Ernte das ganze Jahr möglich

Im Winter auch auf der warmen Fensterbank

Wer einmal auf den Geschmack frischer Kräuter gekommen ist, wird sich auch von der dunklen und kalten Jahreszeit nicht abschrecken lassen und weiterhin in geringem Maße würziges Grün ernten wollen.   

Ohne großen Aufwand lassen sich das ganze Jahr über von winterharten Kräutern Blätter oder kleine Zweige abpflücken. Zu diesen Kräutern gehören Lavendel, Löffelkraut, Salbei, Thymian, Weinraute und Winte­r­bohnenkraut.   

Alle anderen Kräuter, die zur Ernte herangezogen werden, müssen künstlich überwintern. Bereits jetzt wird Rosmarin und in harten Lagen auch Thymian in Töpfe gepflanzt und vor den ersten Frösten ins Haus geholt. Dort erhalten sie einen kühlen und hellen Platz, wie ihn ein Flur oder ein Treppenhaus bieten. Auch Salbei, Ysop und Weinraute sind an einem solchen Ort im Haus über Winter problemlos zu ernten.   

Für eine mäßig warme Überwinterung kommen junge Pflanzen von Basilikum, Majoran, Oregano und Zitronenmelisse in Frage. Sie bekommen einen sonnigen, hellen Platz auf der temperierten Fensterbank, wachsen hier weiter und können ständig geerntet werden. Kresse und Kerbel werden im Abstand von drei bis vier Wochen als Folgesaat in Schalen ausgesät und ebenfalls warm und sonnig platziert.   

Etwas aufwändiger ist die Kräutertreiberei von Schnittlauch und Petersilie. Im November/Dezember werden kräftige Schnittlauchklumpen ausgegraben und einige Tage im Freien liegen gelassen, so dass sie richtig durchfrieren. Ist die Witterung zu mild, kann man diesen Effekt notfalls auch erreichen, indem man die Wurzelstöcke, in Plastikbeuteln verpackt, einige Zeit im Gefrierfach des Kühlschrankes einlagert. Anschließend werden die Wurzelklumpen in Blumentöpfe gesetzt und fest eingepresst. Sie bekommen einen warmen Standort und werden mit temperiertem Wasser gegossen. Ab einer Länge von 15 cm können die Blattröhren geerntet werden; dazu schneidet man sie dicht über dem Topfrand ab.    

Altbekannt ist es, noch vor den ersten Frösten im Herbst, Blattpetersilienpflanzen auszugraben, einzutopfen und auf der Fensterbank vorzutreiben, um frische Blätter zu ernten.   

Einfacher und bedeutend mehr Blattgrün erreicht man mit dem Treiben von Petersilienwurzeln, die man sonst im Winter zum Würzen allerlei gekochter Speisen verwendet.   

Dazu topft man im Herbst ausgegrabene oder dazugekaufte Wurzeln in einen Topf ein, stellt sie warm und sorgt für einen feuchten Ballen. Aufgrund der bedeutend größeren Wurzel setzt ein kräftigeres Wachstum von frischem Grün ein, das sich durch viele glatte Blätter kennzeichnet. Bis sich die Wurzel erschöpft hat, gibt es reichlich zu ernten; rechtzeitig zuvor setzt man ein, zwei neue Wurzeln zum Treiben auf.   

So ist es mit ein wenig Mühe auch in der kalten Jahrszeit möglich, Kräuter zu ernten, und man braucht nicht auf den unvergleichlichen Geschmack frischer Gewürzpflanzen zu verzichten.              

Peter Busch