gedeihen bevorzugt in einem lockeren und durchlässigen Boden. Der Boden sollte nicht überhitzen, denn dies schadet den empfindlichen Wurzeln. Diese verlaufen, ähnlich der heimischen Himbeere, flach unter der Oberfläche.   
Als typische Waldpflanze liebt die Mini-Kiwi ein nährstoffreiches Substrat. Ein sandiger Boden macht es den Pflanzen leicht, gut anzuwurzeln. Kalkböden werden weniger gut vertragen. Allerdings reagieren die Kiwibeeren weniger empfindlich auf Kalkböden als die großen Kiwifrüchte. Schwere Böden sollten Sie mit Kompost oder Torf anreichern. Damit erhalten die Pflanzen einen wirkungsvollen Langzeitdünger. Der Boden kann aber auch leicht sauer beschaffen sein. Ideal ist ein pH-Wert zwischen 5 und 6,5. Bei einem höheren pH-Wert kann es zu einem Mangel an Magnesium oder Eisen kommen.     

Das ideale Substrat in Stichworten:

  • locker & durchlässig
  • nährstoffreich
  • pH-Wert zwischen 5 und 6,5
  • kalkarm


Kiwibeeren pflanzen – Schritt für Schritt Anleitung      

Die beste Pflanzzeit für die Kiwibeeren ist im Mai, nach den Eisheiligen. Dann hat die Pflanze genügend Zeit, gut anzuwurzeln und Kräfte für den Winter zu sammeln. Theoretisch können die Mini-Kiwis aber bis in den August hinein gepflanzt werden. Gehen Sie beim Anpflanzen wie folgt vor.     

Schritt für Schritt Anleitung   

  1. Standort auswählen.
  2. Boden mindestens bis in eine Tiefe von 40 Zentimetern auflockern.
  3. Wurzelballen wässern.   
  4. Pflanzloch ausheben.     
  5. Pflanze hineinsetzen.    
  6. Erde mit Kompost, Torf oder Hornspäne anreichern und auffüllen.   
  7. Pflanzloch schließen.    
  8. Pflanze reichlich angießen.    
  9. Mulchschicht aus Laub, Tannennadeln oder Rasenschnitt rund um die Pflanze verteilen.    


Tipp: Pflanzen Sie mehrere Kiwibeeren, müssen Sie auf einen ausreichenden Abstand ­achten. Der Mindestabstand beträgt einen Meter. Von Experten werden sogar zwei Meter und mehr empfohlen, da die Wurzeln der Kiwibeeren viel Raum benötigen.  Außerdem wachsen männliche Kiwibeeren schneller als weibliche Pflanzen. Ein Pflanzabstand von 2,5 Metern ist deshalb ideal, damit die weiblichen Pflanzen nicht verdrängt und überwuchert werden.    

Gießen und düngen   
Besonders an heißen Tagen sollten die Jungpflanzen regelmäßig gegossen werden, weil sie es noch nicht gelernt haben, die Flüssigkeit einzuteilen und sie darum mehr davon benö­tigen. Wenn bei der Pflanzung ausreichend organisches Material zugegeben wurde, benötigen die jungen Pflanzen in den ersten beiden Jahren keine zusätzliche Düngung.     
An heißen Tagen kann eine Mulchschicht den Wurzelbereich vor zu starker Sonneneinstrahlung schützen. Wenn das versäumt wird, könnten die Wurzeln absterben, was sich an braunen und eingerollten Blättern zeigt.   
In trockenen Sommern sollte man die Pflanze daher auch regelmäßig und frühzeitig gießen. Außerdem benötigen Kiwibeeren im Frühjahr eine Gabe Horndünger oder organischen ­Beerendünger.     

Ernte    
Nach zwei bis drei Jahren werden die jungen Pflanzen erstmals Früchte tragen. An einer intensiven Färbung der Schale können Sie dann den Reifegrad der Früchte erkennen.

     

Monika Hermeling