Bambus im Garten

Der Bambus nimmt innerhalb des Pflanzenreichs eine ganz besondere Position ein. Zunächst einmal zählt er aus botanischer Sicht zu der großen Familie der Gräser, was bedeutet, dass er weltweit gesehen einer riesigen Pflanzenfamilie mit vielen sehr unterschiedlichen Gattungen und Arten angehört. Am weitesten verbreitet ist Bambus natürlich in Asien, wo er auch seine größte Bedeutung hat. Es gibt buchstäblich nichts, was man nicht aus ihm fertigen könnte, einschließlich Baugerüsten. Es gibt sogar Arten, die wir essen können. Sein Wachstumsverhalten ist je nach Art geradezu verblüffend. So sagt ein altes japanisches Sprichwort:    

Sei wie der Bambus,
beuge und biege dich anmutig, 
so wie der Wind es will 
und du wirst niemals brechen.


Der Bambus als Symbol*   

Der Bambus genießt in der asiatischen Kultur eine besondere Bedeutung und hohes Ansehen. In China steht Bambus für ein langes Leben, Beständigkeit und Bescheidenheit. Er spielt auch im Bereich des Feng-Shui eine wichtige Rolle, einerseits als Glücksbringer und andererseits als Zeichen für Reichtum. Für die Japaner symbolisiert der Bambus Klarheit, Reinheit und Glück. Und in Indien ist er ein Symbol für Freundschaft. „Der Bambus ist mein Bruder“, sagt man in Vietnam. Seine Geradheit (zheng) steht für Aufrichtigkeit. Die Regelmäßigkeit der Knoten (jie) ist ein Zeichen der Verlässlichkeit und Integrität. Die jade­farbene Reinheit bedeutet Lauterkeit. Dass er auch im Winter seine Blätter nicht verliert und immer grün bleibt, verheißt Widerstands­fähigkeit. Seine Langlebigkeit lässt sich direkt auf den menschlichen Wunsch nach Langlebigkeit übertragen. Die Tatsache, dass er innen hohl bzw. leer (kong) ist, ist buddhistisch als Verkörperung der „Lehre der Leere“ oder daoistisch/konfuzianisch als Bescheidenheit interpretierbar. Seine Flexibilität ist Zeichen seiner Fes­tigkeit und Unverwüstlichkeit – er lässt sich biegen, doch kaum brechen. Professor Pohl hat auch den Begriff „Bambus-Mentalität“ eingeführt. Er steht für die Fähigkeit Kompromisse einzugehen, sich den Gegebenheiten anzupassen und doch aus Krisensituationen immer wieder ungebrochen hervorzugehen.   

*Diesen Absatz hat der renomierte Sinologe Prof. Karl-Heinz Pohl der Unisversität Trier in einer Beschreibung zu Bambus verfasst.   


Wissenswertes über Bambus   

Diese schöne Beschreibung vom Bambus und seinem Verhalten sowie die übertragenden Eigenschaften auf die Menschheit bezieht sich auf die gesamte Gattung der Bambusgewächse. Bambus (Bambusoideae) ist eine der zwölf Unterfamilien aus der Familie der Süßgräser, der etwa 116 Gattungen und 1070 Arten zugerechnet werden. Die Unterfamilie wird in drei Formen unterteilt, wobei Arundinarieae und Bambuseae verholzende Arten umfassen und Olyreae krautig wachsende Pflanzen. Hinzu kommen unzählige Sorten. Bambusarten kommen auf allen Erdteilen vor, mit Ausnahme von Europa und der Antarktis (außer bambusähnlichen Großgräsern). In der nachfolgenden Tabelle sind die wichtigsten aufgeführt, die unter Vorbehalt in unseren Gärten kultiviert werden können. Wenn man auch mit Respekt auf diese wundervolle Pflanze mit ihren vielseitigen Eigenschaften und unzähligen Verwendungszwecken schauen kann, darf man nicht vergessen, dass diese Gewächse jedem (unwissenden) Gärtner das Leben sehr rasch zur Hölle machen können. Das bezieht sich vor allem auf die Wuchs­höhe, Rhizombildung und den starken Ausbreitungsdrang.   


Wofür kann man Bambus in der Gartengestaltung verwenden?   

