Große und kleine Geißbärte

Sie wohnen in zwei Häusern        

In naturnahen Gärten, die mittlerweile viel Sympathie genießen, überwiegen heimische Gewächse in möglichst artgerechter Umgebung. Die Auswahl dafür geeigneter Pflanzen garantiert, dass aus einem ansehnlichen Garten kein wildes Durcheinander wird. Einer, der sich daran sehr gern beteiligt, ist Waldgeißbart (Aruncus dioicus), eine auch bei uns heimische Staude für feuchte Standorte in lichten Hainen oder an Ufern von Bächen und Teichen, gern auch im Vordergrund ­lockerer Gehölzgruppen mit entsprechendem Angebot an Feuchtigkeit. Je feuchter der Boden, desto mehr Sonne kann Geißbart vertragen. Kräftige Pflanzen werden mannshoch, mitunter noch höher, breiten sich langsam, aber sicher mit Rhizomen weiter aus und sind zur Blütezeit im Juni/Juli eine Wucht. Die Stängel mit doppelt gefiederten Blättern bilden große, rispige Blütenstände, bestehend aus Tausenden kleiner, weißer Blütchen, die Insekten, Schmetterlinge, Hummeln, Bienen anlocken. Ältere Pflanzen liefern im Frühjahr, wenn die Sprosse 10–15 cm lang wurden, jedoch noch keine Blätter gebildet haben, saftige Sprosse, die Feinschmecker schätzen.     
Aber aufgepasst: Es gibt solche und solche Geißbärte, weibliche und männliche Pflanzen, denn Geißbart ist zweihäusig. Männliche Exemplare machen zur Blütezeit mehr her als weibliche, weil die Blütenstände voller sind, schwer von lauter Blüten, sich deswegen oft graziös etwas neigen. Im Handel sind gewöhnlich männliche Geißbärte zu haben. Will man in einem recht großen Garten, etwa auf dem Lande, dass sich Geißbart schnell ausbreitet, pflanzt man männliche und weibliche, so dass sich Samen bilden für nachfolgende Pflanzen und lässt nach der Blüte nur die männlichen stehen. Für Gärten üblicher Größe ist Vermehrung durch Teilung sinnvoller. Bei schon recht alten Geißbärten, deren Rhizome mit der Zeit verholzen, kann das schwierig werden. Da muss mindestens ein scharfer Spaten her. Bei natürlich gehaltvollem Boden genügt herbstliche Kompostgabe, damit Geißbart gut gedeiht und Jahrzehnte alt wird. Im Nachwinter schneidet man die vorjährigen Triebe weg und jagt sie durch den Häcksler als Mulchmaterial für andere Beete.      
Schnell noch ein paar weitere Geißbart-Hinweise: die Sorte ‚Kneiffii‘ hat starke, fast bis auf die Rippen geschlitzte Blätter. Das sieht kurios aus, aber der normale Geißbart ist schöner. Zu erwähnen ist ferner der Zwerggeißbart Aruncus aethusifolius, der nur 30–40 cm hoch wird, cremeweiß ab Mai blüht. Die Sorte ­‚Johannisfest‘, eine männliche Form, blüht sehr hübsch im Juni cremeweiß, hat rote Stiele und rotbraune Herbstfärbung. Diese Art eignet sich eher auch für sonnigere Plätze, könnte in größere Steingärten passen oder aufs Staudenbeet. Wer wenig Zeit für Gartenpflege hat, kommt ohne Geißbärte nicht aus.      

Ilse Jaehner