Wildbiene des Monats Mai 2022: Aschgraue Sandbiene

Andrena cineraria,(LINNAEUS 1758)

Was heißt es schon, graue Haare zu bekommen. Der eine mags, der andere färbt sie sich. Die Aschgraue Sandbiene steht zu ihren grauen Härchen. Sie fällt deutlich mit ihren grauen „Bärten“ und den langen weißen Haaren an Körper und Beinen auf. Auch ist die schwarze Querbinde über der Brust auffällig. Die Weibchen bestechen durch ihr schlichtes Schwarz an den Füßen und durch ihren glänzenden Hinterleib. Wie bei den meisten einheimischen Wildbienenarten sind auch hier die Männchen kleiner als die Weibchen.   
Unsere Wildbiene des Monats Mai 2022 ist in jedem Bundesland anzutreffen. Sie gilt als ungefährdet, ist also in ihrem Bestand nicht bedroht. Die Aschgraue Sandbiene lebt in Sand- und Kiesgruben oder auf trockenen Fettwiesen. Da Pferde und Rinder aufgetretene Bodenstellen schaffen, können auch diese Flächen den Bienen Nistplatz bieten. Wenn zudem offene und sandige Böden vorhanden sind, treffen wir die Sandbiene auch in unseren Gärten, Parkanlagen und in lichten Wäldern an.     
Die Aschgraue Sandbiene nistet gern in sonniger Lage an schütter bewachs­enen Hängen, Felskuppen und Uferböschungen. Als Kinderstube dienen ihr sogar verlassene Ameisenhaufen und alte Maulwurfshügel. Hier gräbt sie mit ihren Vorderbeinen und Mundwerkzeugen kleine Hohlräume in den lockeren Erdboden. Dabei legt sie bis zu 20 Zentimeter tiefe, bleistiftdicke Gänge an. Die Weibchen errichten in diesen Gängen Nester mit je zwei bis drei Brutzellen. Beobachtet werden mitunter auch Nistgemeinschaften von Hunderten Weibchen, die ihre Nester dicht nebeneinander anlegen. Bei sehr regnerischem Wetter und zum Ende der Flugaktivität verschließen die Weibchen dann die Nisteingänge.    
Die Aschgrauen Sandbienen sind ab Mitte April bis Ende Mai zu beobachten. Zuerst schlüpfen die Männchen. Sie patrouillieren in vorfreudiger Erwartung der Paarung auf die Weibchen. Dabei hinterlassen sie verheißungsvolle Duftspuren entlang ihrer Flugbahnen. Die Weibchen nehmen über den olfaktorischen Sinn die Männchen wahr, noch bevor sie diese sehen können.   
Neben der Kopula interessiert die Bienen-Weibchen vor allem eins: das Auffinden von Blütenpollen für den eigenen Nachwuchs. Bei der Wahl der Nahrungspflanzen gilt die Aschgraue Sandbiene als eher anspruchslos. Sie sucht bis zu sieben Pflanzenfamilien auf. Eine Vorliebe hat sie aber doch: Besonders gern nimmt sie den Pollen des Löwenzahns auf.   
Die Weibchen der Aschgrauen Sandbiene treffen wir in unseren Gärten und Grünanlagen häufig am Buchsbaum, an Sal-Weiden, Heckenrosen und Schlehen an. Doch es gibt auch schlechte Nachrichten: Gülle, Pestizide, Straßen- und Siedlungserweiterungen bedrohen die Aschgrauen Sandbienen. Unsere Kulturlandschaften verarmen und erschweren die Futter- und Nistplatzsuche.   
Auch natürliche Feinde rücken der Aschgrauen Sandbiene auf den Pelz: Als Brutparasiten sind die Rothaarige Wespenbiene (Nomada lathburiana) und die Feld-Wespenbiene (Nomada goodeniana) bekannt. Sie nutzen die offenen Nester der Sandbiene allzu gern für den eigenen Nachwuchs. In Abwesenheit der Sandbiene legen die Kuckucksbienen unbemerkt ein eigenes Ei in das Nest.    
Hilfe für die Aschgrauen Sandbienen und ihre verwandten Bienenarten ist möglich: Wenn Sie einen eigenen Garten haben, lohnt sich Folgendes: Suchen Sie in Ihrem Garten ein sonniges Plätzchen. Stechen Sie mit dem Spaten eine kleine Bruchkante in den Boden. In diesen Rohboden bauen die Sandbienen ihre Niströhren. Mähen Sie spät und unbedingt in Streifen, denn die Bienen lieben den Pollen des Löwenzahns, der Gänseblümchen, Margeriten, Habichts- und Fingerkräuter. Und zuletzt: Führen Sie Freunde und Bekannte an die Blüten und zeigen Sie ihnen die kleinen grauhaarigen Sandbienen.  
     

Wertvolle Tipps wie bienenfreundliche Strukturen gestaltet werden können, finden Sie auf unseren Websites www.wir-tun-was-fuer-bienen.de und  www.deutschland-summt.de                        

Dominik Jentzsch, Stiftung für Mensch und Umwelt  

 

Schnelle Fakten:

  • Name: Aschgraue Sandbiene oder Grauschwarze Düstersandbiene (Andrena cineraria, LINNAEUS 1758); Lat. cinis = Asche    
  • Flugzeiten: Ende März bis Anfang Juni (eine Generation)       
  • Nahrung und Lebensraum: Anspruchslos, besucht bis zu sieben Pflanzenfamilien; Sand- und Kiesgruben, trockene Fettwiesen, lichte Wälder.  
  • Nistweise: Nistet in selbstgegrabenen Hohlräumen unterschiedlicher Bodenarten.     
  • Parasiten: Rothaarige Wespenbiene (Nomada lathburiana, KIRBY 1802), Feld-Wespenbiene (Nomada goodeniana, KIRBY 1802)     
  • Gefährdung: Gilt in Deutschland als nicht gefährdet; weit verbreitet, dabei aber nicht häufig         
  • Besonderheiten: Nistet in Kolonien, teilweise mit mehreren Hundert Nestern; Verwechslungsgefahr mit der Großen Weiden-Sandbiene (Andrena vaga, PANZER, 1799)          

 

Weitere Infos    

www.wir-tun-was-fuer-bienen.de 

www.stiftung-mensch-umwelt.de 

www.deutschland-summt.de 

 

Literatur 

  • Amiet, Felix & Krebs, Albert (2012): Bienen Mitteleuropas; Gattungen, Lebensweise, Beobachtung; Haupt Verlag, Bern.
  • Bellmann, Heiko & Helb, Matthias (2017): Bienen, Wespen, Ameisen; Kosmos Verlag, Stuttgart.
  • Hemmer, Cornelis & Hölzer, Corinna (2017): Wir tun was für Bienen; Wildbienengarten, Insektenhotel und Stadtimkerei; 2. Auflage, Kosmos Verlag, Stuttgart.
  • Michener, Charles D. (2007): The Bees of the World; Johns Hopkins ­University Press, Baltimore.
  • Scheuchl, Erwin & Willner, Wolfgang (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mittel­europas; Alle Arten im Porträt; Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim.
  • Westrich, Paul (2019): Die Wildbienen Deutschlands; 2. Auflage, Ulmer Verlag, Stuttgart.
  • Wiesbauer, Heinz (2017): Wilde Bienen; Biologie, Lebensraumdynamik von über 470 Wildbienen Mitteleuropas; 2. Auflage, Ulmer Verlag, Stuttgart.