Bambuspflanzen sind ein sehr schönes Gestaltungselement für fast jeden Garten. Einmal die Schönheit dieser Pflanzenart, andererseits aber auch ihr Verhalten und ihre Vielseitigkeit. Wenn die immergrünen Triebe sich leicht im Wind bewegen erzeugt das ein unvergleichliches Geräusch. Bambus lässt sich mit vielen verschiedenen Pflanzen kombinieren und gliedert sich in viele unterschiedliche Gartensituationen ein. Durch sein Verhalten verleiht er einem Garten einen Hauch von asiatischer Gartenkultur. Besonders interessant wirkt er mit Rhododendron und Azaleen. Bambus in Teichnähe ist geradezu ein muss (keine rhizomtreibenden Arten). In Verbindung mit Gartenkeramik oder großen Steinen wirkt er besonders dekorativ. Er kann als stufenförmiger Aufbau in Gruppen gepflanzt werden, und er eignet sich sogar als Heckenpflanze. Letztlich kann noch erwähnt werden, dass er sich durchaus auch als Kübelpflanze eignet (richtige Sortenwahl beachten), siehe Tabelle rechts.   

Eigentlich sollte man Bambus nicht in einem Schrebergarten pflanzen, denn er zählt zu der Pflanzengruppe, die in unseren Gartenan­lagen von der Bezirks- bzw. Unterbezirks­leitung nicht so gerne gesehen wird (zwar meistens geduldet, jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen bzw. Bedingungen). Bevor es ans Pflanzen geht, sollte man sich sehr genau über diese schöne Gartenpflanze und ihre eigenwilligen Wuchseigenschaften informieren. Aus der Tabelle geht hervor, wie hoch die jeweiligen Pflanzen werden und zudem ist vermerkt, welche Art Rhizome bildet und welche nicht. Vorzugsweise sollten in einem kleinen Garten nur horstbildende Arten gepflanzt werden, das sind vornehmlich Pflanzen der Gattung Fargesia. Leider gibt es in verschiedenen Gartenanlagen der BLW auch schon Ärger und viel Verdruss, weil einige uneinsichtige Pächter Bambusarten gepflanzt haben, die ausschließlich verwendet werden können, wenn man sie schon bei der Pflanzung mit einer Rhizomsperre versieht. Ohne solch eine Sperre wachsen die speerähnlichen Rhizome meterlang, unterirdisch weiter und tauchen sehr schnell in nachbarlichen Gärten oder anderen Flächen auf, wo man sie nicht erwartet und natürlich auch nicht haben möchte. Das führt verständlicherweise zu Reklamationen und der Besitzer ist verpflichtet, den „Wildwuchs Bambus“ zu entfernen. Im Falle von Zuwiderhandlungen kommt es zwangsläufig zu einer Abmahnung, was dann auch mit einer Kündigung der Pachtfläche enden kann. Um die Wichtigkeit erneut zu unterstreichen, hier noch einmal ein Appell an alle Bambusfreunde: Pflanzen Sie ausschließlich rhizomfreie Arten oder bauen Sie eine fachlich richtige Sperre schon im Vorfeld ein. Das Entfernen von ausgeuferten Bambuspflanzen ist nicht nur sehr arbeitsaufwendig, sondern auch teuer.     


Rhizomsperre   

Rhizombildende Gattungen kann man eigentlich nur mit einer Rhizomsperre in den Boden setzen. Diese Sperre verhindert das Ausbüchsen der Pflanze, die ansonsten innerhalb kürzester Zeit den Garten in einen Bambuswald verwandelt, in dem dann außer Bambus nicht weiter wachsen würde. Eine Rhizomsperre besteht aus einer 75–100cm breiten Polyethylen-Bahn (PE-HD) auf Rolle mit einer Materialstärke von 2–4 mm. Die Materialbreite von 70–100 cm reicht durchaus aus, denn alle Bambuspflanzen zählen zu den Flachwurzlern. Dazu gehört auch eine Aluminium Doppelschiene mit Verschraubung, mit der die beiden Enden der Kunststoffbahn überlappend verbunden werden. Die Verschraubung sollte immer vor Ort vorgenommen werden, denn der Durchmesser ist abhängig von der Ballengröße der Bambuspflanze. Eine passende Größe sollte um ein Drittel größer sein als der Pflanzenballen selbst. Es ist zweckmäßig, die tonnenförmige Rhizomsperre so zusammenzuschrauben, dass sie leicht konisch ist – unten kleinerer Durchmesser als oben. Das hat den Vorteil, dass die sich rasch bildenden Rhizome automatisch nach oben gelenkt werden. Zudem sollte man beachten, dass die Sperre ca. 10 cm aus dem Boden ragt. Dadurch lassen sich neue Rhizome besser erkennen und man kann sie einfacher entfernen, bevor sie abwandern und den Boden außerhalb der Sperre besiedeln.    


