Einfach mal gespritzt

Ohne zu wissen was Sache ist – Pflanzenschutzmittel-Einsatz    
Immer wieder landen bei mir Anfragen, die so nicht mehr vorkommen sollten: Es geht um Schadbilder, die der Gärtner nicht kennt. Das ist ja nichts Schlimmes, auch ich bin nicht allwissend. Was mir bei diesen Anfragen nicht gefällt, ist die Tatsache, dass schon mal einfach so ins Blaue hinein gespritzt wurde, ohne Kenntnis, ob es sich um Krankheiten, Schädlinge, Nährstoffmangel, Trockenheit oder andere Auslöser handelt. Da heißt es, ich hab mal das Mittel gegen Krautfäule genommen. Da war noch was vom Wingert spritzen übrig. So und noch schlimmer sind dann Informationen zum sinnlosen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Besonders scharf ist die Situation, wenn ganze Spritzfolgen durchgeführt wurden – also so von Insekten– bis Pilzmittel, eventuell mit Dünger, von allem eine Behandlung. Anschließend sind natürlich die Mittel schuld, wenn sie nicht geholfen haben. Bei passender Gelegenheit bekommen die Berater, egal ob Fachberater vom Kleingartenverband, staatlich oder von den Firmen, die schlechte Wirkung ausführlich erzählt. Auch alte Gewohnheiten beim Pflanzenschutzmitteleinsatz können solche Falschanwendungen verursachen. Es ist Achtsamkeit angesagt, wenn der Name des Mittels bleibt, durch eine Wirkstoffänderung aber anders damit umgegangen werden muss. Wer liest denn schon die Gebrauchsanleitung? Ein Beispiel: Bleiben wir der Einfachheit halber beim Herbizid. Ein Bodenwirkstoff, der über die Wurzeln aufgenommen wird, wurde gegen einen über das Blatt wirkenden ausgetauscht. In diesem Fall hat der Kleingärtner mehrfach, auch stärker konzentriert, ohne Erfolg gegossen. Das kommt in der Praxis leider häufig vor!   
Zum Vergleich: Für mich ist das, wie wenn Sie Ihr Auto in die Werkstatt bringen. Die Reifen werden gewechselt, aber es wäre ein Öl­wechsel angebracht.    
Alle Welt spricht von Klima, Umwelt, biologisch, ökologisch. Kleingärtner sehen sich schon seit Jahrzehnten als Natur- bzw. Umweltschützer. Diese Fehlanwendungen generell nur auf ein paar schwarze Schafe zu reduzieren, ist in meinen Augen stark vereinfacht. Vielleicht stehen diese Fehlanwendungen mit Leichtsinn, Gewohnheit oder Bequemlichkeit in Verbindung.     
Leider leisten sich nicht nur gärtnerische Laien da peinliche Fehler, selbst bei den Profis wie Landwirten, Obstbauern, Winzern und den Gärtnereien kommen schon mal solche Überraschungen zutage. Bevor Sie sich jetzt angegriffen fühlen: natürlich sind auch Sie als Haupterwerbsmensch nicht mit allen Pflanzenschutzproblemen vertraut – dann bräuchte man den Berater ja nicht mehr. Mir geht es nur um das Bewusstsein: Wenn ich ein unbekanntes Schadbild vor mir habe, spritze ich nicht auf Verdacht. So einfach ist das. So haben, egal wer – Hobbygärtner oder Profi – dann die Verpflichtung, sich zu informieren. Komme mir keiner damit, aus Zeitmangel und fehlenden Informationsmöglichkeiten ginge das nicht oder sei zu aufwendig. Klar ist mir bekannt wie ärgerlich es ist, den Berater nicht oder erst nach langer Zeit an die Strippe zu bekommen. Wenn die ganzen sinnlosen Spritzungen nichts geholfen haben, müssen Sie sich jedoch sowieso melden. Sie wollen doch eine Lösung.   
Wobei ich mich nun wieder etwas mehr mit den Schäden im Garten beschäftigen will. Erwerbsanbauer haben grundsätzlich weniger Probleme mit ihren Pflanzenschutzkenntnissen im betrieblichen Ablauf. Geht es in den privaten Bereich wird es aber auch schon mal wissenstechnisch dünn. In der Obstanlage ist das Erkennen von ‚Roter Spinne‘ kein Problem. Genausowenig wie die effektive Pflanzenschutzstrategie inklusive der pflanzenbaulichen Maßnahmen. Hat aber die heimische Oleandersammlung den gleichen Schaderreger, tun sich Lücken auf. Noch schwieriger wird es, wenn an Gemüse und Ziergewächsen pilzliche oder nicht-parasitäre Erscheinungen auftreten. Nicht-parasitär heißt: unbelebte Schaderreger. Einfache Beispiele sind Trockenheit, Vernässung, Nährstoffmangel. Gerade dieser Bereich führt zu Durcheinander bei der Ursachenbestimmung. Zu oft sehen sich Schäden sehr ähnlich. Nur große Erfahrung und genaues Hinterfragen bei den Betroffenen, führt zur Lösung. Nochmal: Ich habe für fast alles Verständnis und Ihnen hier Situationen genannt, weshalb falscher Präparat-Einsatz zustande kommt. Dennoch ist es grundsätzlich ein schlechter Ansatz, einfach mal mit allen möglichen Mittel draufzuhalten.
Egal, ob Sie mich nun für einen grünen Ökospinner halten: In Deutschland haben wir eine Indikationszulassung. Diese besagt, dass nur in den auf der Gebrauchsanleitung genannten Kulturen und gegen die beschriebenen Schaderreger das Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen darf. Das gilt für Profis genauso wie für Hobbygärtner. Es spielt keine Rolle, ob der Gemüseanbauer mit hektargroßen Flächen oder die Privatperson mit ein paar Geranien im Blumenkasten betroffen ist.      Gerade in der Pflanzenschutzberatung für Kleingärtner gibt es bei den Verkaufsstellen bzw. deren Personal noch viel Luft nach oben. Bevor zugelassene Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen, muss also zwingend der Schaderreger bestimmt sein, um gezielt die richtigen Maßnahmen oder Mittel einsetzen zu können.    
In diesem Sinne, viel Erfolg.       

Hans Willi Konrad