Tulpen ticken ­anders

Menschen schließen leicht von sich auf andere. Da liegen sie bei Tulpen aber richtig falsch. Wir sagen September, meinen Herbst und Ende des Wachsens. Anders Tulpenzwiebeln. Die legen um diese Zeit wieder los, nachdem sich im August gar nichts tat, sie sich nur der Ruhe hingegeben haben. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie seit Frühjahr und Blütezeit im Boden blieben oder nach Kultur im Lager auf Weiteres – also Pflanzung – warten. Ab September hält sie nichts mehr. Sie wollen wachsen, besonders wenn sie gesund und kräftig sind.   

Das ist dann auch der richtige Pflanztermin. Wer im Garten mit den Pflanzen geht, sich ihnen anpasst, hat den größten Erfolg bei vergleichsweise geringstem Aufwand. An manchen Lagerzwiebeln zeigt sich schon die Andeutung von Keimen. Auch weil schon längere Keime leicht abbrechen und die Zwiebeln dann noch einmal ganz von vorn anfangen müssen, pflanzt man sofort. Während dann im Winter alle Lebensvorgänge zu ruhen scheinen, wächst der Trieb fleißig voran und befindet sich gegen Winterende bereits dicht unter der Erdoberfläche. Sowie es warm genug wird, bricht er als grüner Pfeil aus dem Boden. Wohlgemerkt, man kann auch im Oktober pflanzen, aber grundsätzlich und im Interesse der Zwiebeln pflanzt man eher.                                           

Ilse Jaehner