Wie und wann pflanzt man Bambus?  

Alle Bambusarten lieben einen hellen bis vollsonnigen Standort. Der Boden sollte locker sein und zumindest einen leichten Humusanteil aufweisen. Reine Sandböden oder sehr lehmige Böden sind eher ungeeignet. Der ideale pH-Wert 5,5–6,8. Staunässe ist unbedingt zu vermeiden. Es gibt keine direkte Pflanzzeit für Bambus, da alle Pflanzen im Container angeboten werden.    


Pflege von Bambus    

Bambus kann man als pflegeleichte Gartenpflanze bezeichnen. Zu beachten ist jedoch der ziemlich hohe Wasserbedarf dieses Flachwurzlers. Ist es zu trocken, rollt er sofort seine Blättchen in Form von kleinen Röllchen ein. Andererseits sollte man Bambus aber nicht als Wasserpflanze betrachten. Düngen liegt im Ermessen des Besitzers. Die stark zehrende Pflanze hat durchaus einen Bedarf an den Hauptnährstoffen NPK. Allerdings sollte man trotzdem vorsichtig damit umgehen, da die Bambuspflanzen dann noch stärker wachsen. Eine einmalige Grunddüngung mit einem ­mineralischen Volldünger reicht aus. Man verabreicht ihn am besten im Frühjahr.    


Bambus schneiden    

Bambus sollte man regelmäßig schneiden, das betrifft in erster Linie abgestorbene bzw. trockene Triebe. Ferner lassen sich mit einer Astschere die oberirdisch auftretenden Rhizomteile ausschneiden, das verhindert eine zu starke Ausbreitung der Pflanze. Auch Neutriebe, die wie Spargel aus dem Boden kommen, kann man bis zur Oberfläche der Pflanze abschneiden. Nur Einkürzen würde zum Absterben des Neutriebs führen. Man kann bei Arten, die Seitentriebe bilden, durchaus die Halme einkürzen, allerdings stellt der Halm dann aber sein Längenwachstum ein. Bei Solitärpflanzen würde das auf Dauer unschön aussehen. Wendet man den Schnitt bei Bambus als Heckenpflanze an, erzielt man damit schon eher eine positive optische Wirkung. Damit soll gesagt werden, dass Bambus im Prinzip eher schnittunverträglicher ist als viele andere Pflanzen. Extrem herausragende Seitentriebe oder ganze Halme können aus optischen Gründen natürlich jederzeit geschnitten werden (außer bei Frost).   


Schädlinge und Krankheiten   

Alle Bambusarten gelten als weitgehend resistent gegen den Befall von Schädlingen und Krankheiten. Treten Störungen am Wachstum der Pflanzen auf, ist das eher an falschen Standortbedingungen fest zu machen. Das trifft auch zu bei Pflanzen mit einer geringeren Winterfestigkeit. Allerdings ist in letzter Zeit durch den Klimawandel ein neuer Schädling in Europa aufgetreten, der zwar bekämpft, aber auch genau beobachtet werden muss. Hierbei handelt es sich um die Bambusmilbe. Diese leben auf der Unterseite der Bambusblätter und stechen sie an. Die kleinen Milben sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen, dafür ist das Schadbild umso besser erkennbar. Bei einem stärkeren Befall erkennt man auf der Blatt­oberfläche unregelmäßig verteilte hellgrüne ovale bis runde ca. 8 mm große Blattflecken mit einem zentrierten Punkt in der üblichen Blattfarbe. Der Schädling kann mit einem Mittel gegen Milben einfach bekämpft werden.   

Ihr Peter Hagen